| 21:08 Uhr

2. Fußball-Bundesliga
Der FCK will ganz schnell wieder hoch

Wie versteinert steht die Mannschaft nach dem 2:3 in Bielefeld auf dem Rasen. Es ist der bitterste Moment der Vereinsgeschichte.
Wie versteinert steht die Mannschaft nach dem 2:3 in Bielefeld auf dem Rasen. Es ist der bitterste Moment der Vereinsgeschichte. FOTO: dpa / Guido Kirchner
Kaiserslautern. Im bittersten Moment der Vereinsgeschichte rufen die Verantwortlichen den Wiederaufstieg in die 2. Liga als Ziel aus. Von Moritz Kreilinger

„Es kann für diesen Verein nur ein Ziel geben: sportlich und auch wirtschaftlich der Aufstieg“, sagte Sportdirektor Boris Notzon. Der geplante Lizenzspieler-Etat von knapp fünf Millionen Euro für die kommende Saison sei für Drittliga-Verhältnisse ein gutes Budget. „Wir wollen von der Qualität her eine Zweitliga-Mannschaft zusammenstellen“, betonte Notzon. Doch das Projekt Wiederaufstieg wird für den finanziell angeschlagenen Traditionsverein ein riskantes Unterfangen.


Sicher ist bisher nur, dass Trainer Michael Frontzeck den Neuanfang und Umbruch gestalten soll. Welche Spieler den Weg nach unten mitgehen, ist noch offen. Vor Frontzeck, Notzon und Sportvorstand Martin Bader liegt viel Arbeit. Das Grundgerüst der Mannschaft soll in der kommenden Saison zu einem Drittel aus Spielern der aktuellen Mannschaft sowie aus Neuzugängen und Akteuren aus der eigenen Talentschmiede bestehen.

„Natürlich konnten wir uns auf die Situation vorbereiten. Für die meisten von uns war es aber sicherlich der schlimmste Tag in der sportlichen Karriere“, sagt Kapitän Christoph Moritz. Den 28-jährigen Führungsspieler müssen die Pfälzer in Zukunft ersetzen. „Die Zeit als Fußballer ist begrenzt. Wenn es die Möglichkeit gibt, weiter in der 2. Liga zu spielen, wird mir da bestimmt keiner böse sein“, sagt Moritz. So argumentieren viele Spieler.



„Das ist ganz bitter für den Club und die gesamte Region“, sagt Trainer Frontzeck: „Es tut mir weh für die Mannschaft, denn gefühlt ist es eigentlich ein Witz, dass wir absteigen.“ Frontzeck hatte in den letzten Wochen den dahindümpelnden FCK aufgerichtet, Punkt um Punkt aufgeholt, doch letztlich war die Hypothek aus der Zeit der Vorgänger zu groß. Das Spiel am Freitag in Bielefeld war ein Spiegelbild der Situation. Nach einer 2:0-Führung verlor der FCK mit 2:3. Auch Sportvorstand Bader war geknickt. „Natürlich ist es ein Tod auf Raten gewesen. Aber wir haben versucht, das Ganze noch am Leben zu halten“, sagt er.

Die Fans des FCK hatten sich ebenfalls lange auf den Abstieg einstellen können. Das Training der Reservisten am Tag nach dem Abstieg auf dem Betzenberg fand praktisch ohne Zuschauer statt. „Ich bin erst seit Februar hier. Aber das nimmt einen mit. Es tut so weh, als wäre ich schon länger hier“, sagt Bader: „Der FCK ist jetzt am Boden. Aber es kann eine schöne Aufgabe sein, ihn wieder aufzurichten.“ Deshalb richtet der 50-Jährige einen Appell an die Anhänger: „Wir sind bereit, die Situation als Chance zu begreifen. Aber ohne die Unterstützung werden wir es in der neuen Saison nicht schaffen.“

Die wichtigste Entscheidung für die Zukunft des Clubs soll am 3. Juni fallen. Dann stimmen die Mitglieder über den Plan zur Ausgliederung des Profibereichs ab. Laut den Verantwortlichen würde nur die Zustimmung Hoffnung auf bessere Zeiten machen. Zeiten, wie sie am 8. September beim Benefizspiel unter dem Motto „Heimkehr der Helden – 20 Jahre das Wunder vom Betze“ noch einmal gefeiert werden. Damals war der FCK als Aufsteiger sensationell deutscher Meister geworden. Doch noch nie war der Verein davon weiter entfernt als heute.

FCK-Idol Gerry Ehrmann (rechts), seit 1984 im Verein und aktuell Torwarttrainer, steht nach dem Spiel fassungslos auf dem Platz.
FCK-Idol Gerry Ehrmann (rechts), seit 1984 im Verein und aktuell Torwarttrainer, steht nach dem Spiel fassungslos auf dem Platz. FOTO: dpa / Guido Kirchner
Die Fans des 1. FC Kaiserslautern, hier drei Damen, sind entsetzt und lassen ihren Gefühlen freien Lauf.
Die Fans des 1. FC Kaiserslautern, hier drei Damen, sind entsetzt und lassen ihren Gefühlen freien Lauf. FOTO: dpa / Guido Kirchner
Ruben Jenssen ist verzweifelt und den Tränen nah.
Ruben Jenssen ist verzweifelt und den Tränen nah. FOTO: dpa / Guido Kirchner