Düsterer Sandkasten

Wie sein Onkel „Skyrim“ hat Bethesdas Endzeit-Rollenspiel „Fallout 4“ mit einigen insbesondere technischen und spielmechanischen Merkwürdigkeiten zu kämpfen. Wer Rollenspiele mag, kommt an diesem Spiel trotzdem nicht vorbei.

"Fallout 4" steckt voller Rätsel. Warum zum Beispiel werden bisher noch lange nicht alle gängigen Bildschirmauflösungen (wie die 1280 x 1024 handelsüblicher 19-Zoll-Monitore) unterstützt? Warum sind Steuerung und Menüführung so katastrophal unkomfortabel wie bereits im - ebenfalls von Bethesda entwickelten - "Skryrim"? Warum gibt es trotz zahlreicher bekannter, teilweise plot-stoppender Bugs immer noch keinen offiziellen Patch?

Die gute Nachricht: Auch ohne Antworten auf diese Fragen und Behebung der damit verbundenen Defizite macht "Fallout 4" jede Menge Spaß. In der riesigen, malerisch verrotteten Spielwelt kann man Stunden über Stunden herumstromern. Alle paar Minuten stößt man zuverlässig auf irgendeine Höhle, Siedlung, Monsteransammlung - oder sogar auf eine ausgedehnte Flugzeug-Absturzstelle, durch die aggressive Untote irren. Dieses freie Erkunden macht in der Summe meist deutlich mehr Spaß, als den Haupt- und Nebenmissionen zu folgen. Aus der Grundidee (Unbekannte erschießen den Partner der Hauptperson und kidnappen den gemeinsamen Sohn) haben die Entwickler viel zu wenig gemacht. Auch die Geschichten hinter den Nebenmissionen schwanken stark. Dafür haben die Entwickler dem Spieler andere Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnet. Zum einen das umfangreiche Crafting: Hier können diverse Tränke und Lebensmittel hergestellt sowie Waffen und Rüstungen verbessert werden. Allerdings muss man dafür ständig jedes Stückchen Schrott, das in der Spielwelt herumliegt, einsammeln und es in Eichhörnchen-Manier möglichst in unmittelbarer Nähe einer entsprechenden Werkbank lagern - für später.

Ebenfalls ein Fest für Bastler: das neue Siedlungsbau-Tool. In einem grün markierten Radius um eine Siedlung können Strukturen vom Stuhl bis zum kompletten Haus gebaut werden, um die Mitglieder der eigenen Fraktion zu schützen. Leider fehlt eine vernünftige Übersichts-Perspektive, was die Angelegenheit ein wenig fummelig macht.

Weniger Arbeit macht das Formen des Spieler-Charakters. Das bisherige System wurde durch ein stylishes Plakat ersetzt, in dem die einzelnen Fähigkeiten ("Perks"), etwa ein Schadensbonus für bestimmte Waffen oder gegen bestimmte Gegner, bildlich dargestellt sind. Weitere Boni erhält, wer die Sympathie eines der diversen Begleiter, mit denen man durchs Ödland streifen kann, bis zum Maximum steigert.

Wertung (Schulnote): 1-Das Ödland ist hübscher denn je. Foto: Bethesda