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Deutsche Curler suchen das Weite

Sotschi. Einfach mal abschalten: Nach vier Niederlagen in vier Spielen und dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz zog es die deutschen Curler gestern in die Berge. Bisher ging ihnen in den engen Partien am Ende stets die Luft aus. sid

Vom Wischen hatte John Jahr genug. Nach vier knappen Niederlagen in vier Begegnungen und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz kam der spielfreie Donnerstag für den Skip der deutschen Curler genau richtig, um vom Trubel in Sotschi etwas Abstand zu gewinnen. In den Bergen von Krasnaja Poljana suchte der 48-Jährige mit seiner Hamburger Mannschaft Erholung - ohne Wettkampf-Stress, ohne Handy, "aber mit hoffentlich viel Sonne", sagte Jahr.

Jahr und Co. wollten nach den nervenaufreibenden Duellen gegen Kanada (8:11), Großbritannien (6:7), Norwegen (5:8) und China (7:11) abschalten. Den Grund für die Niederlagen kannte der älteste deutsche Olympia-Teilnehmer in Sotschi sowieso schon. "Die ersten Ends verschlafen wir, dann kämpfen wir uns wieder ran, aber am Ende reicht es dann doch nicht", sagte Jahr.

Den Hamburgern fehlte in den entscheidenden Momenten die Klasse. Mal verfehlte der eigene Stein den anvisierten Stein des Gegners, mal schaffte es das eigene Spielgerät mangels Präzision nicht in das Haus. "Es sind viele Kleinigkeiten, die ausschlaggebend sind", sagte Bundestrainer Martin Beiser. Mangelnde Kondition oder Erfahrung sei es freilich nicht, "vielmehr fehlt uns oft im letzten End die nötige Zeit. Das müssen wir verbessern".

Dann könnte auch der erste Sieg rausspringen, den sich das deutsche Team eigentlich bis zur Pause vorgenommen hatte. "Aber hier sind nur etablierte Mannschaften vertreten", sagte Jahr. Die zu Turnierbeginn ohnehin sehr geringen Halbfinal-Chancen haben sich nun nochmals minimiert und sind eigentlich nur noch theoretischer Natur.

"Dass wir uns überhaupt für Sotschi qualifiziert haben, ist schon ein großer Erfolg", erinnerte Jahr. Im Gegensatz zu vielen anderen Teams, in denen die Spieler Curling-Profis sind, üben die deutschen Curler im Alltag normale Berufe aus. Jahr etwa ist Teilhaber von Casinos in Hamburg und Wiesbaden und besitzt zudem Anteile am Verlag seines Großvaters (Gruner und Jahr).

Bevor es zurück nach Deutschland geht, wollen sich die deutschen Curler heute gegen die USA (6 Uhr) und die Schweiz (16 Uhr), am Wochenende gegen Schweden und Dänemark sowie zum Abschluss am Montag gegen Russland gut aus der Affäre ziehen. "Wir wollen das ein oder andere Spiel gewinnen", sagte Bundestrainer Beiser.