| 21:08 Uhr

Fußball-Bundesliga
Die Unabsteigbaren sind nicht tot

Torschütze Lewis Holtby zeigt das Wappen: Der Hamburger SV lebt noch. Und wie!
Torschütze Lewis Holtby zeigt das Wappen: Der Hamburger SV lebt noch. Und wie! FOTO: dpa / Peter Steffen
Wolfsburg. Hamburger SV läuft im Abstiegskampf zur großen Form auf. Köln ist abgestiegen.

Ist der Hamburger SV etwa unabsteigbar? „Es sieht immer mehr danach aus“, sagte der bestens gelaunte Stimmungsmacher Lewis Holtby. Locker tanzte er nach dem 3:1-Sieg beim direkten Rivalen VfL Wolfsburg vor der Fankurve und kündigte angesichts von nur noch zwei Punkten Rückstand auf Relegationsrang 16 selbstbewusst an: „Wir sind noch lange nicht tot!“


Ausgerechnet der dauergeplagte Hamburger SV setzt im Abstiegskampf auf Spaß, Euphorie und die eigene Stärke. Nach der nächsten höchst turbulenten Spielzeit winkt dem scheinbar unverwüstlichen Bundesliga-Dino tatsächlich eine weitere Rettung in allerletzter Minute. Probleme? Sorgen? Haben derzeit nur die anderen. Die Hamburger sehen sich als Jäger und haben sämtliche Rechenspiele ad acta gelegt.

Fakt ist, dass der HSV (28 Punkte) den Wolfsburgern (30) jetzt dicht auf den Fersen ist. Die anderen Abstiegskonkurrenten aus Mainz und Freiburg (je 33) nutzten ihre Heimspiele zu Siegen und liegen damit weiter fünf Zähler vor dem HSV. Mainz setzte sich mit 3:0 gegen RB Leipzig durch, der SC Freiburg gewann in letzter Sekunden mit 3:2 gegen den 1. FC Köln und schickte den Club damit in die 2. Liga, wobei das eh nur eine Frage der Zeit war.



Und in Hamburg – dort herrscht nur Zuversicht. „Das Viertelfinale haben wir überstanden, jetzt kommt das Halbfinale in Frankfurt“, sagte Torschütze Holtby über den HSV im dauerhaften K.o.-Modus. Obwohl das Team von Trainer Christian Titz als Tabellen-17. nach wie vor nichts in der eigenen Hand hat, sprechen zwei Faktoren für den Traditionsclub: die Stimmung und die Form. „Es war ein fantastisches Gefühl“, sagte Titz nach dem dritten Sieg in vier Spielen, der den Klassenverbleib weiter möglich macht.

Wurde der 47-Jährige bei seiner Einstellung im März noch als der Trainer gehandelt, mit dem auf ewig der erste HSV-Abstieg verbunden sei, ist Titz sieben Wochen später auf Wunder-Kurs und der entscheidende Faktor für den unerwarteten Aufschwung. In der entscheidenden Phase der Saison herrscht beim HSV plötzlich Ruhe – im Gegensatz zu Wolfsburg. „Es ist eine Scheiß-Situation“, sagte VfL-Profi Maximilian Arnold. Geplatzter Wechsel von Horst Heldt am Donnerstag, Trennung von Sportchef Olaf Rebbe am Freitag, Pleite gegen Hamburg am Samstag: Die Chaostage von Wolfsburg gehen ohne Pause weiter.