Glosse: Gespräche über Stress

Glosse : Gespräche über Stress

Es stresst schon, die ganzen Umfragen zum Thema Stress zu lesen. Dabei geben sie durchaus wertvolle Impulse, wie etwa diesen: Bei zu viel Stress am Arbeitsplatz helfen Gespräche mit guten Freunden.

Zumindest 26 Prozent der Befragten in einer Civey-Umfrage nennen das als Entspannungsmethode.

Wobei Stress-Profis ihnen entgegnen würden: Wer noch Zeit für Gespräche mit Freunden oder überhaupt noch Freunde hat, kann nicht wirklich gestresst sein. Sondern ist vermutlich nur nicht belastbar.

Außerdem kann es ein Fehler sein, den Stress versehentlich ganz wegzuquatschen. Denn wer gar nichts mehr über seine Arbeitsverdichtung zu berichten hat, kann im Kreise der gestressten Freunde gar nicht mehr mithalten. Analog zum Protzen über „mein Haus, mein Boot, mein Pferd“ heißt es heute nämlich oft klagend: „Mein Arbeitsstress, mein Freizeitstress, mein Familienstress.“ Und wer zu einem Thema nichts beisteuern kann, muss bei den anderen umso mehr Stressoren bieten können. Sonst wirkt er am Ende total unwichtig oder muss gar gelassen erscheinen – und das stresst am meisten.

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