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LSVS-Finanzskandal
Von Beiträgen, Gehältern und Honoraren

Patrick Franziska steht nicht nur wegen seiner aktuell herausragenden Form im Fokus. Wieder und wieder wird sein Verdienst beim 1. FC Saarbrücken zum Thema gemacht – im Zusammenhang mit dem LSVS-Finanzskandal.
Patrick Franziska steht nicht nur wegen seiner aktuell herausragenden Form im Fokus. Wieder und wieder wird sein Verdienst beim 1. FC Saarbrücken zum Thema gemacht – im Zusammenhang mit dem LSVS-Finanzskandal. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Die Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft beim 1. FC Saarbrücken Tischtennis werfen Fragen auf – und verwundern manche. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Die Polizisten kamen am frühen Morgen. Und sie nahmen mit, was sie in die Finger bekommen konnten. Ihr Begehr: Unterlagen zum Thema Patrick Franziska. Der Tischtennis-Nationalspieler spielt nun schon in der dritten Saison für den Bundesligisten 1. FC Saarbrücken – und für das, was er verdient, von wem er es bekommt und wie, interessiert sich die Staatsanwaltschaft Saarbrücken. Denn: Patrick Franziska spielt auch im Saarland, weil der FCS TT finanzielle Unterstützung aus dem ominösen „Verstärkungsfonds“ bekommt.


Zur Erinnerung: Der Verstärkungsfonds wurde 2016 vom Aufsichtsrat der Saarland Sporttoto GmbH aufgelegt, um bis 2020 jährlich 500 000 Euro aus Überschüssen zu gleichen Teilen für Kultur und Sportförderung an der Saar freizumachen. Der FCS TT kommt wie andere in den Genuss des Verstärkungsfonds – und hatte so die Möglichkeit, Franziska zu verpflichten. Klaus Meiser, Ex-LSVS-Präsident und erklärter Freund des Tischtennissports, hatte Anfang März im Innen- und Sportausschuss des saarländischen Landtages erklärt, warum der FCS TT entsprechend gefördert wird: „Wir haben im Saarland den Vorteil, neben Düsseldorf der Top-Standort im Tischtennis in Deutschland zu sein. Das deutsche Tischtennis ist seit langer Zeit immer bei Olympia und Weltmeisterschaften unter den besten vier Nationen. Patrick Franziska ist die Nummer drei in Deutschland – deswegen ist es eine Riesenoption für uns für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.“

Während sich „Kaiser Franz“ in Saarbrücken pudelwohl fühlt, sich sportlich bestens entwickelt und mittlerweile auf Platz 13 der Weltrangliste so hoch wie nie geführt ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken weiter in Sachen LSVS-Finanzskandal. Und das dürfte der Hintergrund der Durchsuchungen bei mehreren Vereinsverantwortlichen des FCS gewesen sein. Denn offenbar vermutet sie „Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt“. Bedeutet im Klartext: Bei Franziska, der im Verfahren als Zeuge, nicht als Beschuldigter, angeführt wird, könnten Beiträge zur Sozialversicherung nicht entrichtet worden sein.



Eine interessante Sichtweise, ist Franziska doch beim FCS nicht angestellt, sondern bezieht für seine Auftritte ein Honorar. Franziska ist Einzelunternehmer, der über Honorare und Prämien auf Turnieren sein Einkommen bestreitet – so wie bei den Austrian Open, wo er am Donnerstag in der Runde der letzten 32 auf Timo Boll traf (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). „Das Thema nervt ihn schon ein wenig“, sagt Bernhard Schmittenbecher, der Manager von Patrick Franziska, „Patrick versteuert alles ordnungsgemäß selbst. Wir sind froh, wenn dieser Spuk bald ein Ende hat.“

So wie bei Franziska ist die Sachlage oft auch bei anderen Einzelsportlern im Saarland. Hilmar Rehlinger, der Vorsitzende des Ringer-Bundesligisten KSV Köllerbach, erklärt beispielsweise: „Alle Sportler bei uns sind selbstständig. Sie bekommen bei uns Antritts- und Siegprämie. Die deutschen Sportler versteuern das selbst. Die ausländischen Athleten fallen unter den Paragrafen 50 a Einkommensteuergesetz.“ Ähnlich verhält es sich mit den Spielern des Badminton-Bundesligisten 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim.

Ob die Staatsanwaltschaft Saarbrücken weitere Durchsuchungen plant, ist naturgemäß nicht bekannt. Hilmar Rehlinger jedenfalls sagt: „Ich habe keine Angst vor Durchsuchungen, denn ich vertraue auf unser Steuerberaterbüro. Sollte es irgendwann einmal zu einer solchen Situation kommen, wäre das für mich ein Grund, meine langjährige, ehrenamtliche Tätigkeit sofort zu beenden.“ Für Rudi Renkes, den 1. Vorsitzenden des 1. FC Saarbrücken-Tischtennis, war die Durchsuchung am Dienstag in der Früh zu viel – er trat anschließend von seinem Amt zurück.