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Fußball-WM 2026
Dem „Mega-Verband“ droht die „Mega-Pleite“

Bogota. Das Rennen um die WM 2026 ist offen, weil das Trio USA, Mexiko, Kanada neue Probleme bekommt.

Eigentlich schien das Rennen schon gelaufen. Der „Mega-Verbund“ aus den USA, Mexiko und Kanada wird die erste „Mega-WM“ im Jahr 2026 ausrichten. Daran zweifelte bis vor wenigen Monaten kaum jemand – dem Kontrahenten Marokko wurden keine Chancen eingeräumt. Doch vor der Abgabe der Bewerbungsunterlagen morgen bei der Council-Sitzung des Fußball-Weltverbandes Fifa in Bogota (Kolumbien) hat sich der Wind gedreht. Es ist mindestens ein Kampf auf Augenhöhe – nicht zuletzt „dank“ Donald Trump.


„Will derzeit irgendjemand auf der Welt den USA etwas Gutes tun?“, fragte ESPN mit Blick auf die WM-Vergabe im Zusammenhang mit der fragwürdigen Politik des US-Präsidenten. Dann listete der Sender Gründe auf, die dafür sprechen, dass die Nordamerikaner die Wahl beim Fifa-Kongress am 13. Juni in Moskau verlieren werden.

Laut ESPN wird Marokko am Tag vor dem Anpfiff der WM-Endrunde in Russland die komplette Unterstützung aus Afrika (54 Verbände) erhalten. Zudem werden Teile Asiens (46) und Südamerikas (10) für die Nordafrikaner stimmen. Damit ist es nicht mehr weit bis zur erforderlichen Mehrheit, die bei 104 Stimmen liegt. Eigentlich wären es angesichts von 211 Fifa-Mitgliedern 106 Stimmen, doch die vier Bewerber und das suspendierte Guatemala dürfen nicht abstimmen.

Wie nervös die Nordamerikaner sind, zeigte sich in der vergangenen Woche. Bewerbungsboss Sunil Gulati (Ex-Chef des US-Verbands USSF) wurde durch die drei Verbandspräsidenten ersetzt, um mehr Einigkeit zu signalisieren. Die drei fungieren nun als gleichberechtigte Co-Chefs, obwohl die USA 60 der 80 Spiele austragen wollen. Mexiko und Kanada sind bei der ersten Endrunde mit 48 Teilnehmern für jeweils zehn Partien vorgesehen. Zuvor hatte Gulati erklärt, dass das Rennen längst nicht gelaufen sei. Seiner Meinung nach werden die großen Vorteile bei der Infrastruktur nicht ausreichen: „Bei der Entscheidung werden viele Dinge eine Rolle spielen.“

Zu diesen Dingen gehört die Aversion vieler Fifa-Mitglieder gegen Trump. Erst wegen seines Einreiseverbots für Bürger aus sechs vorrangig muslimischen Ländern, dann aufgrund seiner Diffamierung armer Nationen („Shithole Countries“). Bei ihren Bewerbungstouren durch die Welt wird die nordamerikanische Delegation schon lange nicht mehr nach Stadien oder Hotels gefragt. Es geht vielmehr darum, ob die USA Fremde überhaupt willkommen heißen werden – ganz abgesehen von der (Un-)Sicherheitslage in Mexiko.



Dazu kommen noch andere Nachteile. So ist das harte Durchgreifen der US-Justiz gegen korrupte Ex-Funktionäre den Südamerikanern ein Dorn im Auge. Auch die Zeitzone spielt eine Rolle. Marokko liegt in derselben Zone wie England – was bei vier Spielen pro Tag nicht ganz unwichtig für den größten TV-Markt (Europa) ist.

Zudem kommt der neue Abstimmungsmodus, der für mehr Transparenz sorgen soll, den Marokkanern entgegen. Das Stimmverhalten aller Länder wird öffentlich gemacht. Während in Afrika sicher niemand als Marokko-Gegner dastehen will, werden ausgesprochene USA-Gegner auf der ganzen Welt kein Problem damit haben, auch bei der Abstimmung ihre Ablehnung öffentlich zu machen. Diese Gemengelage sorgt dafür, dass sich die Marokkaner die Hände reiben – trotz der Fragezeichen hinter der Infrastruktur und den Menschenrechten. „Zu unseren Stärken gehört unsere Lage. 16 Europäer und 9 Afrikaner werden dabei sein – alle in derselben Zeitzone“, sagte Marokkos Bewerbungschef Hicham El Amrani: „Und in Europa wird über die Hälfte des weltweiten Umsatzes gemacht.“