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Gewagtes Experiment Gruppengegner Dänemark ohne seine Nummer eins

Gewagtes Experiment Gruppengegner Dänemark ohne seine Nummer eins

Die personellen Experimente im Testspiel in der Schweiz gingen schief. Das 3:5 sorgt für Verunsicherung im Umfeld der Fußball-Nationalelf. Morgen gegen Israel will Bundestrainer Joachim Löw im letzten Testspiel vor der EM wieder experimentieren.

Tourettes. Wenn er aus dem Hotelfenster im französischen Tourettes auf die Berge schaut, kommen Joachim Löw im Trainingslager Vergleiche mit dem Radrennen Tour de France in den Kopf. "Als wir hier ankamen, habe ich vom Prolog gesprochen, vor dem wir stehen. Nun sind wir in den Bergen, in Alpe d'Huez. Da müssen wir hoch", sagt der Bundestrainer.Die Vorbereitung der deutschen Fußball-Nationalelf auf die Europameisterschaft tritt in die entscheidende Phase ein. Sie ist noch jünger als bei der Weltmeisterschaft 2010. Mit 23,57 Jahren geht die Mannschaft in die EM. In Südafrika hatte der Schnitt von 24,96 Jahren international für Staunen gesorgt. Morgen steht für diese junge Truppe das zweite und letzte EM-Testspiel an - in Leipzig gegen Israel (20.45 Uhr/ARD). Und Löw ist im Zwiespalt: Einerseits geht's darum, erneut zu experimentierten, personelle Varianten auszuprobieren und mit dem Training in Hinblick auf das erste EM-Gruppenspiel gegen Portugal am 9. Juni nicht nachzulassen. Andererseits wäre eine Pleite wie das 3:5 am Samstag in Basel im Testspiel gegen die Schweiz kontraproduktiv. Deswegen wird beim Anstieg auf Alpe d'Huez gebremst.

"Wir nehmen das Tempo am Tag vor dem Spiel etwas raus. Wir nehmen, anders als vor dem Spiel in Basel, im Training ein wenig Rücksicht", sagt Löw. Eigentlich ist die Partie die Generalprobe. "Ich sehe es weiterhin als Test an, weil ich einiges probiere und wissen will, wie ist das Verhalten und die Leistung einzelner Spieler", erklärt aber Löw. Doch zu viel zu testen kann weitere Verunsicherung hervorrufen. Entschieden hat Löw, dass Philipp Lahm gegen Israel links verteidigt. "Das hat aber nichts damit zu tun, wie wir gegen Portugal spielen", sagt Löw, der an der Abwehr noch bastelt: "Die Abstimmung muss herbei geführt werden."

Aber wie, wenn Löw in Lahm nur einen Außenverteidiger der Weltklasse hat? Muss der Kapitän bei der EM ständig verschoben werden, um den besten Außenstürmer des Gegners auszuschalten? Morgen spielt Jerome Boateng rechts. Gegen die Schweiz hatten Benedikt Höwedes rechts und Marcel Schmelzer links arge Probleme.

Aber es gibt mehr Sorgen. Münchens Bastian Schweinsteiger hat im verlorenen Finale der Champions League gegen den FC Chelsea vor zehn Tagen eine Verletzung erlitten. "Er hat einen Bluterguss in der Wade, den er sich im Endspiel früh gezogen hat. Das Problem ist, dass er damit 115 Minuten spielen musste", sagt Löw. Der Mittelfeldspieler kann noch nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. "Die Frage ist, wie kann er den Schmerz, der vorhanden ist, ertragen", sagt Löw.

In Leipzig schaut "Schweini" vielleicht nur zu. "Wenn ärztliche Einwände da sind, werde ich den Teufel tun und ihn aufstellen", erklärt Löw. Der Weg nach Alpe d'Huez - er birgt viele Widrigkeiten. dapd/dpa

Hamburg. Deutschlands Gruppengegner Dänemark muss bei der EM seine Nummer eins Thomas Sörensen verzichten. Trainer Morten Olsen strich den Torwart von Stoke City gestern wegen einer Rückenverletzung aus dem Kader und sagte: "Das ist ein großer Schlag für uns." Als dritten Torwart neben Stephan Andersen und Anders Lindegaard nominierte er Kasper Schmeichel von Leicester City nach, Sohn von Torwart-Legende Peter Schmeichel.

Sörensen hatte sich die Verletzung am Samstag beim 1:3 im Testspiel gegen Brasilien zugezogen. Der 35-Jährige hat 101 Länderspiele bestritten und ist der einzige Torwart seines Landes von internationalem Format. Der England-Legionär stand als Nachfolger von Peter Schmeichel bei der WM 2002, der EM 2004 und der WM 2010 im Tor der Dänen. dapd

Hintergrund

Der Deutsche Fußball-Bund hat gestern mit dem Nominierungsschluss die Rückenummern der 23 Nationalspieler bekannt gegeben, die bei der Europameisterschaft für Deutschland spielen: Nummer 1 Manuel Neuer, 2 Ilkay Gündogan, 3 Marcel Schmelzer, 4 Benedikt Höwedes, 5 Mats Hummels, 6 Sami Khedira, 7 Bastian Schweinsteiger, 8 Mesut Özil, 9 André Schürrle, 10 Lukas Podolski, 11 Miroslav Klose, 12 Tim Wiese, 13 Thomas Müller, 14 Holger Badstuber, 15 Lars Bender, 16 Philipp Lahm, 17 Per Mertesacker, 18 Toni Kroos, 19 Mario Götze, 20 Jerome Boateng, 21 Marco Reus, 22 Ron-Robert Zieler, 23 Mario Gomez. dapd