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Fußball-WM in Russland: Löw deckt seine Karten auf, aber nicht alle

Fußball-WM in Russland : Löw deckt seine Karten auf, aber nicht alle

Der Bundestrainer gibt heute sein vorläufiges Aufgebot für die WM in Russland bekannt. Überraschungen sind nicht zu erwarten.

26 riesengroße Schattenrisse zieren seit Tagen die Fassade des Dortmunder Fußball-Museums – jetzt muss Joachim Löw in seinem Sammelalbum nur noch seine Spieler „einkleben“. Heute um 12.30 Uhr wird der Bundestrainer seinen vorläufigen WM-Kader enthüllen, einige Geheimnisse behält er aber wohl noch für sich.

Fährt Manuel Neuer mit nach Russland? Hält Löw treu zu Mario Götze? Nominiert er Sandro Wagner oder Mario Gomez oder beide? Seine Antworten auf knifflige Fragen kann Löw noch bis zum Meldeschluss beim Weltverband Fifa am 4. Juni aufschieben – zehn Tage vor Turnierbeginn am 14. Juni. 23 plus x lautet die Formel für heute: Und es ist gut möglich, dass die 26 Schattenrisse gar nicht ausreichen.

„Manchmal entscheidet auch mein Bauchgefühl“, betonte Löw, der nach dem letzten Liga-Spieltag ohne akute Erkenntnisse mit seinem Stab in Klausur ging: „Ich nehme auch vielleicht einen Spieler mit, wo ich das Gefühl habe, dass er bei der WM explodieren kann.“ Das muss aber nicht für eine Überraschung sprechen. „Man muss nicht groß rätseln“, verriet Teammanager Oliver Bierhoff. Einen „Odonkor 2018“, wie einst 2006, den wird es wohl nicht geben.

Drängender sind ohnehin andere Fragen. Neuers WM-Teilnahme hängt am seidenen Faden, weiterhin hat der Kapitän und Welttorhüter nach seiner erneuten Fußverletzung nicht gespielt. Tägliche Wasserstandsmeldungen über den Prozentsatz der Trainingsbelastung sollen Optimismus verbreiten – ob er angebracht ist, weiß nur Neuer selbst. Eine Absage ist derzeit am wahrscheinlichsten. Und Götze? Der Dortmunder war 2014 im WM-Endspiel der Held, nachhaltig überzeugt hat er allerdings zuletzt nicht, war im Verein meist nur Ersatz. WM-Form? Die hat Götze nicht.

Löw hat gebrütet, verschoben, Denkmodelle und alle taktischen Systeme im Kopf durchgespielt. Wie viele Innenverteidiger braucht er? Wie wird die Doppelbesetzung für alle Positionen hergestellt? Der Bundestrainer sucht nicht die Ansammlung der besten Individualisten, er sucht die beste Mannschaft. „Teamfähigkeit und Rhythmus“ hat er daher in sein Anforderungsprofil geschrieben. „Man muss Entscheidungen akzeptieren können, jeder muss für einen Moment bereit sein. Egoismen sind da weniger gefragt“, sagte er. Verkürzt: Gesucht werden für den WM-Titel 23 Spieler von meisterhafter Klasse, die Bestleistung bringen – und nicht meckern, wenn mal ein anderer aufgestellt ist.

Dafür steht ein wahrscheinlich einmaliger Pool von Spielern zur Verfügung. Leicht eingeengt hat sich die Auswahl durch die Verletzungen von Lars Stindl und Serge Gnabry, die beide ausfallen. Jérôme Boateng und Mats Hummels sind angeschlagen, werden aber rechtzeitig fit sein. Die unersetzlichen Innenverteidiger werden nicht neben dem Mobiltelefon wachen, ihr Platz ist sicher. Sie fiebern dennoch mit. „Ich fand das als Fan schon spannend“, sagte Hummels, „wen der Trainer mitnimmt, ob es eine Überraschung gibt oder nicht.“ Andere warten sehnsüchtig auf den Anruf des Bundestrainers. Klingelt es, ist das nicht zwingend ein gutes Zeichen. Wobei sich der Saarländer Jonas Hector keine Sorgen machen muss. Er ist als Linksverteidiger gesetzt, seit ihn Löw nach der WM 2014 in Brasilien erstmals nominierte.

Der Saarländer Jonas Hector ist gesetzt und wird seine erste WM erleben. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Absagen an verdiente, hoffnungsvolle Spieler hasst Löw. „Das ist immer emotional“, sagte er. Allerdings kann er den Spielern heute leicht allzu große Enttäuschungen ersparen. In einem vorläufigen Kader mit beispielsweise 27 Spielern hätten vier Torhüter (und damit auch der Saarländer Kevin Trapp), Götze, Gomez und Wagner Platz, zudem potenzielle (spätere) Streichkandidaten wie Matthias Ginter oder Sebastian Rudy. Bereits jetzt erwischen könnte es Weltmeister Shkodran Mustafi und den angeschlagenen Emre Can. Heute wissen alle mehr: Nach der Bekanntgabe ersetzt das Fußball-Museum die Schattenrisse durch die Bilder der Nominierten.