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LSVS-Finanzskandal
Steht eine Vertrauensfrage ins Haus?

Das Präsidium des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) um LSVS-Präsident Klaus Meiser (Mitte) muss sich rund um die Aufklärung des Finanzskandals kritische Fragen gefallen lassen.
Das Präsidium des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) um LSVS-Präsident Klaus Meiser (Mitte) muss sich rund um die Aufklärung des Finanzskandals kritische Fragen gefallen lassen. FOTO: Thomas Wieck
Saarbrücken. Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer schaltet sich in den Finanzskandal beim Landessportverband für das Saarland LSVS ein. Von Ute Kirch und Tobias Fuchs
Ute Kirch

Die Finanzaffäre um den Landessportverband (LSVS) hat jetzt die höchste politische Ebene im Saarland erreicht. Gestern hat sich Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in die Diskussion eingeschaltet. Sie begrüße es, dass das LSVS-Präsidium beabsichtige, nach Fastnacht eine Sondersitzung einzuberufen, in der es alle Mitglieder über seine Aufklärungsarbeit informieren will. „Dort soll auch nachgefragt werden, ob man noch das Vertrauen der Mitglieder hat, diese Aufklärungsarbeit und auch die Konsequenzen etwa für die Aufstellung des Haushalts (...) voranzutreiben“, sagte sie in Saarbrücken vor Pressevertretern. Dies habe ihr auch LSVS-Präsident Klaus Meiser mitgeteilt. „Das begrüße ich sehr und halte es für notwendig“, sagte Kramp-Karrenbauer.


Außerdem forderte die Ministerpräsidentin einen neutralen Ermittler, der die Arbeit beim LSVS überprüfen soll. Dieser sei sinnvoll, weil „im Moment auch in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass (...) vielleicht nicht ganz objektiv an die Sache herangegangen wird“. Sie habe das Sportministerium als Rechtsaufsicht gebeten, hierüber mit dem LSVS zu reden. „Mein Eindruck ist, dass es grundsätzliche Bereitschaft gibt“, sagte sie.

Vor der regulären Mitgliederversammlung im September, bei der turnusgemäß die Neuwahl des Vorstands anstehe, müsse jedes Präsidiumsmitglied sich nach Rückkopplung mit seinem Verband entscheiden, ob es für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehe. „Das ist autarke Regelung des Sports. Hier sollte sich die Politik mit Ratschlägen zurückhalten“, sagte Kramp-Karrenbauer und spielte damit auf die jüngste Forderung der Linksfraktion im Landtag an, die sich dafür ausgesprochen hatte, dass sämtliche Präsidiumsmitglieder des Landessportverbands ihre Ämter niederlegen sollten.



Die Äußerungen der Regierungschefin trafen die Verantwortlichen beim LSVS scheinbar unvorbereitet. Präsident Klaus Meiser war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sein Vize Franz Josef Schumann hörte im Radio von den Äußerungen der CDU-Politikerin. Franz Josef Kiefer, der zweite Verbands-Vize, wurde von unserer Zeitung mit ihren Aussagen konfrontiert. Er wollte sich zunächst nicht äußern. Anders Schumann: „Wir hatten für nächste Woche eine Präsidiumssitzung anberaumt“, erklärte der Stellvertreter von Meiser. Bei diesem Treffen soll es um die nächste Sitzung des LSVS-Vorstandes gehen.

Das Gremium verbindet die Führung mit der Basis. Ihm gehören das Präsidium und Vertreter aller Sportfachverbände an, die der LSVS vertritt. Schumann nannte einen Februartermin, die Geschäftsstelle des Sportverbandes den 1. März als Tag der Zusammenkunft. Dann dürfte es vor allem um den Haushalt für das laufende Jahr gehen. Durch die Finanzaffäre konnte dieser noch nicht im Detail aufgestellt und verabschiedet werden. Handelt es sich bei diesem Termin um die „Sondersitzung“, die Kramp-Karrenbauer angesprochen hatte? Fest steht: Von einer vorgezogenen Mitgliederversammlung, über die der SR am Dienstag berichtete, wusste beim LSVS niemand etwas. „Das ist mir neu, darüber werden wir reden und entscheiden“, sagte Schumann.

Ein Misstrauensvotum der LSVS-Mitglieder fürchtet der Sportfunktionär nicht. „Wenn die Mitglieder meinen, sie haben Bessere, ist das ein demokratischer Vorgang“, sagte der frühere CDU-Landrat von St. Wendel. Die Satzung des Landessportverbandes regelt eine vorzeitige Abwahl. Da eine Mitgliederversammlung jedoch nicht geplant ist, bleibt dies vorerst Theorie.

Positiv reagierte Schumann auf den Vorschlag, dass sich ein unabhängiger Ermittler der Finanzaffäre annimmt. „Dafür habe ich große Sympathie“, meinte der 69-Jährige: „Das kann aus meiner Sicht den Druck wegnehmen.“ Denn: Schumann ist weiterhin überzeugt, dass sich die LSVS-Spitze nichts vorzuwerfen hat. So sieht es auch sein Präsidiums-Kollege Lothar Altmeyer. Zur externen Überprüfung sagte er: „Natürlich kann man das jetzt ergänzend tun, wir haben unseres getan.“ Das jetzige Präsidium habe den Fehler beim LSVS entdeckt und alles aufzuarbeiten versucht, was passiert sei, erklärte Altmeyer.