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Längst kein Niemand mehr

Kimberly Pohlmann hat sich bei den Saarlouis Royals zur deutschen Nationalspielerin entwickelt. Mit ihrem Team will sie jetzt das Finale um die Meisterschaft erreichen. Foto: Ruppenthal
Kimberly Pohlmann hat sich bei den Saarlouis Royals zur deutschen Nationalspielerin entwickelt. Mit ihrem Team will sie jetzt das Finale um die Meisterschaft erreichen. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Die Bundesliga-Basketballerinnen der Saarlouis Royals starten am Sonntag in der Stadtgartenhalle in die Halbfinalserie gegen den Herner TC. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch Flügelspielerin Kimberly Pohlmann. Lars Reusch

"Sehr aufgeregt" ist sie, erzählt Kimberly Pohlmann wenige Tage vor dem ersten Halbfinalspiel der Saarlouis Royals gegen den Herner TC. Ein starkes Team sei das, breit aufgestellt, mit mehreren Nationalspielerinnen. Wenn die einen guten Tag erwischen, könnten die einen auch mal "wegklatschen", sagt sie.

Aufgeregt wirkt "Kimmi" aber nicht, im Gegenteil: Positiv, optimistisch, selbstbewusst kommt die 23-Jährige rüber. Seit 2013 spielt Pohlmann bei den Royals Basketball , kam damals vom Zweitligisten Phoenix Hagen. Die ersten zwei Jahre an der Saar seien "voll krass" gewesen, sagt sie, "ich war ja noch ein Niemand". Und heute? Spiele sie eine wichtige Rolle im Team, neben "den drei Führungsspielerinnen": Kapitän Stina Barnert, der Lettin Sabine Niedola und der US-Amerikanerin Angela Tisdale.

Im Februar hat Pohlmann sogar in der deutschen Damen-Nationalmannschaft debütiert. Fünf Minuten durfte sie in der EM-Qualifikation gegen Luxemburg ran, steuerte einen Punkt zum 80:36-Erfolg bei. Super sei das gewesen, eine tolle Zeit. Aber das reicht ihr nicht, Pohlmann ist auf den Geschmack gekommen - sie will sich in der Nationalmannschaft etablieren, fest dazugehören.

"Ich hab' mich so krass entwickelt", fasst sie mit einem breiten Lächeln zusammen und verweist dankbar auf ihren alten Trainer, René Spandauw, der Saarlouis Ende vergangener Saison nach elf Jahren verlassen hat. Unter Spandauw, sagt Kimmi, sei sie "von einer Zweit- zu einer Erstligaspielerin" gereift. Die Umstellung nach Spandauws Abgang sei schon erstmal recht groß gewesen. Spandauw sei ja einer, der in Saarlouis alles und jeden gekannt, der die Spielerinnen integriert habe. In dieser Saison war es mal andersrum: "Wir haben den neuen Trainer integriert." Haben Saulius Vadopalas die Stadt gezeigt, ihn mit der Saarlouiser Fankultur bekannt gemacht.

Mannschaft und Trainer hätten sich aber längst "eingegroovt", kennen und verstehen gelernt. Das sieht man freilich auf dem Feld: Die Royals schlossen die Hauptrunde als Zweite ab, mit 19 Siegen aus 22 Spielen. Im Viertelfinale setzten sie sich gegen Rotenburg mit 2:0 durch - auch wenn das souveräner klingt, als es war. Gerade im ersten Spiel (55:51) sei die Wurfquote "furchtbar" gewesen, sagt Pohlmann, zu viele Ballverluste hätten sich zudem eingeschlichen. Die Defensive immerhin habe gut gestanden, und wenn die Royals im Halbfinale besser treffen und weniger Bälle abgeben, "kann das nur gut werden".

In einem Monat, direkt nach der möglichen Finalserie, wartet auf Kimmi die nächste Herausforderung: Die Abschlussprüfung ihrer Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau steht an. Ihr Traum war es, Schauspielerin zu werden, neun Monate lang hat sie an einer Saarbrücker Schauspielschule gelernt. Aber beides, Schauspiel und Basketball , ging nicht - sie entschied sich für den Sport. Nach der Ausbildung will sie denn auch ein Jahr lang nur Basketball spielen - weiter in Saarlouis ? "Mir gefällt Saarlouis sehr gut", sagt sie, aber sie habe auch andere Angebote. Eine Entscheidung fällt so oder so erst nach den Playoffs. Bis dahin gilt die Konzentration nur dem Spiel am Sonntag (15 Uhr), in das sie zwar aufgeregt, vor allem aber entschlossen geht.