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Boxen
Doberstein geht über den großen Teich

Profiboxer Jürgen Doberstein und sein Trainer Karl-Heinz Krüger freuen sich auf den nächsten Kampf in gut drei Wochen in Mexiko.
Profiboxer Jürgen Doberstein und sein Trainer Karl-Heinz Krüger freuen sich auf den nächsten Kampf in gut drei Wochen in Mexiko. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der saarländische Profiboxer unterschreibt bei einem US-Promoter und kämpft als nächstes in Mexiko. Helfen soll der neue Trainer Karl-Heinz Krüger. Stefan Regel
Stefan Regel

Bestens gelaunt steht Jürgen Doberstein mit einem Glas Latte macchiato in der Hand da. Bei seiner Pressekonferenz am Dienstag war nichts mehr zu sehen von seinem verkorksten Jahr 2017 mit Operationen am Sprunggelenk, an der rechten Schlaghand und einem Fahrradunfall. Immer wieder scherzt der „Dobermann“, sagt zu den Anwesenden: „Ich finde das cool, dass ihr nicht arbeiten geht, sondern hier seid.“



Der 28-Jährige hat abgeschlossen, auch mit dem unglücklich verlorenen Kampf 2016 in der Saarlandhalle gegen Robin Krasniqi. „Wir wollen jetzt durchstarten. Es geht darum, mehr Erfahrung zu sammeln“, sagt der neben Mirco Martin einzige saarländische Profiboxer angriffslustig – und fängt an zu erzählen: „Mein Traum war es schon immer, mit einem Promoter aus den USA zusammenzuarbeiten. Dort sind die größten Kämpfe, dort ist richtig Showtime.“ Auch in Sachen Kontakte für TV-Kämpfe sei dies wichtig.

Vor drei Wochen hat Doberstein nun einen solchen Vertrag unterschrieben. „Seit 26. Januar bin ich seit zehn Jahren Profi. Und die richtig interessanten Sachen kommen noch“, verspricht der Kämpfer aus Kleinblittersdorf. Sein neuer Promoter ist Andrew „Andy“ Perez von der „A&T Events and Promotions“ aus Fort Lauderdale/Florida. Mit ihm war 2016 schon einmal ein Kampf geplant, Doberstein war aber verletzt. Zuerst soll es dieses Jahr zwei, „maximal drei“ Nicht-Titelkämpfe geben, ehe es wieder einen Titelkampf geben soll.

Vorrangiges Ziel ist es, sich einen Namen zu machen, bekannter zu werden und an einen großen Kampf zu kommen. Seine Heimat will er allerdings nicht zu kurz kommen lassen. „Ich hoffe, dass es spätestens Ende des Jahres noch zu einem Kampf im Saarland kommt“, verspricht Doberstein. Er will von nun an mehr im Ausland unterwegs sein, Trainingsmittelpunkt bleibt trotz allem Kleinblittersdorf.

Schon am morgigen Donnerstag fliegt der Saarländer nach Mexiko. Nach drei Wochen Training und Sparring steigt dann am Samstag, 24. Februar, in Mérida der Aufbaukampf gegen Uriel Hernandez. Es ist ein Aufbaukampf, der „El Muñeco“ (der Schneemann) genannte Gegner steht in der Weltrangliste weit hinter Doberstein. „Der Gegner ist sehr athletisch, macht Druck, kommt aus dem Superweltergewicht. In Mexiko gegen einen Mexikaner zu boxen, das sind natürlich schwierige Bedingungen. Aber das ist egal“, sagt Trainer Karl-Heinz Krüger. Der 64-Jährige aus Frankfurt/Oder kennt Doberstein seit 2016. Er war dabei, als er seinen Fahrradunfall hatte – und ist nun auch offiziell sein Trainer. Dobersteins Aufbaukampf im letzten November in Kaiserslautern, ein klarer Punktsieg gegen den Kasachen Vasilij Sarbayev, war der erste Kampf des Gespanns. „Ich mache das aus Überzeugung“, sagt Krüger und lobt: „Ich sehe bei ihm so viel Potenzial, auch Ästhetik.“



Krüger ist ein ganz erfahrener Mann, der ehemalige Olympia-Bronzemedaillengewinner ist seit 1983 Trainer, er arbeitete in Frankfurt/Oder im Leistungsstützpunkt des Deutschen Boxsport-Verbandes. Jetzt musste er sich erst mal von seiner Frau die Erlaubnis holen, statt die Rente zu genießen, Doberstein um die Welt zu begleiten. „Mein Leben hat eine neue Dynamik erhalten“, sagt Krüger: „Ich habe sehr viel Freude dabei. Jürgen ist ein lustiger Kerl, ich bin mit seiner Entwicklung sehr zufrieden“. Vergangene Woche schworen sich beide in Frankfurt/Oder noch einmal ein. „Seit der Woche sprechen wir über die gleichen Sachen“, sagt Krüger. Und Doberstein lobt: „Ich habe von ihm sehr viel gelernt, was ich noch nicht über Boxen wusste.“

Schlüssel für die neue Stärke des Dobermanns soll der Gewichtsklassenwechsel werden. Statt im Supermittelgewicht tritt er künftig im Mittelgewicht an. Hier liegt das Gewichtslimit bei 72 Kilo, vier unter dem Supermittelgewicht. An den 72 war er schon vergangene Woche in Frankfurt bis auf 200 Gramm dran.

Nach seinem Unfall hatte er seine Ernährung umgestellt – mit einem Ernährungsberater und mit Erfolg. Krüger sieht in der Umstellung „auf keinen Fall Nachteile“. Doberstein selbst fühlt sich „schneller, beweglicher“, im Flachs sagt er: „Jetzt hab ich zehn Jahre in einer Gewichtsklasse gekämpft, in die ich nicht reingehöre.“ Der Trainer pflichtet ihm bei, jetzt könne der 28-Jährige seine Vorteile noch besser ausspielen: „Vorher hatte er etwas Probleme gegen athletische Typen. Jetzt kommt die Physis auf seine Seite. Er ist sehr groß, hat gute Reflexe, eine gute Reichweite, kann die Leute von sich halten“, analysiert Trainer Krüger und ist überzeugt: „Er hat tolle Entwicklungsstufen gemacht, hat noch viel mehr Qualitäten.“ Mehrfach betont Krüger: „Uns sind keine Grenzen mehr gesetzt.“

Nur eine Grenze gibt es auf jeden Fall. Denn seinen 29. Geburtstag einen Tag vor dem Kampf in Mexiko, wo derzeit 29 Grad herrschen, wird Doberstein wohl nur mit Wasser feiern können. Das trinkt er meistens eh. Latte macchiato ist die Ausnahme in einem Jahr, in dem er unbedingt auf drei Siege im Boxring anstoßen möchte.