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Die Ersten nehmen ihren Hut

Die Ersten nehmen ihren Hut

Beim 1. FC Saarbrücken ist Feuer unterm Dach. Gestern trat Vizepräsident Florian Kern zurück. Er bemängelt die Zusammenarbeit im Vorstand. Kurz zuvor legte auch die Fanbetreuung des FCS ihre Ämter nieder.

Manche Kinder kann nur eine Mutter lieben. Heißt das "Kind" 1. FC Saarbrücken , erscheint auch das schwierig. Der gestrige Mittwoch wird in puncto FCS-Chaos in besonderer Erinnerung bleiben. Gegen 10.30 Uhr fiel der erste Dominostein. Der Fanbeauftragte Peter Thielges und sein Team traten geschlossen zurück. "Seit Sommer 2015 sind die Bedingungen für die Arbeit der Fanbetreuung immer schlechter geworden", begründete Thielges den gemeinsamen Entschluss, "es wurde gezielt Kommunikation verhindert und Gerüchte gestreut, um das Team der Fanbetreuung in schlechtes Licht zu rücken".

Dass besagtes Datum mit der Berufung von Florian Kern zum Vize-Präsidenten zusammenfällt, ist kein Zufall, auch wenn Thielges den Namen des "früheren Fanvertreters im Aufsichtsrat" nicht in den Mund nimmt. Statt dessen verteidigt er den von vielen Anhängern kritisierten Milan Sasic. "Er hat sich immer für die Belange der Fans eingesetzt." Sasic habe beispielsweise in Steinbach dafür gesorgt, dass die Fans deutlich bessere Plätze bekommen oder in Hoffenheim die Ausgabe von Sitzplatzkarten organisiert. Thielges: "Vielleicht sollten einige mal darüber nachdenken, ob er wirklich alleine die Schuld an der Misere trägt."

Keine 90 Minuten später verabschiedete sich Kern von seinem Posten. Der 25-Jährige war seit Mitte Juli des vergangenen Jahres Stellvertreter von FCS-Präsident Hartmut Ostermann . Kern war im November 2013 bei einer turbulenten Mitgliederversammlung überraschend in den Aufsichtsrat (AR) gewählt worden und wechselte 2015 ins Präsidium - auch, um mehr bewegen zu können als im reinen Kontrollorgan Aufsichtsrat.

Das hat sich mittlerweile offenbar als Irrtum herausgestellt. "Persönlich habe ich mir von meinem Wechsel die entsprechende Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit versprochen", sagte Kern, der sich vor allem der Außendarstellung des Vereins und dem angespannten Verhältnis zwischen einem Teil der Fanszene und der Führung des Clubs widmen wollte. Der 25-Jährige spart nicht mit Kritik. "Es wurden mir gegenüber getroffene Absprachen zu Verträgen nicht oder nur mangelhaft eingehalten", sagte Kern, "weitreichende Personal- und Gehaltsentscheidungen des Präsidiums in den Bereichen Sicherheit, Fans und insbesondere der Verwaltung, über die ich im Nachhinein teilweise informiert worden bin, kann ich nicht teilen."

Zum entscheidenden Bruch dürften eine nicht erfüllte Rückrufbitte an den Präsidenten und die Personalie Sasic geführt haben. "Ich teile die Auffassung von Präsident und Schatzmeister nicht, was den Kompetenzumfang des Geschäftsführer Sport betrifft", sagte Kern. "Außerdem hat sich Milan Sasic zuletzt nicht nur mir gegenüber mehrfach im Ton vergriffen." Am vergangenen Samstag beim 1:4 des FCS bei 1899 Hoffenheim II war es nach dem Spiel zu einem öffentlichen Disput zwischen Sasic und Kern gekommen. "Du musst noch lernen, wie man in einem Verein kollegial miteinander arbeitet", hatte Sasic Kern unter anderem vorgeworfen. Auch sei der Vize-Präsident mitverantwortlich für die "Sasic-raus"-Sprechchöre.

Sasic selbst lobte gestern Mittag die Arbeit von Peter Thielges, wischte dabei Gerüchte über die eigene Entlassung noch vom Tisch: "Da wissen andere mehr als ich." Gegen 15.30 Uhr verdichteten sich die Gerüchte um eine Ablösung des Kroaten. Nach SZ-Informationen soll sogar bereits eine Pressemitteilung verfasst gewesen sein. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe war sie aber nicht abgeschickt worden.

Der AR-Vorsitzende Franz J. Abel war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, dafür aber AR-Mitglied Horst Hinschberger. "Ich habe Respekt vor Kerns Entscheidung, aber er ist auch an der Situation schuld, in der sich der Verein befindet. Durch sein Abstimmungsverhalten wurde ein Neutrum zum Aufsichtsratsvorsitzenden, durch dessen Leitung dieses Gremium keinerlei Einflussmöglichkeit mehr hat." Beim FCS gibt es also wieder viele Scherben aufzukehren. Oder wie Hinschberger sagt: "Die Menschen wollen doch lieben. Wir müssen ihnen wieder die Möglichkeit schaffen, den Verein zu lieben."

Zum Thema:

Am RandeMittelfeldspieler Lukas Kiefer vom 1. FC Saarbrücken wurde vom Sportgericht der Regionalliga Südwest mit einer Sperre von drei Spielen belegt. Beim 1:4 des FCS bei der TSG Hoffenheim II hatte Kiefer nach einem Frustfoul die Rote Karte gesehen. Das Sportgericht wertete die Aktion als "rohes Spiel". Der 22-Jährige fehlt demnach gegen Astoria Walldorf, die SpVgg. Neckarelz und am Samstag, 14 Uhr, beim Heimspiel in Völklingen gegen Eintracht Trier . cor