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Wetterchaos bei Tour de France, Etappe abgebrochen, Egan Bernal in Gelb

Tour de France : Die Tour im Wetterchaos, Bernal in Gelb

19. Etappe nach Schnee und Hagel ohne Sieger abgebrochen, Kolumbianer neuer Gesamtführender, Buchmann Fünfter.

Gipfelstürmer Egan Bernal, völlig ahnungslos, wurde in rasender Abfahrt von einem Begleitmotorrad gestoppt. Dahinter diskutierten die Konkurrenten um Emanuel Buchmann gestenreich auf ihren Rädern – und unten im Tal kämpften Mensch und Gerät verzweifelt gegen Hagelmassen und Erdreich auf der Strecke: Die 19. Etappe der Tour de France ist im Wetterchaos der Alpen versunken. Kurz vor dem Ende wurde das Teilstück am Freitag abgebrochen – offiziell blieb die Etappe ohne Sieger.

Einen großen Gewinner gab es dennoch: Der junge Kolumbianer Egan Bernal (22) hatte als Erster die Passhöhe des Col d‘Iseran auf 2770 Metern erreicht, kurz bevor die Jury vor der Natur kapitulierte. Die Entscheider wollten zwar keinen Etappensieger küren, werteten die Zeitabstände auf dem Iseran aber fürs Gesamtklassement. Bernal durfte so im geplanten Etappenziel in Tignes das Gelbe Trikot anziehen – und hat nun den Tour-Sieg dicht vor Augen.

„Auf jeden Fall war die Entscheidung richtig“, sagte Ralph Denk, Buchmanns Teamchef bei Bora-hansgrohe, angesichts der im unteren Teil unpassierbaren Abfahrt in Richtung Schlussanstieg: „Es liegen Schnee und Schlamm auf der Strecke. Mit 80 km/h wäre das viel zu gefährlich gewesen, man hat eine gute Lösung gefunden.“ Am Iseran führte Bernal nach einer fulminanten Attacke das Rennen an, er hatte 50 Sekunden Vorsprung auf eine Gruppe mit Titelverteidiger und Teamkollege Geraint Thomas (Großbritannien) und Buchmann. Der Franzose Julian Alaphilippe lag 2:07 Minuten zurück und verlor damit Gelb.

In der Gesamtwertung hat Bernal nun einen Vorsprung von 45 Sekunden auf Alaphilippe. Thomas ist mit 1:03 Minuten Rückstand Dritter, Buchmann (+1:42) rückte nach der Aufgabe des Franzosen Thibaut Pinot auf Platz fünf vor hinter dem Niederländer Steven Kruijswijk.

Am Iseran hatte es bereits ein gnadenloses Ausscheidungsrennen gegeben, Buchmann hatte bis dahin mit einem Löwenherzen seine nächste Weltklasseleistung gezeigt. „So viel Hagel auf der Straße habe ich auch noch nie gesehen“, sagte der deutsche Hoffnungsträger: „Ich fühle mich für die dritte Woche noch echt gut, so habe ich mich bei einer dritten Woche noch nie gefühlt.“ Alaphilippe musste im oberen Abschnitt nach einer Tempoverschärfung abreißen lassen. Für Frankreichs Tour-Träume war der Tag schon zuvor dramatisch verlaufen. Der bisherige Gesamtfünfte und Dritte von 2014, Thibaut Pinot, vergoss bittere Tränen, als er 40 Kilometer nach Rennstart wegen einer Muskelverletzung aussteigen musste.

„Es war eine tolle Leistung von Emanuel. Jetzt gibt es am Samstag die große Finalschlacht“, sagte Denk und meinte zu Buchmanns Chancen: „Das Podium ist für Emanuel nicht weit weg.“ Buchmann muss nun keine Kraft mehr sparen, nichts mehr absichern.

Tour de France: Etappe 20 Foto: SZ/Müller, Astrid
Tour de France: Etappe 21 Foto: SZ/Müller, Astrid
Schnee, heftige Regen- und Hagelfälle sowie Erdrutsche stoppten die Tour-Etappe am Freitag. Foto: AP/Thibault Camus

Wegen der Wetterprognosen und der Gefahr weiterer Erdrutsche verkürzte der Veranstalter indes am Freitagabend das Teilstück am Samstag zwischen Albertville und Val Thorens von 130 auf nur noch 59 Kilometer. 33,4 Kilometer bergauf werden den Profis nach fast drei Wochen Anstrengung als letzte gewaltige Schwierigkeit abverlangt, fast 1900 Höhenmeter sind zu überwinden. Im höchstgelegenen Skiort Europas dürfte damit nach drei Wochen der Tour-Sieger gekürt werden.