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Schweinsteigers Weg könnte zu Ende sein

Schweinsteigers Weg könnte zu Ende sein

Es sollte sein erstes Turnier als Kapitän der Nationalelf werden. Danach wollte er vermutlich aufhören. Wird Bastian Schweinsteiger bis zur Fußball-Europameisterschaft wieder fit, sodass er der Mannschaft helfen kann?

Als Bastian Schweinsteiger am Mittwoch zum Arzt seines Vertrauens flog, flog die Sorge mit. Dann erreichte die Diagnose von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt den Tross des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Berlin : Innenbandteilriss. Die EM-Teilnahme des Kapitäns ist gefährdet. Schweinsteiger hatte sich am Ende des Trainings am Dienstag verletzt. Darüber, wie lange er ausfallen wird, wollte niemand mutmaßen. Dass sein erstes Turnier als Kapitän sein einziges als Spielführer sein sollte, pfiffen die Spatzen von den Dächern. Nun droht dem 31-Jährigen nach zwölf Jahren in der Nationalelf und 114 Länderspielen aber der Abschied durch die Hintertür.

Schweinsteigers Körper ächzt unter den Belastungen, die der Profi-Fußball ihm seit 15 Jahren zumutet. Seit der Beförderung zum Kapitän als Nachfolger von Philipp Lahm stand er nur 495 von 1350 Länderspiel-Minuten auf dem Platz. Ein Rücktritt nach der EM lag nah.

Sollte er für die EM fit werden, kann er sich der Unterstützung Joachim Löws sicher sein. Nicht nur der Bundestrainer erinnert sich an das Bild vom 13. Juli 2014: Schweinsteiger reckt nach dem 1:0-Endspielsieg nach Verlängerung gegen Argentinien mit einer blutenden Wunde unter dem Auge, der Körper irgendwie ein einziger blauer Fleck, den WM-Pokal in die Luft. Das wichtigste Spiel seiner Karriere wurde sein bemerkenswertestes. Löw lobte eine "unmenschliche Willenskraft, die ich noch nie gesehen habe".

Solch einen Führungsspieler braucht Löw auch bei einer EM. Deshalb hatte er Schweinsteiger für die Testspiele am Samstag in Berlin gegen England (20.45 Uhr/ZDF) und am Dienstag in München gegen Italien (20.45 Uhr/ARD) nominiert. Obwohl der Mittelfeldspieler erst im März nach zweimonatiger Verletzungspause bei Manchester United in den Kader zurückgekehrt war. Nach England war er im Sommer nach 17 Jahren bei Bayern München gewechselt. Bei United nahm er aber nicht die Rolle ein, die alle sich vorstellten.

Beim DFB hat man keine Bedenken. "Bei so einem erfahrenen Spieler mache ich mir keine große Sorge", erklärte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff vor Schweinsteigers Verletzung: "Vielleicht ist es sogar gut, dass er keine 60 Spiele vor der EM auf dem Buckel hat." Löw sagte: "Auch bei der WM hat er bei uns im Trainingslager kaum eine komplette Einheit mit der Mannschaft absolviert. Dann aber hatten wir ihn doch so weit, dass er in den wichtigen Spielen richtig präsent war". Schweinsteigers Ehrgeiz sei "ungebrochen extrem hoch, er will weiter Topleistungen bringen". Und: Abgesprochen sei sein Rücktritt noch nicht.

Sicher hat auch Schweinsteiger sich nach dem WM-Triumph Gedanken gemacht, ob wie bei den zurückgetretenen Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker für ihn noch etwas kommen kann in der Nationalelf. Die Aussicht, die Mannschaft als Kapitän zu einem Turnier zu führen, war für den seit Jahren als heimlicher Chef geltenden Mittelfeldspieler zu reizvoll. "Ziemlich schnell nach unserem Triumph in Rio habe ich gemerkt, wie sehr es mich reizt, den Erfolg in Europa zu bestätigen", erklärte er einmal: "Mir war sofort klar, dass mein Weg mit dieser Mannschaft noch nicht zu Ende ist."

Große Turniere und Wayne Rooney - das passte selten zusammen. Die Rolle des englischen Kapitäns bei der Fußball-EM in Frankreich ist offen. Im Testspiel gegen Deutschland in Berlin am Samstag (20.45 Uhr/ZDF) fehlt der Stürmer. Im Februar verletzte er sich am Knie. Erst nach der Länderspiel-Pause wird der 30-Jährige von Manchester United wieder auf dem Feld stehen. Ob er es bis zur EM zurück in die Startelf schafft, ist ungewiss. Englands Rekord-Torschütze droht die Ersatzbank.

"Ich habe nie gesagt, dass er eine Stammplatzgarantie hat. Niemand hat die", erklärt Nationaltrainer Roy Hodgson: "Hat er eine gute Chance mit all dem, was er für England geleistet hat, seinem Können und seiner Erfahrung? Natürlich hat er die. Aber das bedeutet nicht, dass er automatisch in der Startelf steht." Rooneys EM-Nominierung hat Hodgson angekündigt. Doch mit Jamie Vardy (Leicester City), Harry Kane (Tottenham Hotspur), Daniel Sturridge (FC Liverpool ) und Theo Walcott sowie Danny Welbeck (beide FC Arsenal ) hat Hodgson mehrere Optionen.

Rooneys Vorteil: seine Erfahrung. Er hat mehr Länderspiele und Tore auf dem Konto als alle fünf Konkurrenten zusammen. "Wenn man sich Thomas Müller oder Arjen Robben ansieht - das sind Spieler, die Titel gewonnen haben, hunderte Male gespielt haben und jede Woche Tore schießen", sagt Hodgson: "Wir reden bei uns von Spielern, die sich in der Premier League jede Woche gut schlagen, aber international unerfahren sind - außer Rooney. Diese Gruppe von Spielern hat die Möglichkeit, weit zu kommen. Aber Wayne kann im Unterschied zu ihnen seine Erfahrung in die Waagschale werfen."

Sollte Rooney den Sprung in die Stammelf verpassen, wäre es wohl das langsame Ende einer Nationalelf-Ära - und die Fortsetzung seiner schwachen Bilanz bei Turnieren. Bei der EM 2004 trumpfte er als Jungstar mit vier Toren bis zu seinem Mittelfußbruch im Viertelfinale auf. Es sollte sein bestes Turnier bleiben. Vor der WM 2006 brach er sich erneut den Fuß. Rooney schaffte es noch in den Kader. Er flog beim Viertelfinal-Aus vom Platz - ohne im Turnier getroffen zu haben. Bei der WM 2010 enttäuschte er wegen einer Sprunggelenk-Verletzung. Bei der EM 2012 verpasste Rooney wegen einer Sperre die ersten beiden Spiele. England schied im Viertelfinale aus. 2014 gelang dem Stürmer bei der WM sein erstes Tor. Das Vorrunden-Aus konnte er aber auch nicht verhindern.