Fremdenverkehr: Mit St. Wendelin den Tourismus ankurbeln

Fremdenverkehr : Mit St. Wendelin den Tourismus ankurbeln

Das St. Wendeler Rathaus hat eine neue Tourismus-Strategie erarbeitet. Die steht auf den Säulen Märkte, Natur, Pilgern und Genuss.

Die Jubiläumswallfahrt rund um das 1400. Todesjahr des St. Wendeler Stadtheiligen geht ihrem Ende entgegen. Am 1. November wird Weihbischof Jörg Michael Peters den gläserner Sarg St. Wendelins blickdicht verhüllen. Zwar versinken seine Gebeine danach nicht gerade in der sprichwörtlichen Versenkung. Doch zumindest wird die Tatsache, dass in St. Wendel ein großer Mann des katholischen Glaubens gewirkt und in der Basilika seine letzte Ruhestätte gefunden hat, wieder ein Stück weiter als in den vergangenen zwei Wochen aus dem Bewusstsein der Menschen rücken.

Es ist eben so: St. Wendel ist als Wallfahrtsort bekannt und alle Jahre wieder rund um den 20. Oktober, dem Festtag des Hirtenpatrons, schwillt der Pilgerstrom an. Um dann recht schnell wieder zu verebben. Dem möchte die Kreisstadt mit Bürgermeister Peter Klär (CDU) an der Spitze etwas entgegensetzen. „St. Wendel als Pilgerstadt weiter zu etablieren, ist Teil unseres Stadtentwicklungskonzepts“, verdeutlicht Klär bei einem Besuch in der St. Wendeler SZ-Redaktion, wo es hingehen soll. „Wendelin ist ein bedeutender Heiliger, der weltweit verehrt wird. Und hier in St. Wendel ist er.“ Oder zumindest liegen hier seine sterblichen Überreste. In einem beeindruckenden Gotteshaus, das in einer schmucken, heimeligen Altstadt steht – beide atmen quasi Geschichte. Wie jeder weiß, der einmal eine Stadtführung mitgemacht hat. „Die ist nicht nur für Touristen interessant“, wirbt Klär, „auch Einheimische können dabei durchaus noch das eine oder andere interessante Detail über ihre Stadt erfahren.“

Doch zurück zu Wendelin. Dem Heiligen zu Ehren baute Joseph Walter am Fuße des Bosenberges die Wendelinuskapelle. Einer Legende nach steht sie dort wo Wendelin als Eremit gelebt hat. Eine Quelle gibt es auch: an der Stelle, wo der Hirte einst während einer Dürre seinen Stab in den Boden gestoßen haben soll. Noch heute besuchen ab und an Pilger die Kapelle, um zu beten, inne zu halten und aus der Quelle zu schöpfen. Ginge es nach Bürgermeister Klär, dürften das übers Jahr verteilt gerne mehr sein. Die können mit Auto, Bus oder Bahn kommen. Oder zu Fuß, denn St. Wendel ist auch Etappenort des weit verzweigten Jakobswegs. Mit dem Wendelinus-Pilgerweg von St. Wendel nach Tholey – oder umgekehrt – hat der Landkreis sogar eine eigene Pilgerroute.

Dem St. Wendeler Bürgermeister wird nach eigenen Angaben oft von außerhalb St. Wendels zugetragen, dass die Stadt und ihre Menschen den Besuchern „Lebensfreude vermitteln“. Wer hierher komme, „bekommt das positive Lebens- und Heimatgefühl in St. Wendel“ mit. „Dinge, die auch Pilger ansprechen“, weiß Klär und fasst zusammen: „Ruhe, Natur, Inspiration, das Miteinander, der Zusammenhalt, das Lebensgefühl und nicht zu vergessen, der Genuss“, seien die Pfunde, mit denen St. Wendel wuchern und das Segment Pilger-Tourismus „ein Stück weit“ stärker für sich aufschließen möchte. Klär: „Durch den aktuellen Trend des Pilgerns zur Überwindung einer Lebenskrise oder zur Selbstfindung ist eine attraktive Zielgruppe entstanden. Dieser hat die Kreisstadt zusätzlich zum Heiligen Wendelin und der einmaligen Basilika viel zu bieten.“ Dafür wird gezielt in speziellen Printprodukten für Pilger und Wanderer geworben. Aber auch auf Tourismus-Messen. Beispielsweise will St. Wendel im kommenden Jahr in Luxemburg verstärkt für sich trommeln. „Die Luxemburger sind offen für Premiumprodukte“, sagt Klär. Er ist überzeugt: St. Wendel mit seinem reichhaltigen Veranstaltungsreigen ist ein solches Produkt, eine Marke.

