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Italiens Regierungs-Chef stellt Profi-Fußball in Frage

Italiens Regierungs-Chef stellt Profi-Fußball in Frage

Der Wettskandal, der die Nationalelf vor der EM erreicht, schockt Italien. Viele fragen sich, was von der Mannschaft bei der EM noch zu erwarten ist. Schon vor der WM 2006 gab's einen Wettskandal. Damals holte Italien den Titel.

Rom. Italiens Ministerpräsident Mario Monti stellt wegen des bis zur Nationalmannschaft vorgedrungenen Wettskandals den Profi-Fußball im Land in Frage: "Würde es den Italienern nicht gut tun, wenn wir dieses Spiel für zwei bis drei Jahre komplett stoppen würden?" Es sei enttäuschend, wenn sich der Sport als manipuliert erweise.Bevor Monti mit seinen Gedanken kurz vor der Europameisterschaft für viel Aufregung sorgte, hatte Nationaltrainer Cesare Prandelli versucht, die Lage zu beruhigen. Obwohl auch gegen Leonardo Bonucci wegen des Verdachts von Spielmanipulationen ermittelt wird, berief er den Verteidiger von Juventus Turin ins EM-Aufgebot. "Bonucci hat keinen Bescheid von der Staatsanwaltschaft erhalten. Deshalb kommt er mit uns zur EM", sagte Prandelli. Ob Bonucci nach Hause geschickt wird, wenn ein Ermittlungsbescheid eintrifft, ließ er offen. Domenico Criscito von Zenit St. Petersburg hatte der Nationaltrainer am Montag aus dem Kader gestrichen. Polizisten hatten das Zimmer des Verteidigers im Trainingslager nahe Florenz und sein Haus in Genua durchsucht. Medien berichteten, dass die Vorwürfe gegen Bonucci nicht so schwerwiegend sein sollen wie die gegen Criscito. Der nicht für die EM nominierte Stefano Mauri (Lazio Rom) sitzt seit Pfingstmontag sogar hinter Gittern.

"Das ist traurig und bitter. Jetzt muss gut und schnell aufgeklärt werden", forderte Italiens Fußball-Verbandspräsident Giancarlo Abete. "Schnell" heißt für ihn nach der EM: "Die Staatsanwaltschaft hat danach alle Zeit." Abete fürchtet, dass die immer größer werdende Unruhe der Mannschaft zum Verhängnis bei der EM werden könnte. "So einen Sturm gab es noch nie. Was für ein Chaos bei der Nationalelf", titelte die Zeitung "Corriere dello Sport". Prandelli versprach: "Wir wollen aufräumen!"

Daniele De Rossi vom AS Rom fürchtet aber die Ausmaße des Wettskandals. "Das ist schlimmer als 2006", sagte der Mittelfeldspieler. Vor der Weltmeisterschaft 2006 waren nur Funktionäre in den Liga-Manipulationsskandal verstrickt: "Diesmal sind es Freunde und Mannschaftskollegen der Nationalelf."

Der Zeitpunkt für die landesweite Razzia kurz vor der EM mit 19 Festnahmen und dem Polizei-Einsatz im Trainingszentrum der Nationalelf ist für Prandelli und Daniele De Rossi kein Grund, der Justiz Vorwürfe zu machen. "Sie haben es gemacht, wann es gemacht werden musste. Solche Ermittlungen sind wichtiger als eine EM", erklärte De Rossi. Er stand 2006 in der WM-Mannschaft, die dem Liga-Skandal trotzte - und den Titel holte. dpa

Am Rande

Als Folge der Erdbeben, die gestern Norditalien erschüttert haben, ist das Testspiel der italienischen Fußball-Nationalelf gegen Luxemburg abgesagt worden. Es sollte gestern Abend in Parma ausgetragen werden. Zwei schwere Erdstöße hatten die Region um Parma erschüttert. Das Mannschaftshotel der Italiener in Parma musste deshalb vorübergehend evakuiert werden. dapd