Budenstadt öffnet zum zweiten Advent : Neun Tage Weihnachtsflair in St. Wendel

Der Markt geht am Samstag in seine 20. Auflage. An dessen Dauer und dem Grundkonzept will die Stadt festhalten.

Noch sehen die Holzbuden  in ihrem kräftigen Braun allesamt gleich aus, sind ihre Läden verschlossen. Doch schon in wenigen Tagen dringt aus ihnen der Duft von gebrannten Mandeln oder frisch gebackenen Zimtwaffeln hervor, präsentieren sich die Giebel der Holzhäuschen mit vorweihnachtlichem Schmuck. Denn am kommenden Samstag, 7. Dezember, beginnt der St. Wendeler Weihnachtsmarkt.

Neun Tage lang umgibt die Kreisstadt dann ein besonderes Flair. Damit das zustande kommt, sind unter anderem die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs seit Tagen im Einsatz. Die Sterne, die über den Gassen und Straßen zu schweben scheinen, mussten aufgehängt, die Holzhäuschen aufgebaut und zahlreiche Lichterketten angebracht werden. „Es steckt viel Arbeit in dem Markt“,  sagt St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU). Auch, weil die Stadt etwas Ordentliches bieten möchte, das auch ästhetische Qualität hat. Mit 220 000 bis 240 000 beziffert der Verwaltungschef die Zahl der Besucher, die jährlich über den St. Wendeler Weihnachtsmarkt bummeln.

So ist dieser quasi Botschafter der Stadt, ein Erfolgsgarant – auch für den St. Wendeler Einzelhandel, wie Wolfgang Zeyer, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft „In St. Wendel tut sich was“, kürzlich im SZ-Gespräch sagte (wir berichteten). Während der Weihnachtsmarkttage stimme der Umsatz und so ist bei der Aktionsgemeinschaft auch der Wunsch auf eine Verlängerung entstanden. Zumindest um zwei Tage. Und wann, wenn nicht in der Weihnachtszeit, darf gewünscht werden?

Aber wie sieht es mit dem in Erfüllunggehen aus? „Wir werden den Markt nicht verlängern“, sagt Bürgermeister Klär. Über 20 Jahre hinweg habe er sich entwickelt, sei ein Erfolgsprodukt. „Warum soll ich das verändern?“, fragt Klär. Sein Konzept, so wie es ist, komme an. So wird der St. Wendeler Weihnachtsmarkt beispielsweise seit 2016 beim Magazin Geo deutschlandweit unter den Top Ten gelistet. Außerdem hält es der Verwaltungschef für wichtig, dass gerade in der Vorweihnachtszeit auch mal Ruhe in der Stadt einkehre. „Wir verlangen den Menschen mit den vielen Veranstaltungen  in der Innenstadt einiges ab. Sie sollen durchamten können.“ Gegen eine Verlängerung spreche auch der Mehraufwand für die Ehrenamtler und Händler, die während der Markttage von morgens bis abends vor Ort sind. An den Samstagen, Sonntagen und dem einen Freitag sind sie das noch eine Stunde länger. 2015 wurden die Öffnungszeiten an diesen Tagen bis 21 Uhr ausgedehnt.

An der Marktdauer und seinem Grundkonzept festzuhalten, ist für die Stadt nicht gleichdeutend damit, keine Veränderungen zuzulassen. Denn die gibt es immer wieder – ob bei den Ständen oder dem Programm. So werden dieses Mal weder Kamele noch Rentiere dabei sein. Im vergangenen Jahr hatten sich Besucher über den Umgang mit den Tieren beschwert (wir berichteten). Noch einmal versichert Marktleiterin Leonie Paqué im SZ-Gespräch, dass die Tiere ordentlich versorgt wurden. „Das Veterinäramt hat das alles kontrolliert“, sagt Paqué. Trotzdem: Die Skepsis bei einigen Besuchern blieb. „Wir wollten nicht, dass negatives Licht auf den Markt fällt, daher verzichten wir auf die Kamele und die Rentiere“, sagt Klär.  Ganz ohne tierische Gäste wird der Markt aber nicht ablaufen. Esel, Ziege Schaf und Lämmchen gehören nach wie vor zur „Lebendigen Krippe“.

Neu im Programm ist die Gruppe Eventpuppets aus Berlin. „Sie haben extra eine Show für St. Wendel konzipiert“, verrät Markt-Chefin Paqué. Diese sei angelehnt an Charles Dickens Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“. Drei Mal täglich ist die Eventpuppets-Formation auf der Mott zu sehen. Auf die Gruppe aufmerksam wurde Paqué bei einer Vorführung in Düsseldorf. Anschließend habe sie im Netz recherchiert und schließlich Kontakt aufgenommen. Und das schon Anfang des Jahres.

Denn in St. Wendel gilt: Nach dem Weihnachtsmarkt ist vor dem Weihnachtsmarkt. Schon im Januar beginnen die Planungen für Mitte Dezember. „Als erstes buche ich die Künstler“, verrät die Marktleiterin. Dann laufe auch schon die Werbung bei den Busunternehmen an und es müsse Kontakt zu Händlern aufgenommen werden. Hier ist es Paqué wichtig, eine Mischung anzubieten zwischen Bekanntem und Neuem.

Die Tanne vor er Basilika war am Montagvormittag schon teils mit Lichtlein bestückt, die eine erste Leuchtprobe bestanden haben. Foto: Evelyn Schneider
Hat ihren Stammplatz auf dem Schlossplatz: Die zwölf Meter hohe Weihnachtspyramide. Handgeschnitzte Figuren zieren das Prunkstück aus dem Erzgebirge. Foto: Evelyn Schneider

Bewährt hat sich in den zurückliegenden Jahren das Zusammenspiel zwischen mittelalterlicher Atmosphäre auf der Mott und klassischem Weihnachtsmarkt in der Fußgängerzone. Zauberei, Musik und Tanz werden einmal mehr Elemente des Programms sein. 350 Busse haben bereits ihr Kommen angekündigt. So dürfte einmal mehr einiges los sein in St. Wendels weihnachtlicher Budenstadt.