Das Motivations-BeispielNach Gewalt-Androhung: Alarmstufe 1 in der Pfalz

Kaiserslautern. Es gehört zu den unangenehmeren Aufgaben eines Trainers, Spieler auf die Ersatzbank zu verbannen. Noch unangenehmer ist es allerdings, Spieler auf der Ersatzbank zu lassen und ihnen Woche für Woche glaubhaft machen zu müssen, dass ihre Chance irgendwann einmal kommen wird. Wohl dem Trainer, der einen Jiri Bilek (26) hat. "Er ist so ein Beispiel

Kaiserslautern. Es gehört zu den unangenehmeren Aufgaben eines Trainers, Spieler auf die Ersatzbank zu verbannen. Noch unangenehmer ist es allerdings, Spieler auf der Ersatzbank zu lassen und ihnen Woche für Woche glaubhaft machen zu müssen, dass ihre Chance irgendwann einmal kommen wird. Wohl dem Trainer, der einen Jiri Bilek (26) hat. "Er ist so ein Beispiel. Er hat auf seine Chance gewartet und sie genutzt", erklärte Marco Kurz, Trainer des 1. FC Kaiserslautern unlängst, angesprochen auf die Spieler, die noch keine Einsätze in dieser Saison hatten. Dabei hätte Bilek in seiner Anfangszeit in Kaiserslautern selbst von der Ersatzbank nur träumen können. Im Januar 2009 vom zweifachen tschechischen Meister Slovan Liberec verpflichtet, verbannte der damalige Trainer, Milan Sasic, ihn in die zweite Mannschaft. Regionalliga statt Bundesliga. "Natürlich war das eine schwere Zeit für mich. Die hat mir Probleme gemacht", erinnert sich Bilek. Doch er hat auf seine Chance gewartet. Interimstrainer Alois Schwartz setzte ihn erstmals ein und von da an war er - spätestens mit dem Amtsantritt von Kurz - Stammspieler und Motivations-Beispiel.Doch obwohl damals viele Zweifel an ihm nagten, ob der Wechsel nach Kaiserslautern nicht ein riesiges Missverständnis war, kann er dieser Zeit sogar Positives abringen: "Ich denke, ich bin stärker - vor allem mental. Ich bin gereift." Als Spieler allemal. Und wenn Christian Tiffert in der Mittelfeld-Zentrale das Spiel organisiert, liegt das auch daran, dass Bilek ihm den Rücken frei hält. "Das ist mein Spiel. Immer um die Bälle kämpfen." Wobei er eigentlich lieber über seinen Mitspieler spricht: "Christian ist einfach überragend." Die Voraussetzungen dafür schafft er selbst. Nur daran, dass er durch den defensiveren Tiffert selbst mehr Möglichkeiten nach vorne hat, daran muss er sich noch gewöhnen: "Die Defensive ist eher meine Sache."

Eine Defensive, die bis auf das 0:5 bei Borussia Dortmund durchaus überzeugte. "Außer in Dortmund haben wir nirgends schlecht gespielt", sagt er. Nur die Punkte fehlten. Anders als der HSV, wo es ein unglückliches 1:2 gab, könnte Eintracht Frankfurt am Sonntag (15.30 Uhr, Fritz-Walter-Stadion) ein Gegner auf Augenhöhe sein. Kein ästhetischer Hochgenuss, aber ein Spiel, wie es Bilek liegt: "Das wird viel Kampf und sehr schwer. Aber das sind alle Spiele für uns."Frankfurt. Die Krawall-Androhung von Frankfurter Ultras für das Bundesliga-Gastspiel der Eintracht beim 1. FC Kaiserslautern hat in der Pfalz Alarmstufe 1 ausgelöst. Ein Großaufgebot von knapp 1000 Sicherheitsbeamten soll am Sonntag (15.30 Uhr) Szenen wie beim abgebrochenen EM-Qualifikationsspiel Italien gegen Serbien verhindern. Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen appellierte vor dem brisanten Südwest-Derby auf dem ausverkauften Betzenberg: "Wir haben natürlich eine problematische Fan-Struktur, aber solche Dinge wie in Genua kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen." Bruchhagen will die Mobilisierung dieser Fan-Gruppierung zum "Pfalz-Überfall 2010 - Schlachtfest in Kaiserslautern", so der Aufruf im Internet, aber auch nicht bagatellisieren. "Die Polizei ist gefordert, wir müssen alle auf der Hut sein. Es wird Scharmützel geben, aber ich kann mich der Dramaturgie, die da jetzt entwickelt wird, nicht anschließen. Ich glaube nicht an Krawalle", sagte Bruchhagen.

"Es ist ein Risiko-Spiel", sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn, "wir reagieren auf jeden Fall sensibel und sind vorbereitet". Gleiches gilt für die 850 Beamten der Polizei. "Unser Einschreiten wird sich am Verhalten beider Fan-Lager orientieren", sagte Einsatzleiter Thomas Brühl. dpa