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| 20:39 Uhr

Jahresrückblick
Eine Saarländerin schreibt Geschichte

Johannes Vetter gewann WM-Gold und landete den zweitweitesten Speerwurf der Geschichte.
Johannes Vetter gewann WM-Gold und landete den zweitweitesten Speerwurf der Geschichte. FOTO: Mika Kanerva / dpa
Pauline Schäfer schaffte mit ihrem WM-Gold Historisches. Ansonsten prägte vor allem die Leichtathletik-WM das nichtolympische Jahr 2017. Von Stefan Regel
Stefan Regel

Schon, als sie nach ihrer Übung am Schwebebalken Konkurrentin Tabea Alt umarmt, rinnen heiße Tränen über das Gesicht von Pauline Schäfer. Die Bierbacherin, früher lange beim TV Pflugscheid-Hixberg, hat an diesem Sonntag im Oktober Turn-Geschichte geschrieben. Als erste deutsche Turnerin seit 30 Jahren gewann sie bei einer Weltmeisterschaft den Titel. Alt komplettierte mit Bronze die deutsche Bilanz in Montreal.

„Der Moment, als ich ans Gerät ging, war richtig schlimm“, erinnert sich die 20-Jährige später. Und auf dem Treppchen waren die Augen dann wieder nass. Vor 10 000 Zuschauern im ausverkauften Olympic Stadium reichten Schäfer 13,533 Punkte zum Sieg.

Cheftrainerin Ulla Koch sagt sogar: „Es gibt keine Steigerung mehr. Eigentlich müsste ich morgen als Trainerin aufhören.“ Es war für die Turnerin der Lohn der Mühe, der Lohn für zehntausende Stunden harten Trainings. Danach ging es für Schäfer auf Medientour, später wurde die in Chemnitz lebende und trainierende Saarländerin zur deutschen Turnerin des Jahres und bei den Sportlerinnen des Jahres auf Platz zwei gewählt.

Ein anderer Athlet, der früher für das Saarland startete, hatte es schon im August krachen lassen. Johannes Vetter, früher beim SV Saar 05, holte bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London Gold im Speerwerfen. Schon zuvor hatte er in Luzern/Schweiz mit 94,44 Metern den zweitweitesten Wurf der Leichtathletik-Geschichte gelandet, es war zugleich deutscher Rekord. Das 24-jährige Kraftpaket, das jetzt mit dem saarländischen Bundestrainer Boris Obergföll in Offenburg trainiert, stellte sogar Olympiasieger Thomas Röhler in den Schatten. Ansonsten fiel die deutsche Medaillen-Ausbeute bei der WM enttäuschend aus. Diskuswerfer Christoph Harting verpasste sie sogar. Der schnellste Mann der Welt, Usain Bolt, beendete in London seine Karriere ohne Glanz. Nur Bronze über 100 Meter, keine Medaille mit der Staffel, das hatte der Jamaikaner sich anders vorgestellt. Die saarländische Sprinterin Laura Müller musste ihren Start über 200 Meter erkältet absagen, nachdem die 22-Jährige zuvor bei der deutschen Meisterschaft in Erfurt in 22,65 Sekunden in die Weltspitze gesprintet war.

Ganz das Gegenteil von einem solch großen Leistungssprung zeigte 2017 Tennisspielerin Angelique Kerber: 2016 hatte sie noch die Australian und US Open gewonnen, im vergangenen Jahr wurde sie von Platz eins der Weltrangliste auf Rang 21 durchgereicht. beste Deutsche ist nun Julia Görges. Es war ein Absturz, der seinesgleichen sucht. In die andere Richtung, nämlich nach oben, ging es für Alexander Zverev. Der 20-jährige Schlaks aus Hamburg ist mit erst 20 Jahren bester deutscher Tennisprofi und jetzt Weltranglisten-Vierter, er feierte 2017 Turniersiege in Montpellier, München, Rom, Washington und Montréal.

Einen so noch nicht erlebten Absturz im Ansehen der Welt erlebte der russische Sport. Das erwiesenermaßen staatsgelenkte System zwang das Internationale Olympische Komitee (IOC) Anfang Dezember zum Ausschluss des Nationalen Olympischen Komitees Russlands für die Winterspiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar). Es war ein sportpolitischer Paukenschlag im letzten Monat eines bewegten Jahres, das mit erfolgreichem Wintersport begonnen hatte.

