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| 20:18 Uhr

Wortsinnlich

In diesem Werk verarbeitet Katharina Pieper den Schiller-Text "Ode an die Freude" künstlerisch-kalligrafisch. Foto: Katharina Pieper
In diesem Werk verarbeitet Katharina Pieper den Schiller-Text "Ode an die Freude" künstlerisch-kalligrafisch. Foto: Katharina Pieper
Wadgassen. Fließend spiegelverkehrt mit der linken Hand schreiben? Obwohl sie eigentlich Rechtshänderin ist? Katharina Pieper kann es. Zu bewundern ist diese Fertigkeit in einem dokumentarischen Video, das begleitend zu Piepers Ausstellung "Schriftkunst. Wurzeln & Fügel" im Zeitungsmuseum Wadgassen zu sehen ist. Anlässlich ihres 50 Von SZ-Mitarbeiterin Kerstin Krämer

Wadgassen. Fließend spiegelverkehrt mit der linken Hand schreiben? Obwohl sie eigentlich Rechtshänderin ist? Katharina Pieper kann es. Zu bewundern ist diese Fertigkeit in einem dokumentarischen Video, das begleitend zu Piepers Ausstellung "Schriftkunst. Wurzeln & Fügel" im Zeitungsmuseum Wadgassen zu sehen ist. Anlässlich ihres 50. Geburtstags präsentiert die international renommierte saarländische Schriftkünstlerin hier Werke aus der Zeit von 1982 bis heute - keine Kalligrafie in der ursprünglichen reduzierten Bedeutung des schönen Schreibens: Die Arbeiten der gebürtigen Saarlouiserin, Jahrgang 1962, integrieren Techniken der Malerei und werden dadurch zu Schriftbildern von erweiterter ästhetischer Qualität. Beziehungsweise zu Schriftobjekten, denn auch dreidimensionale Werke gibt es zu bestaunen; des weiteren Buchunikate, Leporellos oder Wandbehänge. Pieper ist diplomierte Kommunikationsdesignerin und kam erst während ihres Studiums an der Wiesbadener Fachhochschule mit Schriftkunst in Kontakt. Ihr Anliegen ist es, Worten eine sinnliche Gestalt zu geben und insbesondere die lateinische Schrift als Kultur- und Geistesgut hervor zu heben.Gerne verarbeitet sie Spirituelles und asiatisches Gedankengut, entwirft auch selbst Texte und greift dafür auf ihre umfangreiche Bibliothek zurück. Zu den meist zitierten Autorinnen gehören Bettine von Arnim oder die Mystikerin Hildegard von Bingen; daneben finden sich geflügelte Worte von Goethe, Gottfried Keller oder Laotse, Texte aus dem Johannesevangelium oder etwa Überlieferungen der Hopi-Indianer. Geprägt wurde Pieper durch den Expressionismus, was sich in für kalligrafische Arbeiten ungewöhnlich kräftiger Farbgebung äußert - diese oft sonnengelben, blutroten oder in allen möglichen Grün-Blau-Schattierungen leuchtenden Bildhintergründe nennt sie Seelenräume. Vor allem Wasser ist ein Thema, aber auch die anderen Elemente Feuer, Erde und Luft wirken als Inspirationsquelle. Die von Pieper verwendeten Techniken und Materialien sind vielfältig: Auf Bütten, Karton, Stoff, Holz oder Werkdruckpapier tanzen Aquarell, Stofffarbe, Tusche, Acryl und Gouache und so Exotisches wie Walnusstinte, aufgetragen mit Breit-, Zieh-, Bandzug- oder Redisfeder und Pinsel(-marker). Bisweilen läuft die Schrift über die Bildbegrenzung hinaus und bezieht dadurch den Raum mit ein. Oder Text wird zur Textur, indem Pieper den Materialträger in Form- und Farbgebung für sich sprechen lässt: so bei sich bis auf den Boden ergießenden Schriftbahnen, bei Schriftteppichen oder Papierobjekten.

Unter dem Motto "Alles fließt" machen schließlich lichtundurchlässige Paravents, bei denen die Worte über der Farbe zu schweben scheinen, das flüssige Element zum Thema, während transparente Plexiglasscheiben mit dem Phänomen Licht spielen.

Läuft bis 2. September. Geöffnet: Di bis So, 10 bis 16 Uhr.