Wenn Handwerk und Kunst sich zu Unikaten vereinen

Wenn Handwerk und Kunst sich zu Unikaten vereinen

St. Wendel. Was macht die Kunst aus? Ist es der individuelle Wert, den man ihr beimisst? Oder ist es das, was die Käufer der vielen unterschiedlichen Artikel damit verbinden? Ganz sicher ist es der eigene Geschmack oder auch das Motto "Kunst ist das, was mich bewegt". Für Heinrich Andreas Schilling aus Grünstadt ist die Natur die rechte Hand seiner Kunst

St. Wendel. Was macht die Kunst aus? Ist es der individuelle Wert, den man ihr beimisst? Oder ist es das, was die Käufer der vielen unterschiedlichen Artikel damit verbinden? Ganz sicher ist es der eigene Geschmack oder auch das Motto "Kunst ist das, was mich bewegt". Für Heinrich Andreas Schilling aus Grünstadt ist die Natur die rechte Hand seiner Kunst. Er arbeitet seit Jahrzehnten mit Holz. 60 verschiedene Sorten hat er in seiner Werkstatt. Einige kommen aus den Tropen. Gefäßgestaltung ist seine Hauptarbeit. Eine andere ausgefallene Idee präsentierte er auf dem Markt. Er hat große Uhren auseinandergenommen, den Zahnrädern eine hölzerne Achse gegeben, damit sie als Kreisel benutzt werden können. Mit der rechten Hand der Natur arbeitet auch Markus Kunz aus Urexweiler. Der Holzkünstler war gerade dabei, einen Stamm zu bearbeiten, der auf der einen Seite einen Zauberer, auf der anderen eine Geisterfratze trägt. "Ist für den Garten geeignet", sagte er lächelnd. "Wenn er lange draußen gestanden hat, wird er grau."Die Welt der Kunst ist auch eine Welt der Träume. Und träumen können die Menschen, die bei Marlene Arzdorf aus Asbach eine Kerze gekauft haben und sie am Abend anzünden. Alle nur erdenklichen Formen waren zu haben, sogar als Pyramide, als Scheibe oder Kugel, die meisten in warmen Farbtönen. "Ich marmoriere sie, indem ich sie in eine heiße Wachsmischung tauche", erklärte sie den Standbesuchern. Kunst, die Freude bringt - das kann Barbara Müller aus Rosendahl im Münsterland bestätigen. Bunt schillernd zeigten sich ihre Filzarbeiten. "Hausschuhe aus Filz sind wieder in Mode gekommen", erzählte sie. "Dicht gefolgt von den verschiedenen Wohntextilien aus diesem Material." Den Filz stellt sie selbst her und steht deshalb täglich in der Werkstatt. Für die Marktbummler hatte die Künstlerin nur Lob: "In St. Wendel gibt es ein sehr interessiertes und angenehmes Publikum."

Für Ursula Stemmler aus Züsch ist Kunst sicher eine Himmelsgabe. Die Malerin ließ an ihrem Stand binnen fünf Minuten mit Wasserfarben und Pinsel einen kleinen Hahn entstehen. Während der Arbeit entschied sie spontan: "Das wird ein braun gefiederter Italiener." Alle Kunst ist der Freude gewidmet, das bestätigten Michael Hau und Ingrid Kiefer neben dem Rathaus. Der Künstler bearbeitet Steinsäulen, die zum Beispiel aus türkischem Basalt oder aus Schiefer bestehen, während die Künstlerin Glasmosaike einsetzt. "Ich arbeite nicht nur mit viel Freude, sondern auch mit viel Gefühl, ich kann doch den Steinen nichts antun."

Ein echter Künstler kann etwas, was Tausende nicht können. Siegbert Huwe aus Römerberg ist ein solcher. Er arbeitet Pfeffer-, Muskat-, Salz- und Kümmelmühlen aus Apfel-, Birken- oder Elsbeerholz. Wenn sie einmal gerade nicht genutzt werden, sind sie auch wunderschöne Dekorationsstücke. Mit selbstbewusster Kraft schöpferisch tätig ist Britta Rösler aus Trier. Sie verkaufte auf dem Markt hübsche kleine Figuren aus Kupfer. Eine Kundin erwarb ein lustiges Mäuslein und konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen: "Es ist sehr zierlich und für Kupferdiebe völlig uninteressant." Ein Brunnquell des Wohlfühlens war der Stand von Anke Dery aus Ippenschied, an dem es wundervoll duftete. Außer selbst gemachten Seifen bot sie Körperbalsam an und versicherte: "Er besitzt einen hohen Anteil an afrikanischem Nussfett, wird über die trockene Haut gestrichen und sanft einmassiert." Mehrere tausend Menschen schlenderten an beiden Tagen über diesen einmaligen St. Wendeler Markt. Einmalig auch deshalb, weil - so eine Besucherin aus Sötern - "nicht an jeder Ecke ein Essen- oder Getränkestand aufgebaut ist." "In St. Wendel gibt es ein interessiertes und angenehmes Publikum."

Barbara Müller

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