Strahlendes Blut

Frankfurt. Aufgeschreckt vom bedrohlichen Ausmaß der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen den umstrittenen Sportmediziner Andreas Franke , erwägt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine Verschärfung der Förderauflagen für seine Olympiastützpunkte

Frankfurt. Aufgeschreckt vom bedrohlichen Ausmaß der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen den umstrittenen Sportmediziner Andreas Franke , erwägt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine Verschärfung der Förderauflagen für seine Olympiastützpunkte. "Nach dem Abschluss der Untersuchungen wäre es ein denkbarer Schritt, dass wir einerseits die Ärzte an den Olympiastützpunkten noch stärker in die Pflicht nehmen und andererseits bei den zuständigen Organisationen der Ärzte dafür werben, die schwarzen Schafe auch mit berufsrechtlichen Sanktionen zu belegen", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach gestern.Am Rande des DOSB-Neujahrsempfangs in Frankfurt verlieh Bach zugleich seiner Hoffnung Ausdruck, dass es zu einer intensiven Aufarbeitung der Causa Franke kommt. Allerdings wird kontrovers diskutiert, ob die UV-Bestrahlung des Blutes von 28 Sportlern durch Franke zum Zeitpunkt der Durchführung strafbar war oder es sich damals eher um ein zwar umstrittenes, aber legales Verfahren handelte, mit dem der Mediziner Geld verdient hat.

"Am besten gesichert ist der ökonomische Nutzen für den Anwender. Schon nach fünf Patienten hat sich das Gerät amortisiert. Also insgesamt ein finsteres Kapitel der Irreführung von Patienten und Sportlern", sagte Gerhard Ehninger, Direktor des Zentrums für Innere Medizin an der Uni-Klinik der TU Dresden.

Ähnlich äußerte sich der am vergangenen Sonntag in einem ARD-Bericht namentlich erwähnte Radsportler Marcel Kittel, der von Franke medizinisch betreut wurde. Er habe die Behandlung mehrfach gemacht, "wenn ich krank war, also niemals mit dem Ziel zu dopen", sagte Kittel. Im Frühjahr 2008 habe er entschieden, "das möchte ich nicht mehr, das ist eine komische Sache". Kittel betonte, er habe nicht erkennen können, dass dadurch sein Krankheitsverlauf verbessert worden sei. Die Veröffentlichung der Liste von Sportlern, die bei Franke in Behandlung waren, bezeichnete Kittel als den "so ziemlich schlimmsten Tag" in seinem Leben. Es habe ihm "sehr weh getan", seinen Namen in der ARD-Sportschau zu lesen.

Der ebenfalls genannte Nils Schumann war ähnlich erschüttert. "Ich bin mir sicher, in meiner Karriere nichts Verbotenes getan zu haben", sagte der 800-Meter-Olympiasieger von 2000. "Ich bin erschrocken, wie da mit Schicksalen gespielt und was da hochgekocht wird. Ich behalte mir deshalb vor, mit einem Rechtsanwalt gegen die ARD vorzugehen", erklärte Schumann.

Franke hatte in einer am Montagabend veröffentlichten vierseitigen Verteidigungsschrift mit Nachdruck erklärt, dass es sich bei der UV-Blutbestrahlung "aus medizinischer und juristischer Sicht" nicht um Doping handele. Er habe sie zur Vorbeugung von Infekten angewandt. Dem widersprach jedoch Experte Ehninger. Es komme bei der Anwendung vielmehr "zu einer Verminderung der Immunabwehr".

Wie auch immer: Die chronisch unterfinanzierte und personell dünn besetzte Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) steht in den kommenden Monaten vor einer Herkulesaufgabe. "Jeder Fall muss einzeln verfolgt und überprüft werden. Das geht nicht von heute auf morgen", sagte Nada-Sprecher Berthold Mertes. dpa

"Ich bin erschrocken, wie da mit Schicksalen gespielt wird."

Nils Schumann

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