1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Selbsthilfegruppen wollen ermutigen

Selbsthilfegruppen wollen ermutigen

Ihren Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit steigern und auf die Qualität der Selbsthilfe aufmerksam zu machen: Das war das Anliegen des vierten Selbsthilfetages. Dieser wurde unter dem Motto „In der Selbsthilfegruppe Lebensfreude teilen“ auf dem St. Wendeler Schlossplatz veranstaltet. Mitglieder von 20 Gruppen waren vor Ort und boten Gespräche und Mitmach-Aktionen an.

Selbsthilfe gibt's, Selbsthilfe wirkt: 20 Gruppen zeigen, wie fröhlich und aktiv Menschen trotz Handicap sind. Das Tagesmotto "In der Selbsthilfegruppe Lebensfreude teilen", leben sie auf dem St. Wendeler Schlossplatz vor.

Mit dem Verteilen von Brezeln versucht ein Mitglied der Morbus-Bechterew-Gruppe auf dem Schlossplatz den Durchmarsch der Passanten zu stoppen, und die jeweiligen Personen für ein Gespräch gewinnen zu können. Schwierig. "Viele Krankheiten gelten als Tabuthema und werden in der Öffentlichkeit nicht angesprochen", erklärt Organisatorin Beate Ufer von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland (KISS). Auch wenn es nicht zum Gespräch kommen würde, sei es wichtig die Menschen darauf hinzuweisen, wie vielfältig die Selbsthilfegruppen sind.

Bewegung ist dynamisch

Der Selbsthilfetag ist eine einzigartige Gelegenheit dazu, so viel gebündelte Information gibt es sonst nicht. "Die Selbsthilfebewegung ist sehr dynamisch und es kommen weitere Gruppen dazu", sagt Ufer. In den Selbsthilfegruppen finden sich oft Experten, die über Kontakte zu Ärzten und Kliniken verfügen und bestens über Medikamente und dergleichen Bescheid wissen. Künftig, so Ufer würde das Thema Demenz noch stärker in den Fokus rücken. "Mit einem niedrigschwelligen Angebot kann man beispielsweise in offenen Treffs die Hemmschwelle bei den Angehörigen eines Demenzpatienten herabsetzen", meint die Organisatorin.

Alkoholismus gilt als Volkskrankheit, aber am Stand der Anonymen Alkoholiker lässt sich kein Ratsuchender blicken. Vielleicht inkognito? "Wenn die Menschen sich an den Ständen informieren, dann oft nicht als Betroffener, sondern sie fragen für einen Bekannten", meint Morbus-Bechterew-Gruppensprecher Siegmar Fritsch. Hauptsächlich sei wichtig, dass sich die Fragenden ein Informationsblatt mitnehmen. "Bei einem Selbsthilfetag findet man keine neuen Mitglieder, aber wir müssen uns zeigen, damit wir bekannt werden", meint Fritsch.

Um den Selbsthilfegedanken der Öffentlichkeit näher zu bringen, hat die KISS-Chefin neue Ideen im Kopf, damit Betroffene und Ratsuchende von einem Netzwerk profitieren können. Dazu zähle die Präsenz in den neuen Medien. "In den Kliniken und Arztpraxen muss Infomaterial ausgelegt werden, damit auf die Selbsthilfe hingewiesen werden kann", so Ufer. Nach fünf Stunden machen die Gruppen Feierabend, aber die Arbeit im Verborgenen geht weiter.

Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland (KISS), Telefonnummer (06 81) 9 60 21 30.

selbsthilfe-saar.de