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Kindertagesstätte „Das Haus der kleinen Freunde“ in Contwig-Stambach

Kindergarten Stambach : Mit „Stop!“ gegen Gewalt gewappnet

Die Kinder des Kindergartens Stambach zeigten ihren Eltern zum Abschluss, was sie in ihrem Kurs „Nicht mit mir!“ an Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung gelernt hatten.

Am Freitagnachmittag ging es im Bewegungsraum der Kindertagesstätte „Das Haus der kleinen Freunde“ in Contwig-Stambach hoch her. 15 Kinder zeigten ihren Eltern, was sie in dem fünfwöchigen Kursprojekt „Nicht mit mir! Starke Kinder schützen sich!“ bei Kursleiterin Ina Gebhard und Sohn Niels gelernt hatten. Und das war eine ganze Menge. Die Kleinen demonstrierten ihren Eltern mit hängenden Köpfen und Schultern, wie man als Opfer aussieht, um dann gleich in die selbstbewusste Pose zu wechseln. „Stop! Geh weg“ schrien sie und hielten ihren auf sie zukommenden Eltern den ausgestreckten Arm mit erhobener Hand vehement entgegen.

„Die Kinder haben super mitgemacht“, lobte Ina Gebhard. „Wenn sie in einer Notsituation nur eines der zahlreichen Werkzeuge anwenden können, die wir geübt haben, hilft ihnen das enorm weiter.“

Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung standen im Mittelpunkt des vom Deutschen Jiujitsu-Verband initiierten, bundesweiten Konzeptes. In verschiedenen Rollenspielen demonstrierten die Kinder ihren Eltern, wie sie richtig reagieren. „Das haben wir uns spielerisch und mit viel Spaß erarbeitet“, beschreibt die zertifizierte Trainerin.

Sohn Niels, der in der Schutzuniform der Polizei fast aussah wie Monsterman, versuchte die Kinder zu fangen und festzuhalten. Mit geschickten Handgriffen und Armbewegungen befreiten sich selbst die grazielsten unter ihnen.

„Die Kinder haben sich sehr entwickelt“, lachte Kita-Leiterin Luise Motsch, als ursprünglich „sehr schüchterne, graue Mäuschen“ laut schreiend mit enormer Ausdauer um den abgesteckten Kurs rannten – ganz allein. Ein Fünfjähriger hielt länger durch als die darauf folgenden Mamas und Papas.

Beim Spielplatzspiel demonstrierten die Kinder, dass „Übeltäter“ ganz harmlos aussehen können und welche Reaktionsmöglichkeiten sie haben: „Las mich los! Du bist nicht meine Mama!“ schreien, weglaufen oder ganz überraschend reagieren. „Das hat ein Kind in einem Kurs erfunden“, gab Ina Gebhard offen zu. Die Kleine, der die fremde Frau ein Eis versprochen hatte und sie mit Gewalt mitnehmen wollte, rief ganz laut: „Kommt alle her. Die Frau gibt ein Eis aus!“ und alle Kinder stürmten auf die Überrumpelte zu.

Laute Stimme, selbstbewusste Körpersprache, jedoch auch gezieltes, mutiges Hilfeholen, Täter beschreiben und beherztes Wehren hatten die Kinder gelernt und geübt. „Gegenstände wie Geldbeutel oder Taschen einfach gehen lassen, sich selbst in Sicherheit bringen und lieber den Täter beschreiben. Die Gesundheit ist wichtiger als ein Handy!“, gab die Kursleiterin aus dem Landkreis Pirmasens auch den Eltern als Information mit.

Höhepunkt war die Schlagübung an ein Zentimeter dicken Holzbrettern am Schluss: Allen Kindern gelang es, diese mit Wucht durchzuhauen. „Das war sehr interessant und sinnvoll“, lobt Marc Prudöhl. Es sei wichtig, dass Kinder rechtzeitig lernten, sich zu behaupten. Er staunte über die Entwicklung seiner Tochter Clara, die bei den Rollenspielen und Übungen mit sichtlich viel Spaß und selbstbewusst mitmachte.

Auch Karl-Heinz Bärmann, Ortsvorsteher von Contwig und damit oberster Kindergartenchef, war sehr stolz auf das Kita-Team, das dieses Projekt erstmals durchgeführt hatte, und auf die Kinder. Ina Gebhard ermunterte zum Abschluss: „Übt schön weiter mit euren Eltern.“

www.nicht-mit-mir.org