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| 21:15 Uhr

Anti-Doping-Kampf
„Kampf gegen Doping ist am Ende“

Lausanne. Eine Sicherheitslücke bedroht das Anti-Doping-System auch in Pyeongchang.

Kurz vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang bedroht eine kapitale Sicherheitslücke das komplette Anti-Doping-System. Ein offenbar fehlerhaftes Verschlusssystem an den Kontrollbehältern hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Alarmstimmung versetzt.

Der ARD-Dopingredaktion war es im Zuge ihrer jüngsten Doping-Dokumentation problemlos gelungen, die von der Wada zugelassenen Sicherheitsgefäße der neuesten Generation zu öffnen und wieder zu verschließen, ohne dabei Spuren zu hinterlassen. Mit einem ähnlichen Verfahren hatten die Russen bei den Winterspielen in Sotschi vor vier Jahren die Sportwelt betrogen – für ihre Manipulation allerdings die Hilfe des Geheimdienstes benötigt.

Die Wada bestätigte, dass sie eine Untersuchung eingeleitet habe, und betonte, „bei Bedarf die geeigneten Maßnahmen zu empfehlen, um die Integrität des Dopingkontrollprozesses aufrechtzuerhalten“. Die Verantwortung für das Problem liege bei der Schweizer Firma Berlinger, wo die Hightech-Flaschen hergestellt werden. Eine Anfrage zur Stellungnahme blieb gestern jedoch unbeantwortet.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) gab sich gelassen. „Wir haben die Wada gebeten, dafür zu sorgen, dass die Anti-Doping-Tests in Pyeongchang glaubwürdig und zuverlässig durchgeführt werden können“, sagte ein IOC-Sprecher. Sportrechtler Michael Lehner erklärte hingegen: „Der Kampf gegen Doping ist am Ende.“ In Pyeongchang könne man „das Ganze vergessen“. Der Jurist rät den Athleten, bei den Spielen auf jeden Fall zur Dopingkontrolle zu gehen. „Dort aber sollten die Sportler auf dem Formular vermerken, dass sie den Test nur unter Vorbehalt durchführen“, sagte der Wissenschaftler.

Das Kölner Anti-Doping-Labor hatte die Wada auf das Problem mit den Behältern für die Aufbewahrung des Athleten-Urins aufmerksam gemacht. „Gewisse Auffälligkeiten wurden festgestellt und kommuniziert. Nähere Angaben zur Art des Problems können zurzeit nicht gemacht werden, da es sich um laufende Untersuchungen handelt“, sagte Labor-Leiter Mario Thevis: „Unversehrtheit, Integrität, die Sicherheit, dass Manipulationsversuche erkannt werden können, sowie die Anonymität der Proben sind tragende Säulen des Dopingkontroll-Systems.“

Die Behälter kommen weltweit zum Einsatz. Sie gelten als hochmodern und wurden im September 2017 im Lichte des russischen Dopingskandals eingeführt. Es handelt sich dabei um die zweite weiterentwickelte Variante nach dem Dopingskandal um die Winterspiele 2014. Damals hatten die russischen Gastgeber mithilfe des Geheimdienstes FSB die Flaschen geöffnet, positive Proben gegen negative ausgetauscht und wieder verschlossen.

Laut eines Berichts des Schweizer Online-Magazins Republik, das gemeinsam mit der ARD-Dopingredaktion, der britischen Sunday Times und dem schwedischen Fernsehen SVT ein Rechercheteam gebildet hat, sind die Behälter nicht nur gelegentlich wiederholt zu öffnen, sondern auch nicht fälschungssicher. Wie das Magazin berichtete, wurden die Flaschen problemlos „zersägt und kopiert, nachgebaut, kühl gelagert und die Deckel auf- und wieder zugedreht“.