Wunder-Biathletin Laura Dahlmeier prägte den Winter mit außergewöhnlichen Leistungen und dem Gewinn des Gesamtweltcups. Den Höhepunkt erreichte sie mit noch nie dagewesenen fünf Goldmedaillen bei den Weltmeisterschaften in Hochfilzen.

Die Ära von Boxer Wladimir Klitschko endete im August. 96 Tage nach seiner Niederlage in einem packenden Kampf gegen Weltmeister Anthony Joshua entschloss sich „Dr. Steelhammer“ zu diesem Schritt. Nicht ganz so freiwillig räumte Bernie Ecclestone als Geschäftsführer der Formel 1 die Bühne. Nach rund 40 Jahren wurde der Brite mit 86 Jahren in Zwangsrente geschickt. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hatte im Sommer die besten Karten, führte lange die WM an, bei den Rennen in Asien gab es dann aber unglaublich viele technische Probleme bei seinem Auto. Am Ende wurde der Brite Lewis Hamilton im Mercedes klar vor Vettel Weltmeister.

Für Schlagzeilen sorgte auch Basketballer Dirk Nowitzki, der in der NBA die Schallmauer von 30 000 Punkten durchbrach. Die Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst krönten sich zu Weltmeisterinnen. Für einen Tiefpunkt sorgte am Jahresende der viermalige Tour-de-France-Gewinner Christopher Froome, der zuvor das Double mit dem Gewinn der Vuelta geschafft hatte, mit einem positiven Dopingtest.

Für den Saarsport war es ein schwieriges Jahr. Ein schwerer Finanzskandal beim Landessportverband, bei dem es um mehrere Millionen Euro geht, erschütterte auch die Politik kurz vor Weihnachten. Auch sonst hatten es manche Sportarten schwer im Kampf darum, einen Bundesstützpunkt zu behalten oder zu bekommen.

Die Ringervereine zerfleischten sich selbst, einige der stärksten deutschen Clubs bilden als „Rebellen“ eine eigene Liga. Im American Football stiegen die Saarland Hurricanes sehr überraschend aus der Bundesliga ab. Der KSV Köllerbach blieb in der Bundesliga und kämpft dort um die Meisterschaft. Die Badmintonspieler des 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim wurden nach einem 3:4 im Finale gegen den TV Refrath deutscher Vizemeister. Der 1. FC Saarbrücken Tischtennis verpasste ebenfalls den großen Wurf, der FCS schied in der Champions League im Halbfinale gegen Fakel Orenburg aus. Im Halbfinale der deutschen Meisterschaft gegen den großen Favoriten Borussia Düsseldorf erzwang der FCS ein drittes Spiel. Dann schieden die Saarbrücker aber doch durch ein 0:3 aus, auch im Finale um den deutschen Pokal hieß es wie bei Hase und Igel wieder 3:0 für die Düsseldorfer.

Ein turbulentes Jahr erlebten die Zweitliga-Handballer der HG Saarlouis und die Bundesliga-Basketballerinnen der Saarlouis Royals. Die HGS wollte mit Neuzugang Julius Lindskog Andersson anders als in der Saison 2016/2017 nicht mehr im Abstiegskampf stecken. Stattdessen ist die HGS derzeit Vorletzter. Auch Trainer Jörg Bohrmann musste gehen, Nachfolger wurde sein Co-Trainer Philipp Kessler. Und auch bei den Royals gab es im Sommer einen Trainerwechsel, Nationaltrainer Hermann Paar musste gehen. Dazu steckt das Team im Tabellenkeller, auch im Bereich Infrastukturen und Vorstand gab es viel Neues.

Zehntausende Besucher sahen wie hier auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke im August die Deutschland-Rallye im Saarland.
Zehntausende Besucher sahen wie hier auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke im August die Deutschland-Rallye im Saarland. FOTO: BeckerBredel
Rekord: Fünf Titel bei der Biathlon-WM, dazu der Weltcup-Titel. Laura Dahlmeier ist Sportlerin des Jahres.
Rekord: Fünf Titel bei der Biathlon-WM, dazu der Weltcup-Titel. Laura Dahlmeier ist Sportlerin des Jahres. FOTO: Martin Schutt / dpa
Titelverteidiger Jan Frodeno erlebte bei der Ironman-WM wegen Rückenproblemen einen rabenschwarzen Tag.
Titelverteidiger Jan Frodeno erlebte bei der Ironman-WM wegen Rückenproblemen einen rabenschwarzen Tag. FOTO: Thierry Deketelaere / dpa