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Die neue Qualität auf der linken Elversberger Seite

Der Elversberger Neuzugang Bryan Mélisse erfreut sich an einem Stück Zwetschgenkuchen. Foto: Lehmann
Der Elversberger Neuzugang Bryan Mélisse erfreut sich an einem Stück Zwetschgenkuchen. Foto: Lehmann FOTO: Lehmann
Elversberg. In den Vorbereitungsspielen wurde es bereits deutlich: Elversbergs Neuzugang Bryan Mélisse gibt auf der linken Abwehrseite ein mehr als passables Bild ab. Der 24-jährige Franzose hat bereits ein bewegtes Leben hinter sich. Von SZ-MitarbeiterHeiko Lehmann

"Kwetschekuchen", nuschelt Bryan Mélisse und weiß gar nicht, was er da gesagt hat. Der Franzose spricht bislang nur ein paar Worte deutsch. "Ja, fein", sagt er, lächelt und genießt sein erstes Stück Zwetschgenkuchen. Eine saarländische Spezialität, von denen der 24-Jährige in der nächsten Zeit noch mehrere kennen lernen wird. Mélisse hat einen Zweijahres-Vertrag beim Fußball-Drittligisten SV Elversberg unterschrieben. Der Spezialist für die linke Position in der Abwehrkette kam vom luxemburgischen Club F91 Dudelange.

Obwohl die SV Elversberg immer noch auf der Suche nach zwei sprichwörtlichen Granaten für Abwehr und Sturm ist, scheint eine Granate längst unter Vertrag zu sein: Bryan Mélisse. In der vergangenen Saison erzielte er für Dudelange das erste Tor in der Champions-League-Qualifikation. Aus 25 Metern traf der Franzose gegen SP Tre Penne (San Marino) genau in den Winkel zum 1:0. Und wenn man die bisherigen Testspiele der SVE gesehen hat, war unschwer festzustellen, dass auf der linken Seite eine neue Qualität spielt. Der 24-Jährige verliert so gut wie keinen Zweikampf, spielt kluge Pässe und schlägt in der Offensive Flanken, wie man sie in Elversberg so noch nicht oft gesehen hat.

Die Qualität kommt nicht von ungefähr. Bereits mit 15 Jahren folgte Mélisse der Einladung des Centre technique national Fernand-Sastre in der Nähe von Paris. Eine der renommiertesten Fußballschulen in Frankreich, in die nur die Toptalente wie Thierry Henry oder Nicolas Anelka gehen durften und dürfen. Die große Karriere des Bryan Mélisse war programmiert, doch dann schlug das Schicksal zu.

Bei einem Motorradunfall im Mai Jahr 2009 starb Bryans Freundin, und der damals 20-Jährige kam mit Verletzungen im Gesicht, am Oberschenkel sowie Arm- und Schulterbrüchen schwer verletzt ins Krankenhaus. Acht Monate konnte Mélisse kein Fußball spielen. Die körperlichen Wunden verheilten, die seelischen zunächst nicht. "Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich damit klar gekommen bin. Ich muss heute noch jedes Mal an den Unfall denken, wenn ich ein Motorrad schnell fahren sehe. Ich werde nie wieder Motorrad fahren", sagt Mélisse und denkt mit gesenktem Blick nach. "Man muss sich irgendwann zusammenreißen und versuchen, damit abzuschließen. Das Leben geht weiter", sagt der Franzose, der mittlerweile verheiratet ist und in den kommenden Monaten zum ersten Mal Papa wird.

Zur Zeit zählt für Bryan Mélisse nur Fußball und die SV Elversberg. Bei einem Privatlehrer lernt der 24-Jährige deutsch, und auf dem Platz soll die einst so zukunftsträchtige Spur zur großen Fußball-Karriere wieder aufgenommen werden. "Ich möchte in Deutschland in der 1. Liga spielen. Das war immer mein Traum, und dafür werde ich alles geben", sagt Mélisse. Nach einer Knieverletzung vor drei Monaten kommt er bei der SVE immer besser in Tritt. "Die Verletzung ist ausgeheilt. Ich denke, dass ich einen Fitnessstand von etwa 70 Prozent habe", sagt der 24-Jährige. Ob Mélisse am Samstag beim Ligaauftakt beim SV Darmstadt 98 (14 Uhr) von Beginn an auf dem Platz steht, muss Trainer Jens Kiefer entscheiden. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass der Verein und die Fans in Elversberg noch sehr viel Spaß am Spiel des Bryan Mélisse haben werden.