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Ökumenischer Gesprächskreis Zweibrücken

das erste Ökumenische Treffen. Das erste ökumenische Treffen in Zweibrücken fand am 19. Juni 1963 statt : Mutig und aktuell – Ökumenischer Gesprächskreis

Seit fast 60 Jahren treffen sich Interessierte verschiedener Glaubensausrichtung, um gemeinsam über bewegende Themen zu diskutieren. Damit gehört Zweibrücken zu den Vorreitern der Ökumene. Die Themenauswahl ist erstaunlich vielfältig und „überreligiös“.

Im Nebenraum der Versöhnungskirche wird heiß diskutiert. An jedem zweiten Dienstag im Monat trifft sich hier der „Ökumenische Gesprächskreis“ unter der Leitung des evangelischen Theologen Michael Behnke, um sich mit vielfältigen Themen zu beschäftigen. Aktuell stehen Betrachtungen im Mittelpunkt unter dem Motto „Religion hilft – Religion schadet. Spiritualität und Krankenheilung. Von Asklepios bis Jesus oder von Epidauros bis Lourdes“.

Doch nicht erst jetzt kommen rund 15 Interessierte ganz unterschiedlicher Glaubensausrichtung, von der Ordensschwester bis zum Mediziner, regelmäßig zusammen. Der „Ökumenische Gesprächskreis“ in Zweibrücken war Vorreiter im Konfessionen und sogar Religionen übergreifenden Austausch, als die offizielle Ökumene noch kaum geboren war. Bereits 1963 planten die beiden Initiatoren, Heinz Cremer (katholisch) und Hans Reichsrath (evangelisch), gemeinsam mit Pfarrer Ernst Starck das erste „Ökumenische Treffen“.

Am 19. Juni 1963, vor bald 60 Jahren also, fand es im damaligen Café Löhle in Zweibrücken statt. „Pfarrer Starck informierte damals zuvor Bischof Friedrich Wetter und bat um grünes Licht“, weiß der katholische Pfarrer Rainer Schanne, der den Ökumenischen Kreis 30 Jahre lang, bis 1984, leitete und ihm weiterhin beiwohnt.

„Regelmäßig unregelmäßig“, vier bis sechs Mal im Jahr, trafen sich Interessierte zu Themenabenden, die unter anderem von Dekan Martin Lugenbiehl, Pfarrer Kuby, Studienrat Berhold Wilhelm oder den Initiatoren gestaltet wurden. 1974 wurde in der Zweibrücker Festhalle der Ökumenische Kirchentag begangen. Ein weiterer Höhepunkt war der Ökumenische Stadtkirchentag 2002. Der Gesprächskreis beteiligte sich an Rundfunkseminaren und der Fernsehreihe „Warum Christen glauben“ (1979/80).

Rainer Schanne bedauert: „Danach entstand eine Lücke.“ Doch nach dem Funkkolleg Religion an der VHS Zweibrücken wünschten sich die Teilnehmenden eine Weiterführung des Ökumenischen Gesprächs. 1984 übernahmen Rainer Schanne und Hans Reichrath die Leitung. „Er interessierte sich besonders für die Geschichte der Juden. Außerdem standen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten damals im Mittelpunkt, auf der Suche nach einem Miteinander“, erinnert sich Rainer Schanne.

Dies ist, zumindest an der Basis, längst kein Thema mehr. Hoch her ging es dafür vor rund 15 Jahren, als der Ökumenische Gesprächskreis sich über die „Segnung Homosexueller“ austauschte, erinnert sich Michael Behnke an die mutige Auseinandersetzung. Der Religonspädagoge am Helmholtz-Gymnasium bringt bereits seit vielen Jahren spannende Themen in die Diskussion ein. Meist biblische Themen, wie etwa die verschiedenen Frauengestalten. Doch für Michael Behnke ist der „Ökumenische Kreis“ eher überreligiös und spirituell ausgerichtet. Er verdeutlicht: „Religion ist die Institution und Struktur. Die Spiritualität betrachtet unser inneres Leben.“ Neben der Aufarbeitung wichtiger, auch unbequemer Historie wie „Kirche und Nationalsozialismus“ stehen aktuelle Themen wie etwa „Christentum und Islam“ zur Zeit der Einwanderungen vor fünf Jahren oder die Reformatoren im Lutherjahr oder Umweltthemen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Gemeinsam entscheidet die Gruppe, worüber sie nachdenken will. Eines jedoch haben nach Michael Behnkes langjähriger Erfahrung alle Themen gemeinsam: „Sie sind immer wieder überraschend.“

Der nächste Gesprächskreis findet am Dienstag, 11. Februar, 19.30 Uhr, in der Versöhnungskirche, Röntgenstraße, statt. Interessierte sind herzlich willkommen.