Tradition verliert

Mario Götze erlebte mit Borussia Dortmund bei seiner Pflichtspiel-Premiere in Leipzig ein böses Erwachen. Beim Aufsteiger RB Leipzig verlor er mit dem Traditionsverein 0:1 gegen den vermeintlichen Retortenklub.

Gut begonnen, stark abgebaut und am Ende mit Pfiffen in die Kabine geschickt: Weltmeister Mario Götze erlebte bei seiner Pflichtspiel-Premiere nach mehr als drei Jahren für Borussia Dortmund bei Aufsteiger RB Leipzig ein böses Erwachen. Vier Tage vor dem Champions-League-Start kam das 0:1 (0:0) für den BVB zur Unzeit. "Man hat gesehen, dass ich endlich wieder spielen wollte", sagte Götze. Der 24-Jährige war nach seinem Wechsel im Sommer von den Bayern lange nicht fit, er zeigte sich gegen RB aber im Vergleich zu seinen Auftritten in der Nationalelf verbessert, gewann 63 Prozent seiner Zweikämpfe. Dennoch reichte es nicht. "Wir wollten drei Punkte mitnehmen, das haben wir nicht geschafft. Deshalb kann ich nicht zufrieden sein", meinte der Rückkehrer.

Hohe Fehlpassquote beim BVB

In der Anfangsphase war Götze noch wichtiger Impulsgeber, er baute dann aber bis zu seiner Auswechslung (71.) wie die gesamte Mannschaft ab. Trainer Thomas Tuchel bescheinigte ihm immerhin eine gute erste Halbzeit. "Nach der Pause wurde es zunehmend schwerer für ihn, auch körperlich bedingt", sagte Tuchel.

Rätselhafter als Götzes Abbauen war die hohe Fehlpass-Quote der Westfalen, die mit zunehmender Spielzeit immer eklatanter wurde. "Teilweise passierten die Fehler aus Ungeduld, teilweise aus technischen Mängeln", kritisierte Tuchel.

Aus einem Fehler von Sebastian Rode resultierte auch der späte Gegentreffer. Erst setzte sich der eingewechselte Oliver Burke (19) auf dem Flügel durch, dann vollendete der ebenfalls eingewechselte Naby Keita (21) in der 89. Minute zum 1:0. "Wir waren zu unkonzentriert", schimpfte Torhüter Roman Bürki und sprach von einem Wiederholungsfall: "Das ist der zweite späte Gegentreffer im zweiten Spiel. Nur ging es beim letzten Mal gegen Mainz unter, weil wir am Ende noch gewonnen haben."

Doch nun die Niederlage. Und ausgerechnet gegen RB Leipzig . Einen Club, an dem sich die Borussia gerne reibt. Es ist ein Duell der Fußball-Kulturen. Auf der einen Seite Dortmund mit einer hundertjährigen Tradition, auf der anderen Seite der Bundesliga-Neuling, der von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz alimentiert wird. Entsprechend froh waren die Leipziger. Manager Ralf Rangnick nahm Cheftrainer Ralph Hasenhüttl innig in die Arme. "Solche Spiele wie heute, dafür wollen wir stehen, in diese Richtung soll es gehen", meinte der Sportdirektor.

Die schmerzliche Absage von Wunschtrainer Thomas Tuchel vor eineinhalb Jahr war vergessen. Hasenhüttl gilt die ganze Zuneigung. Eine kleine verbale Spitze erlaubte sich der neue RB-Trainer in Richtung seines BVB-Kollegen Tuchel, weil dieser in seiner Analyse den Begriff "unerzwungene Fehler" strapazierte. "Thomas spricht von vielen unerzwungenen Fehlern. Ich glaube schon, dass wir dazu beigetragen haben, dass diese Fehler passiert sind. Und man darf nicht vergessen: Die Mannschaft, die begonnen hat, da war nur ein Neuzugang drin, der Rest war eine Zweitliga-Mannschaft." Tuchel lenkte ein und lobte den Kontrahenten. "Ich wollte in keiner Weise die Leistung kleinreden. RB hat es top gemacht. Das ist mir wichtig, dafür meine größte Anerkennung."