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Streit
Gestörtes Angler-Idyll am Bostalsee?

In Stille und friedlich angeln wie hier auf diesem Archivbild: Das wollten zwei Namborner am Bostalsee. Doch es kam nach deren Aussage ganz anders. Sie sollen von fremden Männern grundlos zusammengeschlagen worden sein. Die Polizei spricht indes nur von einem Handgemenge. Symbolfoto: Christian Charisius/dpa
In Stille und friedlich angeln wie hier auf diesem Archivbild: Das wollten zwei Namborner am Bostalsee. Doch es kam nach deren Aussage ganz anders. Sie sollen von fremden Männern grundlos zusammengeschlagen worden sein. Die Polizei spricht indes nur von einem Handgemenge. Symbolfoto: Christian Charisius/dpa
GOnnesweiler. Was war das für eine Attacke? Wer hat hier wen angegriffen? Die Polizei spricht von einem Handgemenge, Angler von blinder Aggression ihnen gegenüber seitens einer Gruppe junger Männer. Matthias Zimmermann

Ein Sommertag, wie er im Bilderbuch steht. Schon vor 6 Uhr erheben sich die ersten Sonnenstrahlen über dem Horizont am Bostalsee. Am frühen Morgen bereits ein laues Lüftchen. Wie geschaffen, um die Zeit im Freien zu verbringen.


So sahen es auch zwei passionierte Angler aus Namborn, die in aller Frühe zum See zogen, um dort den Köder am Haken der langen Schnur auszuwerfen. "Wir sind sonst immer an der Mosel und in Frankreich gewesen", berichtet der 39-Jährige. "Aber warum nicht mal in der Nähe bleiben?" Doch diesen Entschluss am Samstag sollten er und sein 43 Jahre alter Kumpan bitter bereuen.

Denn was sich gegen halb zwölf anbahnte, werde den Beiden - sie wollen anonym bleiben - wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Dabei erheben sie schwere Vorwürfe gegen eine Gruppe von fünf jungen Leuten, die sich ihnen mit einem freilaufenden Hund näherte. Einer aus der Runde soll die Fischer zuerst angeblafft haben, die am Ufer nahe der Staumauer auf ihren Klappstühlen saßen. "Wir dürften hier nicht angeln, sagte er. Aber wir hatten eine Tageskarte fürs Angeln", versichert der 39-Jährige. Das habe die jungen Leute aber nicht interessiert. "Die ließen gar nicht mit sich reden." Sie sollen vielmehr gedroht haben, die Utensilien, das Equipment der Angler eigenhändig wegzuräumen, sollten diese nicht parieren. Es habe nicht lange gedauert, bis einer der Fremden Hand anlegte und mit seiner angekündigten Aufräumarbeit begann.



Die sich bedroht Fühlenden wollten sich das nicht bieten lassen und schritten ein. Was nun folgte, sei eine feige Prügelattacke gewesen, schildert der jüngere Angler noch immer fassungslos. "Auf einmal ging es Schlag auf Schlag." Mit Fausthieben und Tritten seien sie malträtiert worden. Er habe dermaßen Schläge abbekommen, so dass er unter anderem am Hals, an der Nase und am Knie verletzt worden sei. "Ich habe sogar einen Fußabdruck auf der Brust", gegen die ein Angreifer aus der Gruppe gesprungen sei. In der St.Wendeler Marienhausklinik hätten ihm Ärzte die Blessuren attestiert. Der 43-jährige Begleiter ließ sich im Kuseler Krankenhaus verarzten. Ihn traf es demzufolge am linken Oberschenkel sowie im Gesicht, das geschwollen sei.

Als sei das alles nicht genug gewesen, habe sich zudem einer der unbekannten Männer schwer verletzt. Er sei nach Aussage der mutmaßlichen Opfer auf glitschigem Untergrund an der Staumauser abgerutscht und musste ebenfalls ins St. Wendeler Krankenhaus.

Das bestätigt ein Polizeisprecher. Allerdings stellt er die ganze Sache wesentlich weniger dramatisch dar. So sei der Verunglückte in die Klinik eingeliefert worden. Dass er aber anschließend wegen eines Halswirbelbruchs ins Uni-Klinikum nach Homburg verlegt worden sei, war dem Beamten nicht bekannt.

Zudem sprach er von einer "Rangelei", was nichts mit der Schärfe dessen zu tun hat, wie es zuvor die Betroffenen anmahnten. Anzeigen liefen indes in beide Richtungen, weil sich die Gegner gegenseitig der Körperverletzungen bezichtigen. Bei der Gruppe handele es sich laut Ermittler um vier Männer.(20/22/24/25). Zwei von ihnen stammten aus Nohfelden sowie jeweils einer aus Birkenfeld und Saarbrücken. Außerdem begleitete sie eine junge Frau."Die hat aber mit der ganzen Sache nichts zu tun", sagt der Polizist.

Die Angler bleiben bei ihrer Darstellung. Und legen nach: "Es hat bis 13 Uhr gedauert, bis die Polizei kam." Das sei viel zu lang. Der St. Wendeler Polizeisprecher bestätigt die etwaige Ankunftszeit seiner Kollegen. Zwar sei in diesem Bereich seit einiger Zeit die Polizeiinspektion Nordsaarland aus Wadern zuständig. Von dort kam demnach die Bitte um örtliche Amtshilfe. Indes habe die St. Wendeler Wache der Alarm erst gegen Mittag erreicht. Es habe zudem weitere Einsätze gegeben. Sowie: "Wir mussten von St. Wendel kommen" - eine rund 20 Kilometer lange Strecke, die nach Routenplaner im Internet in maximal einer halben Stunde zu bewältigen ist. Noch werde ermittelt, was sich da am Bostalsee genau abspielte. Doch der Sprecher wiederholt die Einschätzung, dass es sich um ein Handgemenge mit fünf Verletzten gehandelt habe.

Für die Namborner bleibe es dabei: "Uns ist der Spaß am Angeln am Bostalsee vergangen." Zumal Spaziergänger und Radfahrer an der Strecke vorbeikamen, wo sich die ganze Sache, sehr gut zu beobachten, abspielte. Der 39-Jährige: "Niemand hat angehalten und geholfen. Einfach niemand. Alle sind weitergezogen."