Das Phänomen Valentino Rossi

Das Phänomen Valentino Rossi

Hohenstein-Ernstthal. Valentino Rossi - das ist wohl der einzige Star aus der Motorradsport-Szene, der nicht nur Insidern in Deutschland ein Begriff ist. Das Phänomen, diesen Beinamen haben ihm Freund und Feind in unüblicher Einigkeit verpasst

Hohenstein-Ernstthal. Valentino Rossi - das ist wohl der einzige Star aus der Motorradsport-Szene, der nicht nur Insidern in Deutschland ein Begriff ist. Das Phänomen, diesen Beinamen haben ihm Freund und Feind in unüblicher Einigkeit verpasst. Seinen Gegnern kommt es unheimlich vor, wie der vor Rückschlägen keineswegs gefeite Rossi mit eisernem Willen, großem Können und seinem eingeschworenen Team um Cheftechniker Jeremy Burgess immer wieder zurück an die Spitze kommt. Die Fans lieben ihn. Denn trotz aller Anstrengungen verliert er nie seinen Sinn für Humor.Jetzt ist Rossi drauf und dran, seiner ohnehin schon sagenhaften Lebensgeschichte ein weiteres phänomenales Kapitel hinzuzufügen: "Die wunderbare Highspeed-Heilung" könnte es überschrieben sein. Der 5. Juni 2010, an dem Valentino Rossi beim Training zu seinem Heim-Grand-Prix in Mugello wegen einer Unachtsamkeit stürzte und sich das rechte Schienbein brach, hatte die Szene in einen Schockzustand versetzt. Einige der Rossi-Getreuen brachen ihre Zelte in Mugello noch vor dem Rennsonntag ab, andere erschienen mit eilig gebastelten Transparenten, auf denen Genesungswünsche zu lesen waren. Selbst der Spanier Jorge Lorenzo, Rossis Kollege im Fiat-Yamaha-Werksteam und damit auch sein erster und stärkster Konkurrent um die WM-Krone, hielt vor dem Start des Rennens eine freundliche Botschaft in die Fernsehkameras. Die Fans fragten sich, ob Rossi nach seiner ersten gravierenden Verletzung im Motorradsport nicht endgültig den Stecker ziehen und sich dem als sicherer eingeschätzten Automobilsport zuwenden könnte. Rallye-Wettbewerbe mag er, Formel-1-Testfahrten hat er mehrfach mit beachtlichen Resultaten absolviert. Und Ferrari-Chef Luca di Montezemolo wird nicht müde, der italienischen Ikone das Formel-1-Geschäft schmackhaft zu machen. Doch Rossi gab seine Antwort. Nicht, wie von den Ärzten prognostiziert, fünf bis sechs Monate Rennpause, der Deutschland-Grand-Prix an diesem Wochenende ist der Termin für das Comeback - 42 Tage nach dem Unfall. "Der Test in Brünn lief gut, aber ein komplettes Rennen auf dem Sachsenring ist etwas anderes. Die Rennen hier und in einer Woche in Laguna Seca brauche ich dringend, wenn ich nach der Sommerpause völlig fit sein und um Siege fahren will", sagt Valentino Rossi , dem die Universität Urbino 2005 die Ehrendoktorwürde im Fach Kommunikationswissenschaften verlieh. "Der Beinbruch war zwar schlimmer als die Schulterverletzung von meinem Motocross-Sturz im März, aber die Schulter macht auf dem Motorrad mehr Ärger als das Bein", sagt Rossi nüchtern.Den Fans ist das sowieso egal. Hauptsache, ihr Idol fährt. Und die Konkurrenz lässt sich durch derlei Vorabentschuldigungen nicht einlullen. Immerhin geht es um Valentino Rossi. Das Phänomen. Und dem trauen nicht wenige am Wochenende einen Podestplatz zu. So oder so, Rossis Heldengeschichte wird fortgeschrieben. dpa "Meine Schulter macht auf dem Motorrad mehr Ärger als das Bein."Valentino Rossi