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Neue Aufregung rund um die Borussia

 Insolvenzverwalter Marc Herbert hofft auf eine Einigung mit den letzten Gläubigern in den nächsten zwei Wochen. Foto: Schlichter
Insolvenzverwalter Marc Herbert hofft auf eine Einigung mit den letzten Gläubigern in den nächsten zwei Wochen. Foto: Schlichter FOTO: Schlichter
Neunkirchen. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat Hausdurchsuchungen verlasst bei Personen, die zu Gunsten des Fußball-Oberligisten Borussia Neunkirchen agiert haben sollen. Das sorgt im Verein derzeit für große Aufregung. Sebastian Zenner

Borussia Neunkirchen sorgt unfreiwillig wieder für Schlagzeilen. Der Fußball-Oberligist sieht sich kurz vor dem Saisonende aufgrund eines Zeitungsberichts ins falsche Licht gerückt, wonach er mit Untreue-Vorwürfen und Schwarzgeld-Verdacht in Verbindung gebracht wird. Der Vereinsvorsitzende Martin Bach bezeichnet den hergestellten Zusammenhang mit dem Verein als "Schwachsinn". "Der Verein hat damit nichts zu tun. Wir lassen uns so etwas nicht mehr gefallen und werden juristisch dagegen vorgehen", sagt er: "Wenn so etwas in einer Zeitung steht, denken die Leser: Da muss ja was dran sein. In diesem Fall ist das totaler Quatsch."


Was war passiert? Am 14. April nahmen Polizei und Zoll aufgrund des Verdachts der Veruntreuung von Geldern und der Bildung schwarzer Kassen 13 Hausdurchsuchungen bei Personen vor, die zu Gunsten des Vereins agiert haben sollen. "Es besteht der Verdacht, dass durch bestimmte Funktionsträger im Verein Konten genutzt wurden, die ohne Wissen des Vereins geführt wurden und nicht Bestandteil der Finanzbuchhaltung des Vereins waren und über die die Finanzen zum Teil abgewickelt wurden", erklärt Oberstaatsanwalt Christoph Rebmann, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken: "Durch das fortdauernde Verschweigen der Existenz von Vermögensbestandteilen und Einnahmen, die eigentlich dem Verein zuzurechnen waren, begründet sich der Verdacht der Untreue." Jetzt gelte es, die Untersuchungen auszuwerten, was noch Zeit in Anspruch nehme.

Anlass zu den Untersuchungen gaben auch Medienberichte aus dem Sommer 2015, die den Verein mit angeblichen Schwarzgeld-Konten in Verbindung brachten (die SZ berichtete). "Wir untersuchen nicht einfach so, sondern wenn der Verdacht einer Straftat besteht", sagt Rebmann. Damals standen ein Konto zur Abwicklung des Jubiläumsbuches, das von Hans Bauer geführt wurde, und eines zur Abwicklung des Parzellenverkaufs für den neuen Kunstrasenplatz (neben Stadion), das von Daniel Thimig geführt wurde, im Fokus.



Die Geschäftsstelle der Borussia wurde von den Behörden nicht untersucht, auch nicht die Büroräume der Rechtsanwaltskanzlei Herbert. Nach SZ-Informationen gehörten Räumlichkeiten des früheren Vereinspräsidenten und Abrissunternehmers Giuseppe Ferraro zu den 13 untersuchten Objekten. "Die Bilanzen der letzten Jahre sind abgewickelt und wurden bereits vom Finanzamt geprüft. Aus Sicht der Borussia ist das strafrechtlich erledigt. Wie es sich bei den Leistenden verhält, kann ich nicht sagen", meint Marc Herbert, Insolvenzverwalter der Borussia, die sich noch immer in einem Insolvenzeröffnungsverfahren befindet. Diesbezüglich hofft Herbert, "dass wir in den nächsten zehn bis 14 Tagen mit dem Finanzamt, der Knappschaft und der Rentenversicherung eine abschließende Verständigung haben werden". Dies ermöglichte die nun auch vertraglich festgehaltene Einigung mit Ferraro, dem mit etwa 166 000 Euro größten Gläubiger des Vereins. "Ohne ihn und sein Entgegenkommen wäre eine Abwendung der Insolvenz nicht möglich gewesen", sagt Bach.