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Leitartikel
Altmaier, AKK und Maas zeigen saarländische Stärken

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Saarbrücken. Zwei Saarländer im Kabinett - Heiko Maas sogar als Außenminister. Dazu eine Saarländerin als Merkels Kronprinzessin. Saar-Politiker mischen die Republik auf. Alles Zufall? Von Ulrich Brenner
Ulrich Brenner

Deutschland“, dröhnte es jetzt in der „heute-show“, „wird in Berlin regiert? Träum’ weiter. Das Zentrum der Macht heißt Saarland“. Okay, die ZDF-Satiriker haben übertrieben. Aber Länder wie Nordrhein-Westfalen müssten schon neidisch werden, die mit ihrer schieren Größe darauf pochen müssen, im Bundeskabinett überhaupt vertreten zu sein. Dagegen prägen künftig gleich drei Saarländer die Politik in Berlin noch stärker als bisher. Mit Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer als der Stimme der CDU neben der Kanzlerin, mit Peter Altmaier (CDU) an der Spitze des traditionsreichen Wirtschaftsministeriums und nun wohl sogar mit Heiko Maas  (SPD) auf dem prestigeträchtigsten Posten, den das Land neben Präsident und Kanzler zu vergeben hat: Dem Chefsessel im Außenministerium.


Alle drei sind keine Proporz-Kandidaten. Sie sind dort, weil sie in ihren Parteien als Personen überzeugen. Im Saarland redet man sich ja gern kleiner, als man ist. Hier mag  sich mancher wundern, dass „de Peter“, „de Heiko“ und ,,es Annegret“ bundesweit reüssieren – so nahbar, so unprätentiös, so normal sie den Bürgern hier erscheinen. Wer aber registriert, welchen Respekt sich Altmaier als Umwelt- und Kanzleramtsminister erworben, welches Gewicht Maas dem Amt des Justizministers gegeben und wie Kramp-Karrenbauer den jüngsten CDU-Parteitag zum Kochen gebracht hat, wird sagen: Das Land hat hier drei große politische Talente hervorgebracht. Sie folgen damit Oskar Lafontaine, der 1990 fast Bundeskanzler geworden wäre und dann als SPD- und Linke-Chef die Republik mitprägte.

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben: Wenn Maas nichts falsch macht, kann er als  Außenminister zu einem der beliebtesten Politiker werden. Kramp-Karrenbauers langer Name steht schon jetzt oben bei der Merkel-Nachfolge. Vielleicht machen bald zwei Saarländer die Kanzlerschaft unter sich aus.

Alles Zufall? „Offensichtlich haben Sie hier ein sehr politisches, auf Diskurs ausgerichtetes Klima im Land, das Politiker-Biografien begünstigt“ – so hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier jetzt  beim SZ-Besuch den Erfolg der Saarländer erklärt. Eine Rolle spielt zudem wohl, dass Politiker hier schneller in Verantwortung kommen und sich warmlaufen können. Zum Tragen kommt aber auch eine echte saarländische Qualität: Hier engagieren sind besonders viele Menschen in Parteien. Die Saar-SPD etwa stellt daher bei Parteitagen so viele Delegierte wie das fast dreimal so große Schleswig-Holstein. Und wo sich mehr engagieren, versuchen sich auch mehr Talente.

Insofern ist es gar nicht provinziell, sich über die Karriere der Saarländer zu freuen. Die sind auch eine Bestätigung dieser Stärken des Bundeslandes. Und ein Schaden war es nie, wenn Saarländer im Bund was zu sagen haben – siehe die Milliarden, die Lafontaine  heranschaffte, und die Ergebnisse des jüngsten Länder-Finanzdeals. Wie sagte der Bundespräsident auch: Über seine erfolgreichen Politiker „sollte sich das Saarland nicht beklagen“. Machen wir auch nicht!