Marozsans Ausfall ist ein Schock für die DFB-Frauen

Frauenfußball : Marozsans Ausfall ist ein Schock

Die Saarbrückerin kann wegen eines Zehenbruchs in der WM-Vorrunde nicht mehr eingreifen – auch nicht im Topspiel gegen Spanien.

Der Blick schweifte ins Leere, die sonst so volle Stimme klang ungewohnt leise. Sichtlich mitgenommen lüftete Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Presseraum des WM-Stadions von Valenciennes das drei Tage lang gehütete Geheimnis um die Saarbrückerin Dzsenifer Marozsan: Bruch der linken Mittelzehe. Deutschlands beste Fußballerin kann in der WM-Gruppenphase nicht mehr spielen – es droht sogar das Aus für die komplette Endrunde.

„Dieser Ausfall tut weh, sportlich und persönlich, denn es ist ein besonderes Turnier für Dzseni“, sagte Voss-Tecklenburg vor dem Schlüsselspiel, der wegweisenden zweiten WM-Partie gegen Spanien an diesem Mittwoch (18 Uhr/ZDF und DAZN). Ob die Spielmacherin vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon überhaupt noch bei ihrem „Heimspiel“ in Frankreich zum Einsatz kommen kann, ist offen. „Wir werden versuchen, sie bei der WM wieder auf den Platz zu bringen, aber eine Prognose können wir nicht abgeben“, sagte die Trainerin.

Auch die Mitspielerinnen hatten an der schlechten Nachricht zu knabbern. „Wir waren alle geschockt und traurig“, sagte Abwehrspielerin Leonie Maier, betonte aber sogleich: „Unser Kader ist breit aufgestellt, wir können das kompensieren und werden für Maro spielen.“

Den folgenschweren Tritt auf den Fuß hatte Marozsan beim Arbeitssieg zum WM-Auftakt gegen die ruppigen Chinesinnen (1:0) in der zwölften Minute erlitten. Trotzdem spielte sie durch, blieb angeschlagen aber weit unter ihren Möglichkeiten. „Sie hat auf die Zähne gebissen und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt“, betonte Voss-Tecklenburg.

Die Diagnose wurde noch am selben Abend im Krankenhaus in Rennes gestellt. „Wir haben gesagt, wir alle müssen das erst verarbeiten und unserer Informationspflicht gegenüber dem Verein nachkommen“, erklärte Voss-Tecklenburg die nebulöse Informationspolitik der vergangenen Tage. Darüber hinaus nahm sich das Trainerteam die Zeit, eine angemessene Strategie für den weiteren Turnierverlauf ohne Marozsan auszuklügeln. „Dzseni kann man nicht ersetzen, weil sie besondere Eigenschaften und Fähigkeiten hat. Wir müssen das als Mannschaft kompensieren und unsere Spielweise dementsprechend anpassen“, sagte die Bundestrainerin.

Marozsan hatte sich unglaublich gefreut auf die WM in ihrer Wahlheimat. Noch vor gut drei Wochen hatte die gebürtige Ungarin in ihrer Geburtsstadt Budapest ihr Team im Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona zum 4:1-Triumph geführt und dabei selbst ein Tor erzielt. „Das war ein wunderschönes Erlebnis“, sagte Marozsan. Kurz darauf war sie zum dritten Mal hintereinander von den Spielerinnen in der französischen Liga zur „besten Spielerin der Saison“ gekürt worden, was ihr „sehr viel bedeutet“.

Psychisch und physisch war Marozsan, die im Vorjahr nach einer Lungenembolie „die schwierigste Zeit meines Lebens“ durchgemacht hatte, wieder auf einem absoluten Höhenflug. Kein Wunder, dass sie mit großen Träumen, voller Tatendrang und Vorfreude nach Frankreich gereist war. „Die WM ist für mich absolut was Besonderes“, hatte Marozsan vor wenigen Tagen strahlend erklärt: „Ich spiele seit drei Jahren hier. Frankreich ist ein Stück Heimat für mich. Der Titel wäre natürlich ein Traum.“

Nun wirft das Verletzungspech die U20-Weltmeisterin (2010), Europameisterin (2013) und Olympiasiegerin (2016) erneut zurück. Wie 2015, als sie sich wegen einer Sprunggelenksverletzung gehandicapt durch das WM-Turnier schleppte und nie ihr Potenzial abrufen konnte.

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