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Fußball
„Die Liga wird höllisch attraktiv sein“

Die Wiesbacher Oberliga-Fußballer bejubeln hier einen Treffer gegen den FV Diefflen. Die Hertha war in der vergangenen Saison die Überraschungs-Mannschaft der Liga. Platz drei dürfte kaum zu wiederholen sein.⇥ Foto: Kerosino
Die Wiesbacher Oberliga-Fußballer bejubeln hier einen Treffer gegen den FV Diefflen. Die Hertha war in der vergangenen Saison die Überraschungs-Mannschaft der Liga. Platz drei dürfte kaum zu wiederholen sein.⇥ Foto: Kerosino FOTO: Achim Thiel / Kerosino
Saarbrücken. Die Fußball-Oberligisten starten in die Vorbereitung. Die Absteiger aus der Regionalliga werten die ungeliebte Spielklasse enorm auf.
Stefan Regel

Sechs saarländische Vereine treten in der neuen Saison in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar an. Die wurde durch die Absteiger FC Homburg, Eintracht Trier, 1. FC Kaiserslauten II und FK Pirmasens immens aufgewertet. Die Liga ist so attraktiv wie seit Jahren nicht mehr. Dafür droht erneut ein vermehrter Abstieg, weil die Spielklasse von 19 auf 18 Vereine reduziert werden soll. Soll wohlgemerkt, denn alles hängt wie immer mit dem Abstieg aus der Regionalliga zusammen.

Bei allen Saar-Vereinen ist die Vorfreude jedenfalls riesengroß. Nun ja, bei fast allen. Regionalliga-Absteiger FC Homburg, der an diesem Donnerstag mit dem Training beginnt, hatte sich diesen Sommer anders vorgestellt. Der FCH hat nach dem überraschenden Fall in die Oberliga den Kader nahezu komplett ausgetauscht. Hochkaräter wie Nando Rafael und Tobias Weis kommen nicht, stattdessen wechselte mit David Salfeld, Jens Meyer und Alexander Hahn ein Trio vom 1. FC Saarbrücken zu den Grün-Weißen. Dazu blieben junge Spieler aus dem Saarland wie Jaron Schäfer, Jan Eichmann und Christian Lensch, aber auch Erfahrene wie Kai Hesse und Marc Gallego. Auch Marco Gaiser spielt weiter beim FCH. Angesichts des gewaltigen Etats, der mit rund 1,7 Millionen Euro um ein Vielfaches größer ist als bei den allermeisten Konkurrenten, ist der Aufstieg für die Mannschaft von Trainer Jürgen Luginger Pflicht. „Manche Ziele definieren sich von alleine“, sagt Vorstandschef Herbert Eder.

Quasi von alleine lief es zeitweise in der vergangenen Saison beim FC Hertha Wiesbach. Platz drei in der Vorsaison war „herausragend“, blickt der sportliche Leiter Helmut Berg zurück. Aus finanziellen Gründen hatte die Hertha keinen Antrag zur Regionalliga-Zulassung gestellt. Die Mannschaft von Trainer Michael Petry startet heute in die Vorbereitung – mit dem Saisonziel Platz fünf bis acht. „Wir haben einen kleineren Etat und sind ein gesunder Verein, wollen uns nicht verschulden“, sagt Berg. Die bisherigen sechs Neuzugänge sind jung und aus der Region, dabei hat vor allem Torjäger Samed Karatas (von der SV Elversberg II) bewiesen, dass er regelmäßig treffen kann. Verlassen haben die Wiesbacher unter anderem Marius Neumeier, Engin Yalcin, Angelo dal Col und Carsten Ackermann, der seine Karriere beendet hat. „Wir gehen jetzt in die fünfte Saison in der Oberliga und freuen uns riesig. Für uns als Dorfverein ist diese Liga ein Höhepunkt“, sagt Berg.

