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Frauenfußball
Der Kandidatenkreis wird kleiner und kleiner

Die ehemalige deutsche Nationalspielerin und heutige Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg gilt derzeit als Favoritin auf den Posten der Bundestrainerin beim Deutschen Fußball-Bund.
Die ehemalige deutsche Nationalspielerin und heutige Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg gilt derzeit als Favoritin auf den Posten der Bundestrainerin beim Deutschen Fußball-Bund. FOTO: Carmen Jaspersen / dpa
Frankfurt. Wer folgt auf Zwischenlösung Horst Hrubesch? Der DFB sucht einen Bundestrainer für die Frauen. Maren Meinert wird es nicht.

Bundestrainer/in für Frauen-Nationalmannschaft gesucht! Diese Anzeige könnte der DFB am kommenden Montag an die Tür hängen, wenn die Fußball-Lehrer aus dem aktuellen Lehrgang bei einem Festakt in Neu-Isenburg geehrt werden. Doch will diesen Job überhaupt einer?


„Es geht das Gerücht bei männlichen Trainern rum, dass, wenn man einmal im Frauenfußball war, kaum noch eine Chance hat, wieder in den Männerfußball zu kommen“, sagt Frank Wormuth, Chefausbilder beim Deutschen Fußball-Bund. Vielleicht wolle aber auch kein Trainer mehr aus dem Frauenfußball heraus. Der ohnehin kleine Kandidatenkreis für die Nachfolge von Interimscoach Horst Hrubesch, der Steffi Jones beim zweimaligen Welt- und achtmaligen Europameister für zwei Spiele ersetzt, ist geschrumpft.

Junioren-Nationaltrainerin Maren Meinert – von vielen als Wunschkandidatin angesehen – hat laut Joti Chatzialexiou, dem sportlichen Leiter der Nationalmannschaften beim Deutschen Fußball-Bund, „aus familiären Gründen abgesagt“. Ein Kandidat wäre Ralf Kellermann, der mit dem VfL Wolfsburg drei Mal deutscher Meister und zwei Mal Champions-League-Sieger war und dort nun als Sportdirektor arbeitet.

„Er hat keine Lizenz“, erklärte zwar Ex-Bundestrainerin Silvia Neid am Dienstagabend am Rande des DFB-Pokalspiels 1. FFC Frankfurt gegen Turbine Potsdam. Der fehlende Fußballlehrer-Schein ist aber kein Problem: Die Uefa fordert für einen Nationaltrainer nur die A-Lizenz, diese reicht auch in der Bundesliga. Keinen Fußballlehrer-Schein hat auch Bayern Münchens Trainer Thomas Wörle.

Neid, deren Rückkehr ausgeschlossen ist, hatte die Auswahl 2016 zum Olympiasieg geführt und leitet mittlerweile die Scouting-Abteilung beim Verband. Der DFB hatte Jones am Dienstag von ihren Aufgaben entbunden, nachdem die Mannschaft im vergangenen Jahr bei der EM im Viertelfinale scheiterte, um die Qualifikation für die WM 2019 bangen muss und beim She-Believes-Cup diesen Monat in den USA sieglos geblieben war.



Interimscoach für die beiden bevorstehenden WM-Qualifikationsspiele im April gegen Tschechien und in Slowenien ist Horst Hrubesch. Der 66-Jährige führte 2016 die deutsche Auswahl der Männer zu Olympia-Silber. Hrubesch fordert, in Ruhe eine Lösung zu finden, die „über die nächsten Jahre den deutschen Frauenfußball wieder fit macht für Titel“.

Als eine Anwärterin gilt die frühere deutsche Nationalstürmerin und heutige Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die 50-Jährige führte ihre Auswahl 2015 erstmals zu einer WM. Aber: Ihr Vertrag verlängert sich bei erfolgreicher Qualifikation bis zur WM 2019. Die Schweizerinnen führen ihre Gruppe mit sechs Punkten Vorsprung an.

„Bei Trainern ist der Markt auf jeden Fall sehr eng. Männer verlangen andere Gehälter“, erklärte Siegfried Dietrich, Manager des deutschen Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt. An der Hennes-Weisweiler-Akdamie sind nach DFB-Angaben bisher 756 Trainer aus dem Männerbereich Fußball-Lehrer geworden – und nur 29 aus dem Frauenfußball. Während junge Trainer wie Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Domenico Tedesco (Schalke) und Florian Kohfeldt (Bremen) in der Bundesliga absolut angesagt sind, ist der Kreis von Fußball-Lehrer(innen) im Frauenfußball überschaubar.

Unterschiede bei der Ausbildung zwischen Männer- und Frauenfußball, so Wormuth, würden nur in den Fächern Sportpsychologie und Trainingswissenschaft gemacht, nicht aber im technisch-taktischen Bereich. „Fußball ist Fußball“, sagt auch Hrubesch: „Wir werden jetzt, so wie wir es im Männerbereich auch machen würden, mit den Spielerinnen reden und auf die Vereine zugehen.“ Bis zum wichtigen Qualifikations-Rückspiel in Island am 1. September hat der DFB noch fast ein halbes Jahr Zeit, um sich nach dem krassen Fehlschlag mit Steffi Jones neu aufzustellen.