Zum positiven Image St. Wendels tragen die Märkte bei. Heraus aus dem Angebot ragen Oster-, Weihnachts- sowie Lebensartmarkt. „Märkte sind unsere Klassiker und die drei Premiummärkte unsere Stärke. Bei diesen geht es nicht um Rummel oder Ramsch, sondern um Lebensgefühl“, erklärt Klär. Zum Gespräch in der SZ-Redaktion hat der Bürgermeister Verstärkung mitgebracht: Melanie Laub kümmert sich künftig in der Abteilung für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung um den Tourismus in der Kreisstadt Laub sagt: „Unsere Märkte transportieren das Image, das wir als Stadt erreichen wollen. Es geht uns nicht um Massentourismus, sondern um ein hochwertiges Nischenprodukt.“ Man will Genussmenschen ansprechen und für St. Wendel begeistern. „Die Premiummärkte bringen uns Tagesgäste, die später hoffentlich wiederkommen und dann länger bleiben.“ Diese Genussmenschen sind es – neben den Pilgern –, die St. Wendel künftig noch stärker für sich begeistern möchte. Aufgabe des Teams um Laub wird es daher sein, neue touristische Ideen und Projekte zu entwickeln.

Dabei ist St. Wendel als Urlaubsort im Landesvergleich bereits recht beliebt. Gästeankünfte und Übernachtungen erreichen beständig ein hohes Niveau. Vor allem bei internationalen Sport- und Kulturveranstaltungen sind die Betten meist ausgebucht. „Im Moment haben wir im Stadtgebiet eine Kapazität von 775 Betten in der Hotelerie und im gewerblichen Übernachtungssektor“, berichtet Laub. Wobei Privatvermieter mit einer Kapazität von weniger als neun Betten gar nicht erfasst würden. „Die Auslastung ist sehr gut. Sowohl in den Spitzenzeiten – also wenn Veranstaltungen sind – als auch übers Jahr verteilt.“ Von der Mittelklasse bis zum Vier-Sterne-Haus erstrecke sich das Angebot.

Das gleiche gelte für die Gastronomie in der Stadt. „St. Wendel ist bekannt für eine gute regionale Küche“, sagt Klär und kommt wieder auf das Thema Genuss mit all seinen Facetten zu sprechen: „Wir haben eine große Stärke im gesamten Genuss-Segment. In St. Wendel kann man gut essen, gut übernachten und überhaupt eine gute Zeit verbringen.“ In Kombination mit Aktiv-Themen wie Wandern und Radfahren – oder oben erwähntem Pilgern.

Die Touristen können aber gerne auch aus dem Ferienpark am Bostalsee kommen. „Studien zeigen, dass die erste Destination, die Center-Parc-Gäste besuchen, St. Wendel ist“, berichtet Klär, „wo sie dann auch Geld lassen.“ Klär beziffert die Nettowertschöpfung in St. Wendel durch den Tourismus mit 29 Millionen Euro jährlich.

Mit Märkten wie dem St. Wendeler Lebensart-Markt möchte die Verwaltung Tagesgäste und langfristig Touristen in die Stadt locken. Foto: b/B&K
Wer entlang des Wendelinus-Pilgerweges wandert, kann erleben, dass St. Wendel auch viel Natur zu bieten hat. . Foto: atb-thiry/atb-thiry/Fotograf-Bonenberger
Melanie Laub ist im St. Wendeler Rathaus in der Abteilung Stadtmarketing für den Tourismus zuständig. Foto: Boneberger/Stadt St. Wendel

„Auch auf Landesebene“, so Klär, „ist St. Wendel ein wichtiger Ausstrahlungspunkt.“ An erster Stelle komme bei der überregionalen Bekanntheit  Saarbrücken, dann das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, „und auf Rang drei liegt bereits St. Wendel“. Unter anderem anhand von Zahlen des statistischen Landesamtes lässt sich belegen, dass im Jahr 2016 rund 28 500 Gäste nach St. Wendel kamen und dort insgesamt 140 000 Übernachtungen buchten. Saarlandweit liegt die Kreisstadt damit auf Platz sieben der Kommunen mit den höchsten Übernachtungszahlen im Land.

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