Schön für die Wiesbacher ist vor allem der Aufstieg des FV Eppelborn. Die Derbys zogen in der Vergangenheit in der Saarlandliga bis zu 2000 Zuschauer an. „Das ist eine Sensation, dass zwei Teams aus einer Gemeinde in der Oberliga sind“, freut sich Günter Schmitt. Der Vorsitzende des FV Eppelborn, der von 1985 bis zum Sommer in der Saarlandliga gespielt hatte, hofft auf einen einstelligen Tabellenplatz. Die Mannschaft von Trainer Jan Berger könnte den Zuschauerschnitt von 350 bis 400 noch mal steigern, denn es kommen zugkräftige Gegner ins Illtalstadion. „Das ganze Umfeld ist heiß, die Attraktivität der Liga ist deutlich größer geworden“, meint Schmitt. Zum ersten Training am Donnerstag kommen sieben Zugänge, acht Spieler haben Eppelborn verlassen. Der Kern des Teams blieb aber zusammen.

Ähnlich ist es beim FSV Jägersburg, der vor dem heutigen Trainingsstart bisher vier Zu- und fünf Abgänge vermeldet. Der neue Trainer Thorsten Lahm, der in die großen Fußstapfen von Marco Emich (zur SV Elversberg II) tritt, muss dabei künftig auf die Erfahrung von Max Wettmann, Daniel Ruschmann, Marvin Gabriel, Daniel Schommer und Kapitän Matthias Stumpf verzichten. Die Neuen sind allesamt jung und aus der Region, der FSV setzt wie die Wiesbacher bodenständig auf den Nachwuchs. Die Oberliga ist „jedes Jahr ein kleines Geschenk“, findet Teammanager Martin Germann. Der geglückte Klassenverbleib wurde jetzt mit zwei Stadtderbys gegen den großen FCH belohnt. „Der FCH und wir  – das sind zwei Welten“, sagt Germann: „Vom Budget können wir nicht mithalten, Ziel kann wieder nur der Klassenverbleib sein.“

Auch beim SV Saar 05 hoffen sie auf einen Zuschauerboom dank der neuen, attraktiven Gegner. „Für die Absteiger ist das schlimm, für die Oberliga selbst ist es ein Glücksfall“, sagt der Vorsitzende Frank Seibert. Die 05er um Trainer Timon Seibert sind seit vergangenem Donnerstag im Training und damit die Frühstarter der Liga. Saisonziel ist der Ligaverbleib. Auch am Kieselhumes mussten die Verantwortlichen wie am Wiesbacher Wallenborn den Etat nach unten schrauben. Immerhin blieb Hauptsponsor Axel Lange im gleichen Umfang erhalten. Bisher gibt es zwei Zugänge und vier Abgänge, allesamt mit Regionalliga-Erfahrung. „Von den kleinen Vereinen kommt kaum jemand mit“, berichtet Seibert und freut sich auf die Spiele gegen Trier, Homburg oder den FCK II.

Auch der FV Diefflen, der gestern Abend ins Training startete, ist ein klassischer Dorfverein. Umso erstaunlicher, dass der FV mit im Schnitt 387 Zuschauern die meisten Fans der vergangenen Saison auf den Babelsberg lockte. Sportvorstand Ralf Jung bemüht die Vereinsgeschichte und schwärmt: „Vor zehn oder 20 Jahren war es nicht vorstellbar, dass wir Punktspiele gegen Eintracht Trier oder den FC Homburg bestreiten. Das ist etwas Historisches.“ Die Dieffler um Spielertrainer Thomas Hofer haben den Nichtabstieg als „Basisziel“ und werden wohl die ersten vier Heimspiele im Dillinger Parkstadion austragen. Acht Abgängen stehen drei Neue und zehn A-Jugendspieler, die zu den Aktiven kommen, gegenüber. Und für Jung könnte die Saison schon gleich morgen losgehen: „Die Liga wird höllisch attraktiv, das wird ’ne geile Nummer.“