Nicht alle haben Barcelona im KopfBianca Kappler muss um ihr EM-Ticket noch zitternPletsch, Koehl und Wöschler hoffen auf starke Leistungen bei der U20-WM

Nicht alle haben Barcelona im KopfBianca Kappler muss um ihr EM-Ticket noch zitternPletsch, Koehl und Wöschler hoffen auf starke Leistungen bei der U20-WM

Braunschweig. Über Braunschweig nach Barcelona: Einige Leichtathletik-Stars wie Robert Harting oder Ariane Friedrich wollen sich bei den deutschen Meisterschaften am Samstag und Sonntag noch einmal Selbstvertrauen für die EM holen. Für andere wie Sebastian Bayer oder Raul Spank sind sie die letzte Chance, sich überhaupt noch für den Saison-Höhepunkt eine Woche später zu qualifizieren

Braunschweig. Über Braunschweig nach Barcelona: Einige Leichtathletik-Stars wie Robert Harting oder Ariane Friedrich wollen sich bei den deutschen Meisterschaften am Samstag und Sonntag noch einmal Selbstvertrauen für die EM holen. Für andere wie Sebastian Bayer oder Raul Spank sind sie die letzte Chance, sich überhaupt noch für den Saison-Höhepunkt eine Woche später zu qualifizieren. "Die Form von Braunschweig kann quasi nach Barcelona mitgenommen werden", sagt der für den Laufbereich zuständige Chef-Bundestrainer Rüdiger Harksen.

Dass die beiden Titelkämpfe so dicht aufeinander folgen, ist neu. "Wir haben bisher 51 Athleten, die die Norm komplett erfüllt haben. Hinzu kommen vier Staffeln. Ich rechne am Ende mit einem EM-Team von etwa 80 Athleten", sagt der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Thomas Kurschilgen.

Die Athleten sind allerdings in unterschiedlicher Verfassung. Hürdensprinterin Carolin Nytra oder Diskuswerferin Nadine Müller etwa führen die europäische Jahresbestenliste an und gelten am Wochenende als große Favoriten. "Mein Ziel ist eine Medaille bei der Europameisterschaft. Die Konkurrenz weiß jetzt, dass es mich gibt", sagt Nytra nach ihren starken 12,57 Sekunden Anfang des Monats über 100 Meter Hürden.

Nytras Freund Bayer oder der WM-Dritte Spank machen dem DLV eher Sorgen. Nach seiner Zeh-Operation bestreitet Weitspringer Bayer in Braunschweig erst seinen zweiten Wettkampf in diesem Jahr - und den ersten mit vollem Anlauf. Auch Hochspringer Spank hat es nach einer Operation am Fuß erst über 2,21 Meter geschafft in der laufenden Saison, die EM-Norm liegt sieben Zentimeter höher.

Herbert Czingon, Chef-Bundestrainer für die technischen Disziplinen, erklärt die großen Form-Unterschiede der Athleten auch mit der Heim-WM vor einem Jahr. Auf der einen Seite haben die Weltmeisterschaften 2007 und 2009 sowie die dazwischen liegenden Olympischen Spiele "die Athleten stark gefordert", sagt Czingon. "Das war ein sehr, sehr starker Stress, der in diesem Jahr Tribut fordert." Andererseits habe die WM in Berlin auch neue Leute "nach oben gebracht". Carolin Nytra ist dafür ein gutes Beispiel.

Die Sprinter sind in diesem Jahr besonders gut in Form. Neben Nytra haben auch die 100-Meter-Läuferinnen Verena Sailer und Anne Möllinger die EM-Norm schon die geforderten beiden Male geknackt, auch sie können sich in Braunschweig ganz auf den Gewinn der Meisterschaft konzentrieren. "Von mir aus können noch einige Titel folgen", sagt Sailer nach vier DM-Siegen in Folge.

