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Christian Gauf Nachfolger von Rolf Franzen: „Den Rückstau in der Verwaltung abgebaut“

Christian Gauf Nachfolger von Rolf Franzen : „Den Rückstau in der Verwaltung abgebaut“

Bürgermeister Rolf Franzen in den Ruhestand verabschiedet. Nachfolger Christian Gauf: „Ich bin neugierig und nervös!“

Mit den Worten des legendären Fußball-Trainers Giovanni Trapattoni „ich habe fertig“ beendete Rolf Franzen (CDU) gestern Abend seine Abschiedsrede als Bürgermeister. Die Stadträte und rund 100 Gäste der öffentlichen Ratssitzung im Kundeninfomationszentrum der Stadtwerke erhoben sich beim lang anhaltenden Beifall von den Plätzen. Damit unterstrichen die Ratsmitglieder folgende Worte von SPD-Stadtrat Wolfgang Ohler an Franzen: „Du hast in den 18 Jahren die Mühen der Ebenen gemeistert. Dafür gebührt dir der Dank des Rates und der Stadt.“ Mit der silbernen Stadtplakette fand das Lob auch ein sichtbares Zeichen.

Mit der Liedzeile von Reinhard Mey, „was ich noch zu sagen hätte“, hatte Franzen seine Abschiedsrede überschrieben. „Das Lied geht dann weiter mit ,dauert eine Zigarette’“, sagte Franzen. „Es war dann doch eher eine Havanna“, meinte er schmunzelnd. Auch wenn er sich eher eine bescheidene Veranstaltung vorgestellt hätte, hätten ihm die „lobenden Worte schon gut getan“. An den Sprecher der Ratsfraktionen Ohler gerichtet sagte Franzen augenzwinkernd: „Welch ein Abstieg. Von einem hoch gelobten Schriftsteller zu einem Laudator eines Provinzpolitikers!“

„Die Arbeit hat mir überwiegend Freude bereitet“, sagte Franzen. Er habe immer versucht, die Aufgaben gut zu erfüllen. „Ob mir das gelungen ist, sollen andere entscheiden.“ Franzen fand auch nachdenkliche Worte über „Respektlosigkeit, die sich in jüngster Zeit breit macht“. Wobei er gleich hinzufügte: „Nicht in unserem Stadtrat.“ Bei (nicht näher benannten) „sprachlichen Entgleisungen“ sollte sich die Presse fragen, ob sie sich „vor einen Karren spannen“ lassen sollte.

Gegen Ende fand Franzen mit dem Satz „habt Dank für die Zeit, die ich mit euch verplaudert hab, für die Geduld, wenn es mehr als eine Meinung gab“ zu Reinhard Mey zurück. Dabei sprach der scheidende Bürgermeister alle Wegbegleiter und Mitarbeiter der letzten zwei Jahrzehnte an. Einer war der Beigeordnete Henno Pirmann (SPD), der Franzen für den erkrankten Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) verabschiedete. In den letzten Jahren habe Franzen als Finanzdezernent den „Rückstau in der Verwaltung“ abgebaut. Und mit dem Engagement bei der Initiative „Die Würde unserer Städte“ habe Franzen „für Fairplay“ zwischen den Kommunen geworben. „Das Vorankommen der Stadt in den letzten zwei Jahrzehnten ist mit dem Namen Rolf Franzen verbunden“, lobte Henno Pirmann.

Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Städtetags, der Pirmasenser Oberbürgermeister Bernhard Matheis (CDU), betonte, wie wichtig es sei, dass ein Kommunalpolitiker die Interessen seiner Stadt auch in Verbänden und Institutionen auf Landes- und Bundesebene vertritt. Franzen habe das im Städtetag getan. Der Landrat des Kreises Südwestpfalz, Hans Jörg Duppré (CDU), überreichte im Namen von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) eine Urkunde zum 40-jährigen Dienstjubiläum (als Bürgermeister, Beigeordneter, Lehrer und Soldat). Duppré erwähnte noch die enge Zusammenarbeit von Stadt und Kreis. Vor allem bei der Umwandlung des militärischen Flugplatzes für eine zivile Nutzung.

Die Personalratsvorsitzende der Stadtverwaltung, Heike Heb, sagte, dass man nicht immer einer Meinung gewesen sei. „Wir haben aber immer eine Lösung gefunden.“ Ohler erzählte, dass Franzen mit einem „robusten Handicap“ gestartet sei: als Katholik aus einem christdemokratischen Elternhaus aufgewachsen im roten Niederauerbach im Schatten der evangelischen Kirche. Da habe sich Franzen das Rüst­zeug für die Politik geholt.

Die originelle Laudatio von Stadtrats-Vertreter Wolfgang Ohler sorgte mehrfach für lächelnde Gesichter im Kundeninformationszentrum der Stadtwerke. Foto: Volker Baumann

Nach der Verabschiedung ernannte und vereidigte Pirmann den neuen Bürgermeister Christian Gauf (CDU). „Ich bin nicht nur neugierig, sondern auch nervös“, bekannte Gauf. Der 1. September sei für ihn ein besonderer Tag: Vor 30 Jahren habe er beim Notariat am 1. September sein Berufsleben gestartet, vor zehn Jahren habe er  geheiratet. „Und jetzt gehe ich an dem Tag das erste Mal als Bürgermeister ins Rathaus.“ Nach 23 Jahren als Ratsmitglied möchte er sich nun als Bürgermeister für das Wohl der Stadt einsetzen. Dabei solle sich das gute Verhältnis zwischen Rat und Stadtvorstand, das auch Franzen angesprochen hatte, fortsetzen.