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Kirchengesangverein Ernstweiler/Bubenhausen startet mit neuem Programm

Kirchengesangverein Ernstweiler/Bubenhausen : Chorgemeinschaft sucht neue Mitstreiter

Arbeits- und Studienbeginn haben die Reihen des Kirchengesangvereins Ernstweiler/Bubenhausen ausgedünnt. Die Wiederaufnahme der Chorproben sind eine besonders gute Möglichkeit für interessierte Neueinsteiger, sich der Chorgemeinschaft anzuschließen.

„Wir lassen uns das Singen nicht verbieten.“ Lange blieb der bekannte Schlager von Tina York aus den 1970er Jahren vielfach reines Lippenbekenntnis und frommer Wunsch. Doch jetzt startet eine Vielzahl an Chören erneut durch, denn mittlerweile ist der beliebte „Volkssport“ auch offiziell wieder gestattet.

Kürzlich startete auch der Kirchengesangverein Ernstweiler/Bubenhausen mit einer ersten Probe in die zweite Jahreshälfte. Wohl wissend, dass sowohl die ohnehin raren Männerstimmen aktuell ausfallen und viele junge Sänger studien- oder berufsbedingt weggezogen sind, hatte Chorleiter Stefan Jahnke vorsorglich dreistimmige Literatur ausgewählt. Auf dem Programm stehen verschiedene kirchenmusikalische Werke von traditioneller Kirchenmusik bis hin zum Neuen Geistlichen Lied, mit denen der Chor hauptsächlich die Gottesdienste im Laufe des Kirchenjahres gestaltet.

„Wir waren 15 und es hat sehr gut geklappt, obwohl wir alle über zehn Monate nicht mehr zusammen gesungen haben“, freute sich der Vereinsvorsitzende, Markus Huff. Die letzte Probe hatte am 22. Oktober 2020 unter damals noch vorgeschriebenen Meterabständen in der Ernstweiler Christuskirche stattgefunden. „Einige haben zuhause bei den TV-Gottesdiensten mitgesungen“, weiß Markus Huff. „Wir müssen uns langsam wieder reinfuchsen.“ Doch selbst der Organist und Chorleiter sei positiv überrascht gewesen, wieviel hängen geblieben war. Zum Einsingen hatte er den von ihm selbst dreistimmig arrangierten Evergreen „Morning has broken“ von Cat Stevens mitgebracht, den der Chor bereits kennt. Neu hingegen ist das bekannte Kirchenlied „Komm, Herr, segne uns“.

Mutig hat sich der Kirchengesangverein Ernstweiler/Bubenhausen für die Ausgestaltung der Gottesdienste einiges vorgenommen. Für den Ewigkeitssonntag etwa steht das Requiem des badischen Komponisten Berthold Waßmer auf dem Programm. Das dreistimmige Werk mit Orgel fällt in das große, zum Großteil unerforschte Feld der sogenannten „Lehrerorganisten“ aus dem 19. Jahrhundert. Stefan Jahnke wirkt zur Zeit selbst an der Aufarbeitung dieses „weiten Feldes“ an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz mit.

Für den ersten Weihnachtsfeiertag hat er die wegen ihrer Soli besonders interessante wie anspruchsvolle, dreistimmige „Kurz-Messe“ mit Orgelbegleitung, „Missa brevis con organo“, von Michael Haydn ausgewählt. Weitere Auftritte wird der Chor etwa zum Erntedank-Fest am 3. Oktober, zum 1. Advent und an Heilig Abend haben.

Eigentlich wäre für dieses Jahr auch der Besuch bei der Partnergemeinde im britischen Birmingham fällig gewesen. Die Partnerschaft werde vornehmlich durch die beiden Chöre getragen und bei seinen Gegenbesuchen singt der Chor der Caas-Lane-Church ebenso in der Christuskirche, wie umgekehrt. Man werde sehen, wie es damit weitergehe, zumal alle immer privat untergebracht seien.

Eines jedoch steht für Markus Huff fest: „Das Ziel ist, wieder in die Vierstimmigkeit zu gehen.“ Deshalb lädt die Chorgemeinschaft Menschen mit Spaß am Singen dazu ein, den Neubeginn der Probentätigkeit zugleich als Einstieg für Neueinsteiger und Interessenten zu nutzen. Der Vorsitzende betont: „Herzlich willkommen sind Sängerinnen und Sänger aller Stimmlagen.“ Chorerfahrung sei von Vorteil, jedoch keine Voraussetzung. Wichtiger sei die Freude am Singen und an der Gemeinschaft. Die nächste Probe findet am Donnerstag, 2. September, um 20 Uhr in der Christuskirche in Ernstweiler statt. Nähere Informationen erteilt der Vorsitzende Markus Huff, Tel. (0 63 32) 89 71 26.

Zu Michael Haydns Missa brevis à tre voci col organo: Es handelt sich um eine dreistimmig komponierte Vertonung eines typischen Messordinariums (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei) mit Orgelbegleitung, immer wieder gibt es auch kurze solistische Passagen.
Zu Berthold Wassmers Requiem: Die Vertonung einer Totenmesse für ein bis drei Stimmen und Orgel. Diese fällt in das große, zum Großteil noch unerforschte Feld der sogenannten „Lehrerorganisten“. Die Musik war im 19. Jahrhundert in der seminaristischen Volksschullehrerbildung von großer Relevanz, da die Lehrerbildung im Elementarschulwesen von Staat und Kirche gemeinsam getragen wurde – und damit zugleich neben dem Schulamt die Ausbildung zum kirchenmusikalischen Dienst an der Orgel und auch als Leiter von (Kirchen-)Chören beinhaltete. Der Typus des Lehrerorganisten ist somit ein Ergebnis der Volksschullehrer-Bildung im 19. Jahrhundert.