| 20:31 Uhr

Mit Johnny Däpp und Killermichel laut feiern

Zog Blicke auf sich: Eine Gruppe aus Hirstein war mit einem Riesen-Bollderwagen auf Tour. Foto: Frank Faber
Zog Blicke auf sich: Eine Gruppe aus Hirstein war mit einem Riesen-Bollderwagen auf Tour. Foto: Frank Faber FOTO: Frank Faber
Bosen. 2,40 Meter langer Mega-Bollerwagen und Riesenlautsprecher: Mucke plus feuchter Proviant an Bord. Junge Leute auf Vatertagstour. Frank Faber

In der Spitze feierten 10 000 gut gelaunte Jugendliche und junge Erwachsene am Vatertag eine große Party unter freiem Himmel am Bostalsee. Die Rock'n'Roll-Band The Gambles begrüßte die gruppenweise ankommenden Menschen von der Bühne im Biergarten mit dem passenden Song zum Tag: "The Wanderer". Der 50 Jahre alte Hit zündete sofort, und Paare tanzten im feinen Sand. "Kann uns jemand vom Personal etwas Wasser bringen, ein Bier wäre auch nicht schlecht", bestellte Gambles-Sänger Björn Quasten flüssigen Nachschub für die Band.


Indes beobachteten sechs Polizisten in voller Montur von einem schattigen Plätzchen unter einem Baum, wie die Besuchermenge im Kreuzungsbereich vor dem Biergarten zahlenmäßig zunahm. Gleichzeitig patroullierten Sicherheitskräfte das Veranstaltungsgelände. Am Einlass zum Biergarten wurden Taschen und Rucksäcke kontrolliert.

Künftige Väter und Mädels im Teenager-Alter hatten sternförmig den See mit reichlich Proviant beladenen Bollerwagen angesteuert. Spontan stoppten vereinzelte Gruppen, und so entwickelten sich entlang des Seerundweges mehrere Mini-Feten. Es wurde gehüpft, getanzt, gefeiert und mitgesungen.



Nicht zu überhören - ein Mix aus verschiedensten Musikstilen. Hier dröhnte Rockmusik, da schallte Malle-Mucke wie "Däpp. Däpp, Johnny Däpp" oder "Auswärts sind wir asozial" von Killermichel über das Areal. Für den guten Ton sorgte auch ein 2,40 Meter langer Mega-Bollerwagen mit einer Breite von 1,86 Metern. Dieser war vollgepackt mit vier großen Boxentürmen, einem Stromaggregat, drei Verstärkern, einem Mixer und der Marschverpflegung. Zwei Mitglieder der Gruppe zogen das gewaltige Gefährt abwechselnd von Hirstein bis nach Bosen. "Das Ding hat sein Gewicht", meinte Wagenbauer Christian. Ein Jugendlicher blieb erstaunt vor der Eigenkreation stehen. "Glückwunsch zu dem Megateil", schwärmte er und klopfte dem Eigentümer anerkennend auf die Schulter.

Gegen 16 Uhr übertönten mehrfach Martinshörner der Einsatzfahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) die sonst dominierenden Fetenhits. In diesem Jahr war es laut DRK-Einsatzleiter Berthold Wagner sehr ruhig und die jungen Leute sehr diszipliniert. Bis zum frühen Abend mussten 13 Mal Patienten teils unter Alkoholeinfluss oder nach einen Sturz versorgt werden. Drei Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Wagner beabsichtigte, den Einsatz bis spätestens 22 Uhr zu fahren. Der 66-Jährige aus Primstal absolvierte an Christi Himmelfahrt seinen finalen Großeinsatz. "Nach 20 Jahren ist mit diesen Einsätzen Schluss, jetzt sind die jüngeren Kameraden an der Reihe", meinte Wagner. Das DRK war mit 20 Helfern und einem Notarzt vor Ort.

Gegen 19 Uhr zog Andreas Riemenschneider, Chef der Polizeiinspektion Nordsaarland, eine erste Bilanz. Die Atmosphäre am See beschrieb er insgesamt als entspannt. Bis zum frühen Abend verzeichneten seine Kollegen zwar mehr Delikte als im Vorjahr, aber nicht so dramatische. Acht Fälle von Körperverletzung gab es. Außerdem erteilte die Polizei mehrfach Platzverweise.

Vom Bahnhof in Türkismühle aus seien große Gruppen mit bis zu 300 Jugendlichen in Richtung See losgezogen. "Und das teils stark alkoholisiert", so Riemenschneider. So mussten die Beamten schon eingreifen, ehe die Wanderer ihr Ziel erreichten. Nahe des Gonnesweiler Sportplatzes gab es gegen 14 Uhr massive Verschmutzungen. "Die haben den Leuten die Vorgärten versaut", wird der Polizei-Chef deutlich. Und ebenso deutlich wie seine Worte, seien seine Kollegen vor Ort eingeschritten. Danach war Ruhe. Zu Redaktionsschluss wurde am See noch gefeiert. Daher ging Riemenschneider davon aus, dass seinen Kollegen noch der ein oder andere Einsatz bevorstünde.

Zum Thema:

Die Polizeiinspektion Nordsaarland in Wadern ist nicht nur für den Bostalsee, sondern auch für den Losheimer See zuständig. Dort gab es am Vatertag einen Streich, wie Chef Andreas Riemenschneider berichtet. 13 Treetboote und eine Yacht wurden losgebunden. Aber diese wurden wieder eingefangen.