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Niersbach, Rauball oder Herr X?

Niersbach, Rauball oder Herr X?

Frankfurt

Frankfurt. Der Rücktritt von Präsident Theo Zwanziger, der im Oktober 2012 aufhören will, stellt den Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor eine Zerreißprobe: Während Zwanziger einen Herr X auf den DFB-Thron hieven will und Liga-Präsident Reinhard Rauball von Verbandsvertretern als gute Lösung betrachtet wird, bringt Franz Beckenbauer DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach als Nachfolger ins Spiel. DFB-Vizepräsident Hans-Dieter Drewitz sieht Chancen für Niersbach: "Ich glaube, es gibt im Präsidium einen ganz klaren Grundsatz. Wir brauchen als Nachfolger jemanden, der Kompetenz im Fußball hat. Niersbach hat verschiedene Funktionen im Fußball durchlaufen und ist eine kompetente Persönlichkeit. Er hat sich seit Jahrzehnten auch mit Fragen des Amateurfußballs befasst."Ob Niersbach Interesse hat, ist offen. Zudem gilt es bei vielen Landesverbänden als undenkbar, dass ein DFB-Hauptamtlicher zum ehrenamtlichen Präsidenten wird. Ex-DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder sagt: "Ich glaube, dass der Nachfolger aus dem Ehrenamt kommt - wie es Tradition ist."

Der bei Landesverbänden als Favorit geltende DFB-Vizepräsident Rainer Koch schließt eine Kandidatur aus. Er hatte sich mit Zwanziger wegen eines Treffens mit Ex-Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell überworfen. Er hatte ihn angeblich nicht von dem Treffen informiert und war deshalb vom Präsidenten entmachtet worden. Koch sagt: "Wir müssen schnell und vor allem einig zu einer Lösung finden. Ich kann mir Rauball und Niersbach sehr gut vorstellen, insbesondere Niersbach, der beim Weltverband Fifa und der Europäischen Fußball-Union bestens vernetzt ist." Irritiert zeigt sich der Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes über die Art, wie Zwanziger seine Absicht verkündete: "Bei der DFB-Präsidiumssitzung am Freitag ist kein Satz dazu gefallen." Ebenso überrumpelt wurde Bundestrainer Joachim Löw. Kurz nach der Europameisterschafts-Auslosung in Kiew hatte Niersbach Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff telefonisch informiert. "Wir waren überrascht", sagt Löw, der gestern einen Anruf Zwanzigers erhielt: "Dabei hat er um Verständnis gebeten, dass er niemanden eingeweiht hatte. Er wollte erst seine langjährigen Weggefährten beim Verband informieren."

Seine Präsidiumskollegen hatte Zwanziger, der ein Alleingänger ist, bei der Sitzung am Freitag nicht informiert. Erst während der DFB-Jahresabschlussfeier kündigte er seinen Rücktritt an - der allerdings wenige Minuten zuvor schon medial verbreitet wurde. Und Zwanziger will selbst in die Nachfolgeregelung eingreifen. Er favorisiert einen Mann aus der Finanzwelt, der nicht aus dem Fußball kommt. "Kompetenz, Engagement und Charakter sind wesentliche Merkmale, die eine Person haben muss, wenn sie in Führungsgremien des DFB arbeiten will. Ich bin seit Monaten diesbezüglich mit einer Persönlichkeit im Gespräch, die ich für sehr geeignet halte. Einen Namen möchte ich noch nicht nennen", sagt Zwanziger. Die Gründe für seinen Rücktritt sind ebenso nebulös wie Herr X. Der 66 Jahre alte Jurist gesteht aber, das die vielen Skandale wie die Sexaffäre Amerell, die Schiedsrichter-Steueraffäre sowie die Gewalt im Fußball seine Entscheidung beeinflusst hätten. Er sagt aber auch, dass er sich an der Doppelfunktion beim DFB und im Exekutivkomitee der Fifa zu sehr aufgerieben habe. sid

Hintergrund

Theo Zwanziger ist der zehnte Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Seit 2006 führt er alleine den größten Sportfachverband der Welt. Davor leitete er seit 2004 den DFB als Doppelspitze mit Gerhard Mayer-Vorfelder.

Die DFB-Präsidenten im Überblick: Ferdinand Hueppe (1900 bis 1904), Friedrich Wilhelm Nohe (1904 bis 1905), Gottfried Hinze (1905 bis 1925), Felix Linnemann (1925 bis 1945), Peco Bauwens (1949 bis 1962), Hermann Gösmann (1962 bis 1975), Hermann Neuberger (1975 bis 1992), Egidius Braun (1992 bis 2001), Gerhard Mayer-Vorfelder (2001 bis 2006), Theo Zwanziger (seit 2004). dpa