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Wurzeln im St. Wendeler Land: Pater Alfredo stirbt Porto Alegre, Brasilien

Traurige Nachricht aus Brasilien : Pater Alfredo stirbt kurz vor seinem 100. Geburtstag

Er war beliebt, hoch geachtet – und bis zuletzt um das Wohl seiner Gemeinde besorgt. In Brasilien ist Monsenhor Alfredo Hoff vorige Woche im Alter von 99 Jahren gestorben – kurz vor seinem 100. Geburtstag am 30. Juni. Geboren wurde „Pater Alfredo“, wie ihn seine Freunde und Bekannten nannten, 1921 in Harmonia im Bundesstaat Rio Grande do Sul, später lebte und wirkte er in Porto Alegre.

Seine Vorfahren stammten aus dem St. Wendeler Land und dem Hunsrück. Hierher hielt er auch bis ins hohe Alter Kontakt und besuchte „die Heimat“ regelmäßig.

Hoff wurde 1950 zum Priester geweiht und arbeitete seit 1955 in Porto Alegre, wo er fünf Pfarreien gründete und – auch mit finanzieller Unterstützung aus der Heimat – zahlreiche Kirchen baute. Darüber hinaus setzte er sich für die sozialen Belange und die Entwicklung der Gemeinschaft in seinen Pfarreien ein, war Fürsprecher der Armen. „Als ich 1956 in der Gemeinde Santa Flora ankam, gab es keine asphaltierte Straße und alles war dunkel“, erzählte er. Auf sein Drängen hin und dank einer von ihm initiierten Spendenaktion wurden Straßen und Beleuchtung gebaut – was die Umgebung sicherer machte. Auch für die Bildung der Kinder setzte sich Pater Alfredo stets ein. Bevor er seine Bezahlung durch Gemeinde-Mitglieder annahm, fragte er stets: „Haben eure Kinder auch alle Bücher für die Schule? Wenn nicht, kauft ihnen die zuerst.“ Entsprechend spartanisch lebte er selbst. Lediglich einen Fernseher und ein Laufband, auf dem er bis ins hohe Alter trainierte, gönnte er sich. „Einen Priester, der in Luxus lebt? Das geht doch nicht“, pflegte er stets mit einem Lachen zu sagen. „Erst recht nicht hier.“ Für diese Einstellung genoss Hoff hohe Wertschätzung. Für seine Arbeit erhielt er 2009 von der Stadt Porto Alegre den Orden Porto do Sol – als Auszeichnung für seine „unermüdlichen Anstrengungen und sein soziales Engagement.“ Er habe geradezu „eine religiöse Revolution“ in der Stadt gemacht, hieß es in der Laudatio.

Gerne empfing er Gäste aus Deutschland, um „platt se schwätze“ und ihnen seine „neue Heimat“ zu zeigen. Dabei zeigte sich häufig, wie beliebt Pater Alfredo (nicht nur) in der Millionenstadt war. Oft wurde er auf der Straße angesprochen und um seinen Segen gebeten. Der Zutritt zum Vereinsmuseum seines Lieblings-Fußballclubs Gremio Porto Alegre? Erfolgte gegen einen Segen für die Kassiererin für die gesamte Besuchsgruppe kostenlos. Ebenso öffneten sich eigentlich verschlossene Türen zum Stadion und zum Training der Profi-Mannschaft. Am Mittwoch vergangener Woche schlief er friedlich ein – acht Wochen vor seinem 100. Geburtstag.