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2. Handball-Bundesliga: Der neue Franzose lebt seinen Traum

2. Handball-Bundesliga : Der neue Franzose lebt seinen Traum

Der wiedergenesene Arthur Muller will mit der HG Saarlouis durchstarten. Heute geht’s in der 2. Liga gegen den TV Emsdetten.

Er war noch ein kleines Kind, als er zu seinem Vater sagte: „Ich will einmal in der 1. Liga Handball spielen. Egal in welchem Land.“ Der Papa von Arthur Muller war Jugend-Nationalspieler in Frankreich und Erstliga-Handballer beim französischen Club US Altkirch. „Seit ich sechs Jahre alt bin, stehe ich jeden Tag auf dem Handballfeld, schaue mir jeden Samstag Spiele an, und ich verpasse auch kein Spiel, das im Fernsehen übertragen wird“, erzählt Muller, der heute mit der HG Saarlouis um 19.30 Uhr den TV Emsdetten in der Stadtgartenhalle empfängt: „So kam es, dass ich irgendwann selbst Profi wurde.“

Mit 17 Jahren spielte der Rückraumspieler bereits bei Drittligist Cernay. Als der Anruf des Zweitligisten MSHA Mulhouse kam, sagte er sofort zu: „Ich war dort zwar so etwas wie ein Sparringspartner, aber ich war jung und wollte unbedingt in die 2. Liga“, erinnert sich Muller, der erst im letzten Frühjahr, also mit 22, in Mulhouse seinen ersten Profivertrag unterzeichnete.

Bitter: Der Verein ging im Sommer Konkurs. Muller überbrückte die Saison beim „Nachfolge-Club“ FC Mulhouse in der 3. Liga. Von seinem Manager erfuhr Muller schließlich vom Interesse der HG. „Ich habe sofort zugesagt. Saarlouis hat ein gutes Konzept und gute Spieler. Außerdem ist es für mich und meine Entwicklung gut, ins Ausland zu gehen“, erklärt er: „Und dann noch nach Deutschland, das Geburtsland des heutigen Handballs.“ Bei der HG hat er einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben. Von den sportlichen Voraussetzungen ist er begeistert: „Wir trainieren viel öfter als in Frankreich, haben einen Kraftraum zur Verfügung und auch sonst sehr gute Bedingungen, um uns weiterzuentwickeln.“ Einmal pro Woche nimmt Muller Deutschunterricht, dessen Erkenntnisse er in seinem Wohnort Beaumarais auf Alltagstauglichkeit testet. Sofern er nicht gerade in Mulhouse seine dort lebende Freundin besucht.

Dem HG-Team fehlte Muller wochenlang wegen einer angebrochenen Rippe. Bei 100 Prozent ist er deshalb noch lange nicht, wie nicht nur Trainer Jörg Bohrmann weiß. Muller selbst bringt es auf den Punkt: „Ich bin zu schwer und muss an meiner Ausdauer und Schnelligkeit arbeiten.“ Zu Mullers Stärken zählt Bohrmann „seine Präsenz, die Wurfkraft aus dem Rückraum und seine Spiel­intelligenz. Wenn er fit ist, werden wir noch viel Spaß an ihm haben.“

Spaß hatte Arthur Muller schon bei seiner Heimpremiere in der vollen Stadtgartenhalle. Das war beim bisher einzigen Sieg (36:27 gegen Konstanz) vor genau einer Woche. „Das war schon sehr cool. Die Fans hier sind so unglaublich, so verrückt“, schwärmt Muller von seinem neuen „Wohnzimmer“ Stadtgartenhalle: „Hier ist Handball gleich nach Fußball so etwas wie ein Volkssport. Das hat mich umgehauen, und ich habe mich gefragt, warum es in Frankreich nicht so ist.“

Wegen der tollen Stimmung bei Heimspielen glaubt Muller auch fest daran, dass gegen den Favoriten Emsdetten heute ein Sieg möglich ist: „Die meisten unserer Gegner der ersten Wochen kommen aus der vorderen Tabellenregion. Wichtiger ist es für uns, gegen die direkten Konkurrenten in der unteren Tabellenhälfte zu punkten“, erklärt er: „Aber wenn wir alle zusammenhalten und die Fans da sind, entsteht eine intensive Atmosphäre, und es wird schwer, uns zu schlagen.“ Er ist sich sicher, „dass die Tabelle in drei, vier Wochen für uns deutlich besser aussehen wird“.

Zeit braucht auch die Erfüllung seines Kindheitstraums von einem Vertrag bei einem Erstligisten. Erfüllt sich dieser nicht, kann Arthur Muller in Frankreich jederzeit voll in seinen Zweitjob einsteigen – als selbstständiger Immobilienmakler.