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Wochenkolumne: St. Wendel beschreitet (Pilger-)Wege

Wochenkolumne : St. Wendel beschreitet (Pilger-)Wege

Sportstadt St. Wendel – dieses Image hat sich die nordsaarländische Kreisstadt über viele Jahre hinweg hart erarbeitet: Welt- und Europameisterschaften im Querfeldein oder auf dem Mountainbike, Straßenrad-Wettbewerbe sowie Laufveranstaltungen – hier vor allem der Marathon – haben wesentlich dazu beigetragen, dass St. Wendel zumindest in Teilen der Sportwelt einen klingenden Namen hat.

Auch der Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft bringt zuhauf Menschen und somit Geld ins St. Wendeler Land. Dass das Spektakel nach Jahren in der Trierer Diaspora ins Nordsaarland zurückgekehrt ist, kann man getrost Innenminister  Klaus Boullion „anlasten“. Es war eine Art Abschiedsgeschenk an „seine“ Stadt, die er in der Zeit als Bürgermeister mit verschiedenen Sportevents im Konzert der Kommunen mächtig puschte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Nicht nur weil „Bulli“ jetzt in Saarbrücken sitzt. Sondern vor allem deshalb, weil der Boom im Ausdauersport schlicht und ergreifend abgeebbt ist. Mountainbike-Marathon mit Tausenden Startern? Das war einmal. Und die ursprünglich avisierten Läufer beim Marathon wurden nie erreicht. Im Gegenteil müssen Zusatzläufe für Kinder oder Staffelläufer ersonnen werden, damit die Teilnehmerzahlen gesteigert oder auch nur gehalten werden können. Und die Macher in den Laufvereinen, die das Event betreuen, werden auch nicht jünger – geschweige denn, dass deren Mitgliederzahlen wachsen. Von daher ist es vollkommen richtig, dass die Stadtverwaltung um Bürgermeister Peter Klär nun neue (Pilger-)Wege beschreitet. Ausdauerndes Rennen oder Radfahren im Wettbewerb sind out. Wandern, Sinn suchen, Natur erleben und gutes Essen genießen hingegen sind in. Und hier hat St. Wendel einiges zu bieten. Vor allem einen waschechten Heiligen, für den weltweit die Verehrung wächst, weil er trotz seiner königlichen Abstammung ein echter Naturbursche war, der die Schöpfung achtete und liebte. Es ist Bürgermeister Klär und seinem Team zu wünschen, dass sie es schaffen, diesen Schatz ein Stück weit zu heben und mit der Neuausrichtung des touristischen Konzepts auch außerhalb der Wallfahrt Sinnsucher und Pilger – also Touristen, die Geld bringen – nach St. Wendel zu locken.