Bei den Männern geht es um den Titel und das Barcelona-Ticket: Mit Tobias Unger, Marius Broening, Alexander Kosenkow, Christian Blum und Stefan Schwab haben gleich fünf Sprinter die geforderten 10,30 Sekunden einmal unterboten. Wer das ein zweites Mal schafft und in Braunschweig gewinnt, ist bei der EM mit Sicherheit dabei. dpa

Saarbrücken. Der Saarländische Leichtathletik-Bund (SLB) hat für die deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende insgesamt 13 Aktive gemeldet. Dazu kommen noch die 3x1000-Meter-Staffeln in der männlichen Jugend A der Vereine LC Rehlingen und LA Team Saar sowie die 3x800-Meter-Staffel des LC Rehlingen bei der weiblichen Jugend A.

In der Liste der Teilnehmer fehlen solch arrivierte Namen wie Simon Kirch (SV schlau.com Saar 05), Christian Klein (LC Rehlingen) und Lisa Schorr (Saar 05). Kirch laboriert schon die ganze Saison an einer Schambeinverletzung, Klein ist nach Verletzungsproblemen zu spät in die Saison eingestiegen, und für Schorr kommt die DM nach ihrer Rückenverletzung noch zu früh. "Es geht mir zwar besser, aber es reicht noch nicht zum sprinten", sagt die Saarlandrekordlerin über 100 Meter, die damit wohl einen Haken an die erhoffte Teilnahme an der Europameisterschaft machen muss. "Ich will aber auf jeden Fall noch Meetings laufen", hofft die 27-Jährige.

Die größten Chancen auf die kontinentalen Titelkämpfe in Barcelona hat sicher Speerwerfer Matthias de Zordo (Saar 05). Der Schützling von Bundestrainer Boris Henry ist in dieser Saison in Deutschland konkurrenzlos. Auch Weitspringerin Bianca Kappler ist für den Titel gut. Die 32-Jährige vom LC Rehlingen reist mit der besten Vorleistung aller Teilnehmerinnen von 6,70 Metern an.

Während de Zordo sein EM-Ticket quasi in der Tasche hat, muss Kappler zittern. Mehrere Konkurrentinnen haben die Norm erfüllt, so dass die Platzierung in Braunschweig den Ausschlag für eine Nominierung geben dürfte. Aber die Form bei Kappler scheint zu stimmen - zuletzt gewann sie ein Meeting in Barcelona mit 6,68 Metern. Hoffnung auf Edelmetall dürfen sich auch 400-Meter-Hürdenläuferin Tina Kron und Speerwerferin Esther Eisenlauer (beide Saar 05) machen. mwe

Moncton. Am Montag beginnen die U20-Weltmeisterschaften im kanadischen Moncton. Mit dabei sind auch drei Nachwuchs-Leichtathleten aus der Region, die alle Endkampf- und auch Medaillenchancen haben. Till Wöschler (LAZ Zweibrücken) ist mit 78,64 Metern weltweit der beste Nachwuchs-Speerwerfer dieser Saison und somit am kommenden Freitag (Qualifikation am Donnerstag) ein Titelkandidat. "Wenn ich einen guten Wettkampf mache, habe ich die Chance, vorne dabei zu sein. Wenn ich nur Zweiter oder Dritter werde, ist das zwar suboptimal, aber trotzdem zufriedenstellend", sagt er.

Bereits am Dienstag starten Stabhochspringer Pascal Koehl (LC Rehlingen) in der Qualifikation und Jenna Pletsch (SV schlau.com Saar 05) im Vorlauf über 100 Meter Hürden. Einen Tag später wäre dann das Hürden-Halbfinale und am Donnerstag für beide das Finale. "Ziel ist auf jeden Fall das Finale", sagt Jenna Pletsch. Mit 13,32 Sekunden hat sie die drittbeste Meldeleistung aller Teilnehmerinnen und hofft auf eine Medaille. Koehl hat mit der Teilnahme an der U20-WM "schon ein Saisonziel erreicht", wie er selbst sagt. In Kanada will er sich ins Finale springen. Mit seinen 5,30 Metern liegt er an Position sechs der Meldeliste für die WM. man