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Emanuel Buchmann überstrahlt bei der Tour de France die deutsche Bilanz

Tour de France : Buchmann überstrahlt die deutschen Tour-Leistungen

Trotz bisher zehn Etappen ohne Tagessieg fällt das Zwischenfazit dank des Gesamtfünften positiv aus. Auch die jungen Debütanten fahren ohne Scheu.

Das Lob für Emanuel Buchmann kam aus allen Richtungen. Die deutschen Fahrerkollegen schwärmten von den Leistungen des Gesamtfünften der Tour de France, und selbst Titelverteidiger Geraint Thomas zollte seinen Respekt. „Emanuel Buchmann hat sich gewaltig entwickelt. Er ist sicher zu beachten“, sagte der Brite am Dienstag, dem ersten Ruhetag der 106. Frankreich-Rundfahrt.

Der schüchtern wirkende Buchmann lehrt die Alphatiere des Radsports das Fürchten. Gründe, den Kletterspezialisten ernstzunehmen, haben Thomas und Co. allerdings auch genug. Der 26-Jährige besticht durch eine bislang fehlerfreie Leistung, aufmerksame Fahrweise und bestechende Form. Vor den bevorstehenden Pyrenäen-Etappen hat sich Buchmann eine glänzende Ausgangsposition erarbeitet. „Es sieht ganz gut aus“, sagte er, war aber auch bemüht, trotz des geringen Rückstands von 1:45 Minuten auf Julian Alaphilippe im Gelben Trikot die Euphorie zu bremsen.

Die anderen deutschen Fahrer sind da schon euphorischer. „Wenn wir jemanden haben, der unter die ersten Zehn fährt, wäre das fantastisch. Ich drücke ihm die Daumen“, sagte Tour-Debütant Lennard Kämna. Sein Sunweb-Teamkollege Nikias Arndt teilte die Begeisterung: „Ich hoffe, dass es wieder mehr Fans in Deutschland zum Radsport bringt.“

Buchmann selbst wirkte am Ruhetag entspannt. Er tankte nach der erfolgreichen, aber hektischen ersten Tour-Hälfte Kraft für die kommenden Aufgaben. „Jetzt beginnt die Tour für mich so richtig“, sagte der Oberschwabe mit Blick auf die Berge der kommenden zwei Wochen. In den Pyrenäen und später den Alpen wird die Entscheidung über die Platzierung im Gesamtklassement fallen. Buchmann hofft auf einen Rang unter den besten Zehn.

Dank ihm rückt in den Hintergrund, dass die elf deutschen Fahrer auch nach zehn Etappen noch auf einen Tageserfolg warten, das war zuletzt 2010 der Fall. Damals endete das Rennen gänzlich ohne deutschen Etappensieg. Auch in diesem Jahr stehen die Chancen aufgrund des Fehlens von Top-Sprintern wie Marcel Kittel oder John Degenkolb vergleichsweise schlecht.

André Greipel, immerhin mit elf Etappensiegen dekoriert, ist in der Vorbereitung von einer Krankheit zurückgeworfen worden. Beim kleinen französischen Team Arkea-Samsic fehlt ihm zudem die nötige Unterstützung in den Massensprints. Auch das Alter macht sich beim 37-Jährigen allmählich bemerkbar, die Spritzigkeit von einst ist verlorengegangen.

Dennoch: Das Zwischenfazit fällt insgesamt positiv aus. Die jungen Debütanten Maximilian Schachmann (Bora-hansgrohe) und Kämna zeigen keinerlei Scheu, Tony Martin ist beim Team Jumbo-Visma für vier Tageserfolge mitverantwortlich. Marcus Burghardt (Bora-hansgrohe) leistet wichtige Helferdienste. Und auch Nils Politt (Katusha-Alpecin) sucht immer wieder die Offensive.