Deutscher Radprofi scheint stark in Form Buchmann ist in der Weltspitze angekommen

Chalon-sur-Saône · Bei der Tour de France beweist die größte deutsche Rundfahrt-Hoffnung bisher ihre Qualitäten. Dabei ist der 26-Jährige schüchtern.

Emanuel Buchmann hat schmale Schultern und spricht mit leiser Stimme. Fast schüchtern wirkt der 26-Jährige bei öffentlichen Auftritten, bei denen er ungern im Mittelpunkt zu stehen scheint. Einen Satz sagt er sehr oft: „Ich bin froh, wenn ich meine Ruhe habe.“ Wenn der deutsche Radprofi jedoch die Berge der Tour de France erklimmt, ist Buchmann ein anderer: Selbstbewusst, taktisch gewieft und frei von jeglicher Scheu.

Spätestens seit der ersten schwierigen Kletterei der 106. Frankreich-Rundfahrt ist klar: Buchmann ist ein ernst zu nehmender Anwärter auf eine Spitzenplatzierung. „Natürlich ist es schön, dass die Deutschen jetzt auch jemanden haben, mit dem sie mitfiebern können“, sagte Buchmann, der vor und nach der siebten Etappe am Freitag Rang zwölf der Gesamtwertung belegte.

Die sechste Tour-Etappe in den Vogesen mit dem bis zu 24 Prozent steilen Finale an der Planche des Belles Filles hatte Buchmann am Donnerstag als starker Achter beendet. Von den Top-Favoriten auf das Gelbe Trikot hängten ihn einzig Titelverteidiger Geraint Thomas und der Franzose Thibaut Pinot um wenige Sekunden ab. Nach vielen Jahren mischt wieder ein deutscher Rundfahrer beim wichtigsten Radrennen der Welt im Konzert der Großen mit.

Die erste Top-10-Platzierung seit 2009 ist ein realistisches Ziel. „Es ist schön, dass man sieht, dass es bei der Tour so läuft wie bei den anderen Rennen auch, darauf kann man für die nächsten Etappen aufbauen“, sagte Buchmann, für den Platz acht eine „Bestätigung“ war.

Dass Buchmann bei der Tour mit den besten Rundfahrern mithalten kann, ist das Ergebnis einer steten Entwicklung. Auf dem Rad verlief sie langsam. Beim deutschen Team Bora-hansgrohe wurde er über Jahre behutsam aufgebaut, Ergebnisse waren zunächst eher zweitrangig.

Im Vorjahr schickte Teammanager Ralph Denk seinen Schützling lieber zur Vuelta in Spanien als nach Frankreich, um in die Kapitänsrolle hineinzuwachsen. Die Maßnahme wirkte. Buchmann beendete in dieser Saison alle Rennen unter den besten Zehn, den prominent besetzten Tour-Test Criterium du Dauphiné schloss er als Dritter ab.

Auch abseits der Strecke hat sich Buchmann weiterentwickelt. „Er ist als Mensch gereift. Man kennt ihn als ruhigen Zeitgenossen. Aber wenn die Tür zu ist, kann das ganz anders sein“, sagte Teamchef Denk. Etwa bei Vertragsgesprächen. Buchmann hat anders als viele Fahrerkollegen keinen Manager. Seinen bis 2021 datierten Bora-Kontrakt handelte Buchmann selbst aus – und erwies sich dabei als zäher und souveräner Verhandlungspartner. Buchmann beeindruckte Denk unter anderem mit Grundkenntnissen im Vertragsrecht.

Buchmann arbeitet hochprofessionell, der Ravensburger gilt als äußerst diszipliniert. „Es gibt bei ihm kein Larifari. Er schläft ja schon schlecht ein, wenn er mal ein Eis isst“, sagte Denk und attestiert ihm „Leaderqualitäten“. Bei der Tour erlaubt sich Buchmann keine Ausnahmen, was auch an seiner Freundin Claudia Eder liegt, die Ernährungsberaterin ist. „Ich schaue, dass ich ordentlich esse, viele Proteine. Danach gibt‘s Massage, Abendessen und ab ins Bett“, sagte er am Donnerstag: „Es ist wichtig, immer gut zu regenerieren und Kraft zu sparen. Es kommen noch einige Bergetappen, das war erst mal der Anfang.“ Es ist zu spüren: Buchmann hat bei der Tour 2019 noch viel vor.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort