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Saarfußball
Mehr Harmonie als erwartet

Saarbrücken. Auf dem Verbandstag des Saarländischen Fußballverbandes gab es trotz kontroverser Themen viel Zustimmung für das Präsidium.

Franz Josef Schumann bleibt auch in den kommenden drei Jahren Präsident des Saarländischen Fußball-Verbands (SFV). Die Mitgliederversammlung des größten saarländischen Sportfachverbands bestätigte den 68-jährigen St. Wendeler am Samstag einstimmig im Amt. „Ich mache es gern, denn es ist ein Ehrenamt, das Spaß macht“, sagte Schumann nach seiner Wahl, „wenn man sich manchmal nicht ärgern würde, nähme man die Sache auch nicht ernst.“



Ärgernisse in Zusammenhang mit dem SFV gab es zuletzt genug: Die Ansetzung des U19-Pokalfinals vor einem Jahr, die Terminkollision des „Finaltages der Amateure“ mit den Relegationsspielen zur 3. Liga oder der Streit um das Spielrecht der DJK Bildstock in der Saarlandliga, das der 1. FC Saarbrücken gerne für seine wiederbelebte U23 gehabt hätte. Themen, die öffentlich breit diskutiert wurden, am Samstag aber nicht oder nur in Nebensätzen Erwähnung fanden. „Ich bekenne mich dazu, dem Vorstand empfohlen zu haben, an diesem Termin festzuhalten. Dass es dafür Kritik gibt, ist in Ordnung. Aber ich erwarte ein klein wenig Fairness“, sagte Schumann. Das Begehren des FCS in Sachen U23 sei für ihn „von Anfang an eine Rechtsfrage gewesen. Deshalb haben wir das Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Damit haben wir künftig für ähnlich gelagerte Fälle Klarheit. So besteht im Augenblick kein Entscheidungsbedarf.“ Weder vom Verbandsvorstand noch von Seiten der Vereine kam ein Antrag, die Verbandssatzung in diesem Punkt zu verändern.

283 von insgesamt 368 Clubs hatten ihre Delegierten in die Saarlandhalle geschickt. Diese bestätigten den SFV-Vorstand mit breiter Mehrheit im Amt. Dass Adalbert Strauss, der Vorsitzende des Verbandsspielausschusses, mit zwei Nein-Stimmen dabei das schlechteste Ergebnis einfuhr, bestätigt den weitestgehend harmonischen Eindruck. Neu im Vorstand ist der frühere Bundesliga-Referee Volkmar Fischer, der Heribert Ohlmann als Vertreter der Schiedsrichter ablöst. Ohlmann, der für seine 41 Jahre lange Tätigkeit im SFV mit der Ehrennadel Gold mit Lorbeerkranz ausgezeichnet wurde, bleibt dem Fußball aber erhalten – in der Schiedsrichterkommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und im Schiedsrichterausschuss des Regionalverbands Südwest. Neu ist auch Nicole Recktenwald im erstmals besetzten Posten der Beauftragten für Frauen- und Mädchenfußball. Die 47-Jährige vom TuS Jägersfreude setzte sich in der einzigen Kampfabstimmung gegen Susanne Lohmann durch. Lohmann erhielt als Kandidatin des Vorstands 156 Stimmen. Die von Ex-SFV-Jugendleiter Hans-Peter Becker vorgeschlagene Recktenwald schaffte mit ihrem Bekenntnis („Mein Herz schlägt für den Frauen- und Mädchenfußball“) drei Unterstützer mehr.

Und noch eine Niederlage musste die SFV-Führung hinnehmen. Auf Antrag des FC Reimsbach wurde die Gebührenordnung nach unten korrigiert. „Die Gebühren machen in unserem Haushalt 150 000 Euro aus“, sagte Präsident Schumann, der erläuterte, dass der Verband die letzten Jahre jeweils mit einem kleinen Gewinn abgeschlossen habe, „weniger Gebühren führen zu unangenehmen Entscheidungen im Bereich von Zuschüssen für die Vereine.“ Die ließen sich nicht umstimmen, votierten mit 163:147 für die Gebührensenkung. „Es geht mir dabei um die Sache“, betonte Antragsteller Michael Buchheit, der ansonsten mit der Arbeit des Vorstands nicht unzufrieden ist: „Die sind so bekloppt wie wir und opfern ihre Zeit ehrenamtlich für den Fußball.“

Unterstützung gab es für Schumanns Haltung gegen die Übertragung aller Amateurspiele im Internet, die er so nun auch in den Gesprächen mit dem DFB vertreten kann. Bei aller – zum teil nicht öffentlich geäußerten – Kritik am Verband ist dies vielleicht ein symbolischer Schulterschluss für die Zukunft des Saarfußballs, den der SFV nur mit den Vereinen gemeinsam gestalten kann. Oder wie es der alte und neue Präsident sagte: „Ich lade jeden ein mitzumachen.“