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Tour de France: Roger Kluge vergießt nach Etappensieg von Ewan Freudentränen

Tour de France : Kluge vergießt nach Ewans Sprintsieg Freudentränen

Deutscher verhilft seinem australischen Teamkollegen zum Etappensieg. Greipel enttäuscht auf Platz 36. An diesem Donnerstag geht es ins Hochgebirge.

André Greipel war in der einstigen deutschen Tour-Domäne wieder völlig chancenlos, dafür jubelte sein Nachfolger beim belgischen Team Lotto-Soudal: In einem packenden Fotofinish raste der junge Australier Caleb Ewan im Massensprint der elften Etappe der 106. Tour de France in Toulouse ins Rampenlicht – auch dank seines Anfahrers Roger Kluge. „Es war das große Ziel, es hat ein bisschen länger gedauert, aber jetzt er hat es perfekt gemacht. Besser geht‘s nicht“, sagte ein überglücklicher Kluge, der auch „die eine oder andere Freudenträne“ eingestand: „Es war echt eine Riesenerleichterung.“

Ewan nutzte nach 167,5 Kilometern auf dem Boulevard Lascrosses die letzte Sprintchance vor den Pyrenäen und lag ungefähr eine Reifenbreite vor dem Niederländer Dylan Groenewegen. Für Greipel gab es einen Tag nach seinem 37. Geburtstag kein nachträgliches Geschenk, sondern auf Platz 36 nur ein neuerliches frustrierendes Erlebnis.

Eskortiert vom Bahnradspezialisten Kluge suchte Ewan, der seit dieser Saison Greipels Platz bei Lotto eingenommen hat, das Hinterrad Groenewegens und schob sich auf den letzten Metern noch knapp vorbei. Für Lotto-Soudal war es am Mittwoch nach dem Erfolg von Thomas De Gendt in Saint-Étienne der zweite Tagessieg bei dieser Tour, für Ewan der erste seiner Laufbahn. Entsprechend groß war die Freude.

Bevor der Zielsprint entbrannte, gab es einen vermeidbaren Sturz im Feld, von dem auch der frühere Roubaix- und Flandern-Sieger Niki Terpstra betroffen war. Mit einer Schulterblessur musste der Niederländer aufgeben, während der Italiener Giulio Ciccone, der kurzzeitig das Gelbe Trikot getragen hatte, mit erkennbaren Schmerzen weiterfuhr.

Im Gelben Trikot des Gesamtführenden fährt weiterhin der Franzose Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick Step). Das Maillot jaune geriet auf der weitgehend flachen Etappe nicht in Gefahr.

Ab Donnerstag stehen bei der zwölften Etappe über 209,5 Kilometer von Toulouse nach Bagnères-de-Bigorre in den Pyrenäen die Klassementfahrer um Titelverteidiger Geraint Thomas im Blickpunkt. Und auch für die deutsche Hoffnung Emanuel Buchmann als weiterhin Gesamtfünften beginnen die entscheidenden Abschnitte. Der Kampf um den Gesamtsieg entbrennt erstmals im Hochgebirge, die erste Etappe im französisch-spanischen Grenzgebiet ist aber nur ein Vorgeschmack aufs Wochenende. Vielleicht drücken Ineos-Kapitän Thomas und Egan Bernal (Kolumbien) der Tour dennoch schon ihren Stempel auf beim Ziel, den siebten Triumph der britischen Equipe in acht Jahren zu erkämpfen. Mit dem Col de Peyresourde und dem Hourquette d‘Ancizan stehen zwei Anstiege der ersten Kategorie an.

Das Teilstück nach Toulouse war nach dem Ruhetag insgesamt ein recht angenehmer Auftakt. Vier Ausreißer fuhren über Stunden vor dem Feld, ohne eine Aussicht auf den Tageserfolg zu haben. Das Profil bot keine besonderen Schwierigkeiten, und auch der Wind hielt sich diesmal zurück. Als Konstante der bisherigen Tour bestimmte Tony Martin (Cottbus/Jumbo-Visma) wie gewohnt für Sprinter Groenewegen den Takt im Peloton.

Als erster der elf gestarteten deutschen Radprofis musste Rick Zabel (wie schon 2018) am Mittwoch die Tour verlassen. Der 25 Jahre alte Sohn des früheren Sprinteridols Erik Zabel hatte wegen eines grippalen Infekts den Ruhetag im Bett verbracht, aber weil keine Besserung eintrat, war ein Start unmöglich.