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Bienen sind wahre Anpassungskünstler

Michael Keller (Bildmitte) berichtete am Insektenhotel im Selbacher Wildfreigehege Wissenswertes zum Thema Wildbienen. Foto: Frank Faber
Michael Keller (Bildmitte) berichtete am Insektenhotel im Selbacher Wildfreigehege Wissenswertes zum Thema Wildbienen. Foto: Frank Faber FOTO: Frank Faber
Selbach. Dennoch brauchen die Insekten die Hilfe des Menschen. Warum? Das erläuterte Biologe Michael Keller jetzt in Selbach. Frank Faber

Wildbienen gehören zu den weniger bekannten Gartengästen, sagt Experte Michael Keller vor dem Insektenhotel im Selbacher Wildfreigehege. Referent Keller ist Fachberater beim Landkreis für Obst-und Gartenbau und stellt den Zuhörern verschiedene Bienenarten vor. "Jede der etwa 560 Wildbienenarten in Deutschland hat sich im Laufe der Jahre perfekt an das vorhandene Lebensumfeld angepasst", erklärt Keller. Obwohl die Lebensweise recht unterschiedlich sei, liege der Brutbiologie der Wildbienen ein gemeinsames Prinzip zugrunde.


Als Paradebeispiel bezeichnet Keller die Mauerbienen, die als Gäste das Insektenhotel als Lebensraum für sich entdeckt haben. Von dieser Gattung existieren zahlreiche Arten, der Fachmann geht näher auf die Rote Mauerbiene ein. "Mauerbienen gehören zu den Solitärbienen, das heißt, sie leben nicht wie die Honigbienen in einem Staat und kennen auch keine Larvenpflege", führt er aus. Sie legen sogenannte Liniennester im Totholz oder Schilfrohr an. In diesem Nest befinden sich mehrere hintereinanderliegende Zellen. Aus unbefruchteten Eiern entwickeln sich die männlichen Insekten "Den Winter überdauern die neuen Wildbienen in ihren schützenden Hüllen. Interessanterweise befinden sich immer die Männchen vorne im Nest, da sie als Erste im Frühjahr schlüpfen", sagt Keller. Die wärmenden Sonnenstrahlen und die zunehmende Tageslänge veranlassen sie dann, ihre Nester zu verlassen. Mauerbienen brächten es allerdings nur auf eine Generation im Jahr.

"Eine Solitärbiene lebt für sich alleine, ist nicht aggressiv und macht keine Vorräte", so Keller weiter. Ganz wichtig sei, dass in ihrem Umfeld von 300 bis 400 Metern Pflanzen stehen, wo sie sich ihre Pollen holen könnten. Vom Frühjahr bis zum Herbst sorgen die verschiedenen Wildbienen-Arten für die Bestäubung der Blütenpflanzen.

Doch die Bienen sind auch auf die Hilfe der Menschen angewiesen. "In der aufgeräumten Landschaft verschwinden immer mehr Nistplätze", mahnt der Diplom-Biologe. Die Intensivierung der Landwirtschaft auf immer größer werdenden Flächen, teilweise mit Monokulturen, sowie Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, würden die als Nahrung so dringend benötigten wilden Blütenpflanzen verdrängen. "Die Wildbienen werden so ihres Futters beraubt", verdeutlicht der Experte. Und wie könnte die Hilfe für Wildbienen aussehen? Keller rät: "Im Garten auf Spritzmittel zu verzichten, dafür einheimischen Wildpflanzen eine Chance geben und Bäume und Sträucher pflanzen, Blumenwiesen anlegen und Nistmöglichkeiten schaffen". Der Garten soll dafür sorgen, dass die Bienen genug zu essen haben. Am Freitag, 5. Mai, 17 Uhr, wird Keller erneut auf Einladung des Obst- und Gartenbauvereins in Selbach referieren. Dann bezieht er auch Pflanzen mit ein. Treffpunkt ist am Insektenhotel im Wildfreigehege an der Nahequelle.