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Spanien fehlt das SchlachtrossXavi: Das letzte große Turnier für den Chef im Mittelfeld?

Spanien fehlt das SchlachtrossXavi: Das letzte große Turnier für den Chef im Mittelfeld?

Die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen startet am 8. Juni. Bis dahin stellen wir die 16 Teilnehmer vor. Zunächst Gruppe A, C, D und als letztes Gruppe B mit Deutschland. Heute: Gruppe C, Spanien.

Saarbrücken. Die Meldung war ein Schock für Spanien. Nein, es ging nicht um die nächste Herabsetzung der Kreditwürdigkeit durch eine Rating-Agentur. Und auch nicht um ein neues Sparprogramm. Es ging um mehr. Zumindest wenn man den Diskussionen in den Kneipen glaubt - und den spanischen Sportzeitungen. "Schwarzer Tag: EM-Aus für Carles Puyol" titelten die Gazetten an jenem 8. Mai. Auf Sonderseiten wurde von der Verletzung des Abwehrchefs berichtet. "Das ist ein schwerer Rückschlag für uns. Sein Ausfall durchkreuzt meine EM-Pläne komplett", lamentierte Nationaltrainer Vicente del Bosque.Kein Wunder: Carles Puyol ist nicht irgendein Spieler. Er ist der Kopf der Mannschaft. Bei den Ball-Zauberern des FC Barcelona ist Lionel Messi der beste Spieler, aber der wichtigste ist Puyol. Und in der Fußball-Nationalelf ist es nicht anders. Andres Iniesta, Xavi, Cesc Fàbregas - an Künstlern mangelt es Spanien nicht. Aber an richtig guten Haudegen in der Abwehr, die alles abräumen. An Typen wie Puyol: ruhig, zweikampfstark, abgeklärt und dennoch immer fair - ein Schlachtross. "Puyol ist ein Kämpfertyp - und er ist die Seele der Nationalmannschaft. Sein Ausfall ist eine riesige Schwächung", ahnt Vincente Ull Böses.

Ull ist 70, stammt aus Barcelona, kam 1965 nach Saarbrücken und führte seit 2004 das Restaurant Gambrinus. Vor allem aber ist er ein riesiger Fußball-Fan. Besonders natürlich von Barça, weniger von Real Madrid. Schon 2004, als in Barcelona noch alle dem legendären Ronaldinho zu Füßen lagen, schwärmte Ull von einem Spieler, den damals noch niemand kannte. "Ein ganz Kleiner, sie nennen ihn Floh. Der ist noch viel besser." Er sprach von einem gewissen Lionel Messi.

Jetzt sagt er: "Ich glaube nicht, dass Spanien dieses Jahr Europameister wird." Wegen des Ausfalls von Puyol. "Und wegen des schlechten Trainers", wie Ull findet. "Del Bosque experimentiert zu viel. Ein Gewinner-Team soll man nicht ändern." Zwar hat Spanien die Qualifikation locker geschafft (siehe Hintergrund), doch Ull verweist auch auf schwache Testspiele - wie das magere 2:2 gegen Costa Rica, das 1:2 gegen Italien oder das 1:4 gegen Argentinien. Auch damals fehlte übrigens Puyol in der Abwehr.

Bei der deutschen Nationalelf dürfte dessen Ausfall allerdings keine allzu große Trauer ausgelöst haben. Denn sein wichtigstes von nur drei Toren in 99 Länderspielen erzielte Puyol im WM-Halbfinale 2010 beim 1:0-Sieg gegen Deutschland. Nach einer Ecke von Xavi wuchtete er den Ball spektakulär ins Netz. Nach dem WM-Triumph wollte er dann seine Karriere im Nationaltrikot eigentlich beenden - ließ sich aber vom Verband zum Weitermachen überreden. Ausgerechnet beim Lokalderby von Barça gegen Espanyol Barcelona (4:0) verletzte sich der 34-Jährige nun schwer am Knie. Sein Ausfall wiegt umso schwerer, da Spanien bereits auf Top-Torjäger David Villa verzichten muss. Der Stürmer des FC Barcelona, der sich im Dezember bei der Club-WM in Katar (die sein Verein gewann) das Schienbein brach, wurde nicht mehr rechtzeitig fit. Und noch ein Problem hat del Bosque: Fernando Torres, der 2008 im EM-Finale gegen Deutschland das entscheidende 1:0 schoss, ist bei Champions-League-Sieger FC Chelsea nur Ersatz und frustriert. Was zudem gegen Spanien spricht: Noch nie konnte eine Mannschaft bei einer EM ihren Titel verteidigen.

Del Bosque schiebt den Niederlanden und Deutschland die Favoritenrolle zu. Vincente Ull hat einen anderen Geheimtipp: "Ich glaube, Portugal könnte eine Überraschung gelingen." Er selbst wird die EM "dahemm" erleben. Nach fast 50 Jahren in Deutschland kehrte Ull am Wochenende nach Spanien zurück. Er eröffnet in der Nähe von Tarragona ein Bistro direkt am Meer. Sein Restaurant in Saarbrücken übernimmt übrigens ein Herr Torres - aber der hat mit Fußball nichts am Hut. > wird fortgesetzt

Saarbrücken. Er ist der Chef im spanischen Mittelfeld. Er ist der Motor der Mannschaft, ihr Gehirn. Und er ist das Zentrum des schnellen Kurzpasswirbels. Doch 2012 war bislang nicht das Jahr des Xavi Hernández. Im Champions-League-Halbfinale scheiterte der Spielmacher mit dem FC Barcelona am späteren Titelträger Chelsea, in der spanischen Meisterschaft am Erzrivalen Real Madrid. So blieb nur der nationale Pokalsieg. Auch, weil Xavi diese Saison nicht ganz so brillant spielte wie in den Jahren zuvor. Die EM ist daher seine letzte Chance auf einen der wichtigen Titel in diesem Jahr. Und vielleicht auch die letzte Chance auf einen Titel mit der Nationalelf. Bei der WM 2014 ist Xavi schon 34 - und wohl zu alt. Der EM-Titel aber wäre ein glänzender Abgang von der Bühne für einen Großen. wip

Foto: afp

"Ich glaube nicht, dass Spanien

dieses Jahr Europameister wird."

Vincente Ull, Restaurant-Besitzer aus Saarbrücken

Hintergrund

Das Unternehmen Titelverteidigung läuft bisher problemlos. Die Qualifikation zur Europameisterschaft in Polen und der Ukraine gelang Spanien spielerisch leicht und souverän. Als eine von nur zwei Mannschaften blieb das Team von Trainer Vicente del Bosque in der Qualifikation ohne Punktverlust - die andere Mannschaft war Deutschland. Lediglich zwei Mal musste Spanien etwas zittern: Beim 3:2 in Schottland gelang der Siegtreffer erst zehn Minuten vor Schluss, beim 2:1 zu Hause gegen die Tschechen lag die Mannschaft zur Halbzeit mit 0:1 hinten, drehte die Partie dann aber. Am Ende setzten sich die Spanier klar mit 24 Punkten vor Tschechien (13) und Schottland (elf) durch.

Auch der Einzug ins EM-Viertelfinale sollte angesichts der Gruppengegner Italien, Irland und Kroatien kein Problem sein. Dann aber lauern England oder Frankreich als nächste Gegner. wip